Krankenhaus der Zukunft

Warum der Patient der Zukunft digital ist – und warum er davon profitiert

Krankenhaus der Zukunft

Warum der Patient der Zukunft digital ist – und warum er davon profitiert

Das Krankenhaus der Zukunft – es war eines der wichtigsten Themen bei der Premiere von Klardenker live, der interaktiven Veranstaltungsreihe von KPMG im Hamburger Schmidtchen. Insbesondere die weitere Entwicklung im Bereich der Telemedizin traf dabei das Interesse der Experten. Telemedizinische Anwendungen ermöglichen die Diagnose, Behandlung und Überwachung von Krankheiten, auch wenn Ärzte und Patienten zeitlich und räumlich getrennt sind. Hierbei geht es um datengestützte Diagnosen, die dazu beitragen, dass beispielsweise ältere Patienten den oft beschwerlichen Weg in die Arztpraxis gar nicht mehr antreten müssen – weil Mediziner und Patienten per Smartphone miteinander verbunden sind.

Für das laufende Jahr gehen Experten davon aus, dass weltweit rund zwei Millionen Patienten mit telemedizinischen Maßnahmen behandelt werden. Was auf den ersten Blick wie keine besonders hohe Zahl wirkt, ändert sich beim Blick auf die Prognose für das Jahr 2018: Binnen zwei Jahren steigt diese Zahl auf etwa sieben Millionen Patienten – ein beachtliches Wachstum.

E-Health-Gesetz gibt Impuls

„Der Grund für diese Entwicklung liegt auch in der geänderten Gesetzeslage“, sagt Volker Penter, Head of Health Care bei KPMG. Ein bedeutsamer Impuls gehe dabei auch von dem Anfang des Jahres verabschiedeten E-Health-Gesetz aus, das einen Zeitplan für die bundesweite Einführung der erforderlichen Infrastruktur beinhaltet. Konkret bedeutet das, dass die telemedizinische Beurteilung von Röntgenbildern ab April 2017, die Online-Videosprechstunde ab Juli 2017 in die vertragsärztliche Versorgung aufgenommen und damit als reguläre Kassenleistung zur Verfügung stehen wird.

Der wesentliche Unterschied zur bisherigen Situation im Gesundheitswesen liegt nach Ansicht der Podiumsteilnehmer bei Klardenker live in der umfassenden Datenvernetzung. Wenn alle Patientendaten auf einer zentralen Plattform gespeichert würden, auf die neben Ärzten und Pfleger auch die Patienten selber Zugriff hätten, so würde sich davon ausgehend auch das Verhältnis zwischen Patient und Arzt grundlegend ändern. „Wenn die Patienten stärker als zuvor in ihre Gesundung einbezogen werden, dann werden sie selbst zu einem starken Treiber der aktuellen Umbrüche im Gesundheitswesen“, sagt Penter. Eine Art medizinisches Perpetuum Mobile, quasi: Die weitere Ausbreitung der neuen Technologie werde dazu führen, dass immer mehr Patienten die Vorteile telemedizinischer Behandlungen für sich erkennen würden – und dementsprechende Leistungen nachfragen.

Angesichts des demografischen Wandels mit seinen Tendenzen zu Landflucht und Überalterung der Bevölkerung sei davon auszugehen, dass auf absehbare Zeit einzelne, besonders hochleistungsfähige E-Health-Zentren entstünden. „Diese Zentren bilden das Rückgrat der neuen Technologie und entwickeln als Leuchtturmprojekt eine Strahlkraft, an der sich Nachzügler orientieren werden“, sagt Penter. Diese Krankenhäuser der Zukunft erfüllen im anstehenden Strukturwandel eine doppelte Funktion: Zum einen leisten sie einen beträchtlichen Beitrag zur Patienten-Versorgung in der breiten Fläche, da sie durch eine besonders hohe Kompetenz zur Vernetzung sowie der konsequenten Anwendung telemedizinischer Diagnosen für Patienten besonders schnell erreichbar sind.

Krankenhaus der Zukunft: vernetzt und dezentral

Zum anderen aber, so die Annahme der Experten, seien diese E-Health-Zentren auch der Ort, an dem besonders umfassend neue Technologien im Krankenhaus selbst eingesetzt werden. So seien beispielsweise elektronische Messpunkte in der Dusche möglich, die einen gestürzten Patienten von einem stehenden unterschieden können. Auch das elektronische Armband sei keine Illusion, mit dessen Hilfe sich Vitalfunktionen sowie aktueller Aufenthaltsort jedes Patienten in der Klinik überwachen ließe. Was auf der einen Seite die Patientensicherheit im Notfall erhöht, vereinfacht auf der anderen Seite Pflege, Dokumentation, Einkauf und Verwaltung.

Vor diesem Hintergrund wird auch der Einsatz von Datenbrillen im Bereich Virtual und Augmented Reality immer interessanter.Nach einer KPMG-Studie aus dem April 2016 sehen bereits heute viele Unternehmen großes Potenzial in der Anwendung virtueller Realitäten. So könnten Datenbrillen beispielsweise sowohl in der Diagnose wie auch im Mitarbeitertraining der Beschäftigten im Pflegesektor in Kürze zur Marktreife gelangen, sagt Volker Penter. Das VR / AR Opportunity Assessment von KPMG zeigt Unternehmen, ob sie für Virtual und Augmented Reality-Anwendungen gerüstet sind.

Während erste Studie bereits den Nachweis erbrachten, dass Telemedizin bei passenden Zielgruppen verbesserte Behandlungsergebnisse erbrachte, liegt eine der zentralen Herausforderungen nach wie vor im Bereich des Datenschutzes – darüber bestand Einigkeit bei der Klardenker live Diskussionsrunde. Wobei datenschutzrechtliche Bestimmungen hier auffallend häufig von den Patienten selbst unterlaufen werden, wie der Podiumsteilnehmer und Arzt Dr. Johannes Wimmer sagt: „Wir im Krankenhaus müssen unheimlich viel sichern und unterschreiben, und dann posten die Patienten die Fotos von ihren Befunden selber auf ihren Facebook-Seiten.“

Den vollständigen Mitschnitt des Klardenker Livestreams gibt es hier.

Die nächste Veranstaltung Klardenker live findet statt am 13. September. Dann diskutiert Moderator Falko Brinkmann mit Experten aus dem Finanzbereich zum Thema „Fintech und Co.“ Zur Anmeldung geht es hier.

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