Fachbuch in 3. Auflage: Operation Jahresabschluss

Warum jeder Krankenhausmanager dieses Nachschlagewerk im Regal haben sollte

Keyfacts

  • Fachbuch für Praktiker in der Gesundheitswirtschaft in neuer Auflage erschienen
  • Umfassendes Nachschlagewerk zum Krankenhaus-Rechnungswesen
  • Grundlegende Überarbeitung unter Berücksichtigung des BilRUG
Zum Fachbuch
Prof. Dr. Volker Penter
  • Partner, Niederlassungsleiter
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Für Spezialmaterie braucht es Spezialisten. Und im deutschen Gesundheitswesen gibt es wahrlich jede Menge Spezialfälle: Keine Branche ist so vielseitig, so komplex und gleichzeitig so dynamisch. Für Kaufleute in Gesundheitsbetrieben sind es insbesondere die zahlreichen regulatorischen Änderungen, die Arbeitsabläufe und Prozesse verändern. Wer hier sattelfest den Überblick behalten möchte, der kommt am Fachbuch „Kompendium Krankenhaus-Rechnungswesen“ nicht vorbei. Das Sammelwerk wendet sich an die Praktiker in der Gesundheitswirtschaft und unterstützt sie bei ihrer täglichen Arbeit im Rechnungswesen und in rechnungslegungsnahen Bereichen.

Jetzt ist die dritte überarbeitete und erweiterte Auflage erschienen. Grund genug, um mit den Autoren Prof. Dr. Volker Penter und Dr. Bernd Siefert über die Neuigkeiten und Veränderungen für Krankenhausmanager zu sprechen:  

Herr Dr. Siefert, die dritte Auflage des „Kompendium Krankenhaus-Rechnungswesen“ liegt seit einigen Tagen druckfrisch vor. Warum war die Aktualisierung notwendig?

Dr. Siefert: Seit der zweiten Auflage hat der Gesetzgeber wieder zahlreiche Änderungen der Rechnungslegung verabschiedet. Allerdings werden die Verantwortlichen in den Krankenhäusern mit der konkreten Anwendung der Regelungen wie üblich alleine gelassen. Das Handbuch stellt somit nicht nur die relevanten Änderungen dar, sondern gibt konkrete Hinweise zur praktischen Anwendung – auch über die reine Rechnungslegung hinaus.

Welche Kapitel haben ein Update bekommen?

Dr. Siefert: Grundlegend überarbeitet und erweitert wurden alle zehn Kapitel des Kompendiums. Besonders möchte ich auf die Änderung der Definition der Umsatzerlöse hinweisen. Hier gehen wir auf nach wie vor bestehende Zweifelsfragen ein und geben pragmatische Lösungshinweise. Da so gut wie jeder Krankenhausträger einen Konzernabschluss erstellt, waren die neu in Kraft getretenen Deutschen Rechnungslegungs Standards (DRS) zu berücksichtigen. Wichtig ist hierbei DRS 23, der aus unserer Sicht bedeutsamste Standard für die künftige Ergebnissteuerung im Konzern.

Alle Kapitel des Kompendiums wurden mit Blick auf das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) grundlegend überarbeitet. Ziel des Gesetzes ist es, kleine und mittlere Unternehmen zu entlasten und die Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen zu erhöhen. Prof. Dr. Penter, ist dies geglückt oder sehen Sie Nachbesserungsbedarf?

Prof. Dr. Penter: Nur wenige Krankenhäuser zählen zu den kleinen oder mittleren Unternehmen. In dieser Hinsicht ist das BilRUG für die Branche weniger interessant. Spannend ist aber das Thema Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse. Denn diese war aus Sicht der Rechnungslegung schon immer sehr gut. Die Krankenhaus-Buchführungsverordnung setzt hier hohe Standards. Das Problem ist ein anderes: Noch immer legen viele Krankenhäuser ihre Jahresabschlüsse nicht offen. Sie entziehen sich also einem Vergleich. Dass zum Beispiel ein großer Teil der Jahresabschlüsse unserer Universitätskliniken und ein nicht unerheblicher Teil der kommunalen Krankenhäuser der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Hier besteht eindeutig Handlungsbedarf.

Im Kompendium werden auch internationale Rechnungslegungsstandards diskutiert. Welche Bedeutung haben diese für deutsche Krankenhäuser?

Dr. Siefert: Schon heute gibt es in Deutschland viele Krankenhäuser, die die internationalen Rechnungslegungsstandards berücksichtigen müssen. Mit IFRS 9 und 15 existieren zwei neue wesentliche Standards, die ab dem 1. Januar 2018 verpflichtend anzuwenden sind. Im Buch erklären wir, was sich im Vergleich zu den Vorgängerstandards geändert hat. Fakt ist: Die Bedeutung der International Financial Reporting Standards (IFRS) wird zukünftig weiter zunehmen. Denn viele der neu auf dem deutschen Krankenhaus Markt agierenden Gesellschaften müssen nach IFRS Rechnung legen – bspw. Private-Equity-Gesellschaften oder internationale Konzerne. Schließen sich Krankenhäuser diesen Gesellschaften an, ist die Umstellung auf IFRS obligatorisch. Mit unserem Nachschlagewerk lernen Krankenhausmanager die maßgeblichen IFRS schnell und unkompliziert kennen.

Aufsichtsorgane sollen immer professioneller werden, so die weitläufige Forderung. Was ist notwendig, um Aufsichtsräte in Krankenhäusern fit zu machen für die künftigen Aufgaben?

Prof. Dr. Penter: Aufsichtsorgane sollten ihrem Auftrag treu bleiben. Leider gibt es insbesondere im öffentlichen Bereich noch zu häufig die Vorstellung, dass Aufsichtsorgane ein Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele sind. Vergessen wird dabei zu oft, dass die Aufsicht im Sinne des Unternehmens erfolgen muss. Im Zweifel sollte der Aufsichtsrat also seine Entscheidung zum Wohle des Krankenhauses treffen, auch wenn diese vielleicht politisch unbeliebt ist. Verbesserungsbedarf gibt es bei der fachlichen Qualifikation von Gremienmitgliedern. Zum einen müssen Aufsichtsorgane Mitglieder mit fachlicher Expertise haben. Da geht es um medizinisches, rechtliches und strategisches, aber auch zunehmend IT-bezogenes Wissen. Zum anderen müssen sich Aufsichtsräte, die dieses Wissen nicht oder nur unzureichend haben, weiterbilden.

Welche Anforderungen stellen Gläubiger und Anteilseigner an einen Jahresabschluss im Krankenhaus?

Dr. Siefert: Anteilseigener, Kreditgeber und andere Stakeholder erwarten eine möglichst schnelle Abschlusserstellung. Für einige Krankenhäuser ist die Einhaltung der gesetzlichen Aufstellungsfristen bereits eine Herausforderung. Insoweit müssen die Prozesse angepasst werden, damit der Jahresabschluss bis zum 31. März (z.B. bei Kapitalgesellschaften) oder 30. April eine Selbstverständlichkeit wird. Das frühzeitige Vorliegen eines Jahresabschluss wird künftig noch stärker als Nachweis für optimale Prozessabläufe gesehen. Hier möchte keiner mehr der Letzte sein.

Herr Prof. Dr. Penter, wodurch definiert sich ihrer Meinung nach wirksame Governance im Krankenhaus?

Prof. Dr. Penter: Erstens: Sie zeigt sich darin, dass Risiken für das Unternehmen erkannt und behandelt werden. Zweitens: Man erkennt wirksame Governance daran, dass Regeln – also Gesetze, Verträge, interne Festlegungen – auch eingehalten werden. Und das nicht per Zufall, sondern sichergestellt durch wirksame Systeme. Es ist die Aufgabe der Vorstände und Geschäftsführungen, aber auch der Aufsichtsgremien, dass ein Krankenhaus solche Systeme implementiert hat. Wer hier nachlässig ist, kann im Schadensfall persönlich zur Verantwortung gezogen werden. Beispiele dafür gibt es leider genug.

Sind die drei neuen Prüfstandards des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IdW) zu Risikomanagement, zum Internen Kontrollsystem der Unternehmensberichterstattung und zum Internen Revisionssystem ausreichend?

Prof. Dr. Penter: Standards kann man immer verbessern. Das ist aber nicht das Problem. Viele Krankenhäuser haben große Mühe, die recht hohen Anforderungen der bestehenden Standards umzusetzen. Das ist keine Frage des fehlenden Wissens, sondern eine Frage des Geldes. Wissen können die Kliniken notfalls von Dritten einkaufen. Die Implementierung und Pflege solcher Systeme kostet jedoch viel, viel Geld. Geld, welches an anderer Stelle wieder eingespart werden muss. Wenn Sie als Krankenhausmanager entscheiden müssen, ob sie ein notwendiges medizinisches Gerät kaufen, einen renommierten Chefarzt einstellen oder alternativ Geld in ihr Risikomanagementsystem investieren, dann wird es schwierig.

Ja, gerade moderne – teilweise bereits digital vernetzte – medizinische Geräte sind ein hoher Kostenfaktor. Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf das Rechnungswesen im Krankenhaus?

Dr. Siefert: Digitalisierte Prozesse halten auch hier Einzug: Die automatische Verbuchung von Bankkontobewegungen oder Lieferantenrechnungen ist heute schon vielerorts selbstverständlich. Die vorhandenen Daten bieten in Zukunft aber noch viel mehr: zum Beispiel bei der Kostenanalyse oder bei der Steigerung der Prozesseffizienz. So kann durch einen schnelleren Abrechnungsprozess die Liquidität der Kliniken verbessert werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Prof. Dr. Volker Penter
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