Krankenhäuser: Internationalisierung notwendig

Wollen die Krankenhäuser weiter wachsen, hilft ein Blick auf die Exportweltmeister

Keyfacts

  • Die Wachstumsrate von Krankenhäusern sinkt in Deutschland.
  • Der deutsche Markt ist zunehmend gesättigt und reguliert.
  • Expansionen ins Ausland sind vielversprechend.
Stefan Friedrich
  • Partner, Corporate Governance Services; Healthcare, Saudi Arabien Country Practice Leiter
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Deutsche Unternehmen sind vor allem eins: international. Der Anteil des Auslandsgeschäfts beträgt bei der Mehrzahl der Dax-Unternehmen mehr als 75 Prozent. Im Mittelstand ist bei vielen Unternehmen der Auslandsanteil ähnlich hoch. Sie errangen für Deutschland einige Jahre den Titel Exportweltmeister, ehe China zuletzt deutlich davon wuchs.

Eine Branche aber nimmt sich aus: die Krankenhäuser. Während in Kleinstädten Familienunternehmen beheimatet sind, die schon seit drei Generationen Waren nach Frankreich, in die USA oder den arabischen Raum verkaufen, hat das örtliche Krankenhaus höchstens mal einen übermütigen Wanderer aus dem Nachbarkreis behandelt.

Von reichen Ausländern geschätzt

Zwar sind in den vergangenen Jahren durchaus beachtliche Klinikkonzerne in Deutschland entstanden, doch Leistungen in anderen Ländern erbringen sie bisher kaum.

Dass die qualitativen Standards durchaus den höchsten Ansprüchen genügen, weiß jeder, der sich im Ausland ein Bein gebrochen hat oder dem der Blinddarm zwickte. Das wissen auch arabische Scheichs, der kasachische Präsident und russische Geschäftsleute zu schätzen, um nur einige prominente Patienten zu nennen.

Hohe Qualität in der Breite

Qualität ist dabei nicht nur eine Frage guter Ärzte. Gute Medizin lebt auch von hervorragend organisierten Prozessen. Messen lässt sich das in der geringen Zahl von Behandlungsfehlern und einer niedrigen Sterblichkeitsrate. Bei allem Verbesserungspotenzial, das es durchaus gibt, gehen Patienten aus deutschen Kliniken üblicherweise zufriedener raus, als sie rein gegangen sind. Die Versorgung erfolgt in der Breite auf einem sehr hohen Niveau. Das ist nicht in allen Ländern so.

Den Krankenhäusern fehlt aber, was deutsche Industrieunternehmen so oft auszeichnet: Auslandserfahrung, behutsame entwickelte Vertriebsnetzwerke, das Wissen, worauf es in welchem Land ankommt.

Gesättigter, durchregulierter Markt in Deutschland

Dabei wird der Druck, neue Märkte zu erschließen, größer. Denn in Deutschland greift allmählich der demografische Wandel. Zudem steigt die Regulierung. Gerade erst wurden neue Mindeststandards in der Pflege ins Spiel gebracht. Die Kosten steigen zugleich durch den Personalmangel. Übernahmen wiederum stoßen zunehmend auf kartellrechtliche Schranken. Im Ergebnis dürften die Wachstumsraten weiter sinken. Schon über die vergangenen zehn Jahre wuchsen die großen Klinikkonzerne weniger stark als in den vorangegangenen.

Attraktiv fürs Personal

Zudem gibt es mehrere Vorteile, die die Krankenhäuser aus Auslandsaktivitäten ziehen können:

° Die Möglichkeit zeitweilig im Ausland zu arbeiten, macht die Krankenhäuser als Arbeitgeber attraktiver.

° Die Krankenhäuser bekommen leichter Zugang zu Personal im Ausland, können diese qualifizieren und bei Bedarf in Deutschland einsetzen.

Die richtigen Länder wählen

Es liegt zwar auf der Hand zu sagen, wenn arabische Scheichs sich in meinem Krankenhaus behandeln lassen, ließen sich noch mehr Patienten behandeln, wenn ich zu den Scheichs gehe. Insgesamt empfehle ich aber die Risiken im Blick zu behalten und in Länder zu expandieren, die zu meinem Krankenhausprofil passen. Dabei sollte man durchdacht vorgehen. Die regulatorischen Anforderungen sollten verstanden werden können. Und natürlich muss es einen Bedarf geben, das Gesundheitssystem in jenem Land unterversorgt sein. Das spricht etwa für

Wichtig ist in jedem Fall, Kriterien festzulegen, die organisatorischen Anforderungen zu bestimmen und mit einer wohlüberlegten Strategie die Internationalisierung voranzutreiben. Nur eine Frage, die darin beantwortet sein muss: Wie wahre ich den eigenen Qualitätsanspruch, um nicht über eventuelle Behandlungsfehler im Ausland die eigene Marke zu beschädigen?

Fazit: Krankenhäuser in zehn Jahren deutlich internationaler

Noch vor kurzem mag der Gedanke, deutsche Krankenhäuser im Ausland zu betreiben, exotisch gewirkt haben. Die großen privaten Ketten haben mittlerweile die ersten Schritte getan. Doch wer den Schritt jetzt nicht geht, wird in zehn Jahren, wenn dies zur Normalität geworden ist, hinterherlaufen.

Stefan Friedrich wird auf dem Gesundheitskongress München einen Workshop zum Thema Krankenhäuser International geben. Einen weiteren Workshop zum Thema Sanierungsmanagement wird KPMG-Partner Thomas Rüger durchführen. Die Eröffnung übernimmt Volker Penter, Head of Health Care bei KPMG. Der Gesundheitskongress findet am 25. und 26. Oktober statt.

Stefan Friedrich
  • Partner, Corporate Governance Services; Healthcare, Saudi Arabien Country Practice Leiter
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