Krankenhausfinanzierung ungeklärt

Krankenhausfinanzierung ungeklärt

Mit Alternativen kann wirtschaftliche und qualitätsorientierte Zukunft gestaltet werden

Keyfacts über Krankenhäuser

  • Duale Finanzierung ist das grundlegende Problem der Krankenhäuser
  • Ein Drittel der deutschen Krankenhäuser schreibt rote Zahlen
  • Alternative Formen der Finanzierung sind in Zukunft von entscheidender Bedeutung
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01. Oktober 2015

Der Finanzbedarf von Krankenhäusern lässt sich mit den traditionellen Instrumenten der Krankenhausfinanzierung oft nicht mehr decken. Prof. Dr. Volker Penter, Head of Healthcare KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, stellt auf dem 14. Europäischen Gesundheitskongress München alternative Finanzierungsformen für Krankenhäuser vor – aber welche ist die beste?

Deutschlandweit protestierten Ende September über 1300 Krankenhäuser für mehr Personal und eine faire, transparente Krankenhausfinanzierung. Hintergrund: Der Gesetzesentwurf der Bundesregierung zum Krankenhausstrukturgesetz sorgt in der Branche für Unverständnis. Für viele Praktiker löst der Gesetzentwurf das grundlegende Problem der dualen Finanzierung der Krankenhäuser nicht.

Die duale Finanzierung steht auf zwei Säulen: Das Geld für die Betriebskosten kommt über die Fallpauschalen in der Hauptsache von den Krankenkassen. Das Geld für die Investitionen soll von den Bundesländern kommen. Seit vielen Jahren sinken die öffentlichen Investitionsmittel. Auch KPMG-Gesundheitsexperte Prof. Dr. Volker Penter ist überzeugt, dass das Krankenhausstrukturgesetz keine Lösung für die Frage der Finanzierung der Investitionen bietet:

„Es ist unverständlich, dass der Gesetzgeber die zu deutlich zu geringen Investitionsmittel der Bundesländer für weitere Jahre fortschreiben will.“

26,3 %

der deutschen Gesundheitsausgaben entfielen 2013 auf den Krankenhausbereich.

Mit neuen Modellen die wirtschaftliche Zukunft gestalten

Beim 14. Europäischen Gesundheitskongress München zum Thema „Ökonomisierung: Ein vermeidbarer Trend?“ zeigt der KPMG-Gesundheitsexperte alternative Finanzierungsmöglichkeiten auf, mit denen eine wirtschaftliche und qualitätsorientierte Zukunft gestaltet werden kann. Die traurige Wahrheit: Öffentliche Fördermittel werden zu gering bleiben. Alternative Formen der Finanzierung sind daher in Zukunft von entscheidender Bedeutung.

So seien private Träger im Vergleich zu öffentlichen Krankenhäusern meist in der Lage, höhere Investitionen durch Eigenkapital zu tätigen. Grundvoraussetzung dafür ist eine hohe Profitabilität, die mit einem Entwicklungsplan etabliert wird. Dazu Penter:

„Die Finanzierung von Investitionen aus dem Cash Flow bedingt eine hohe Profitabilität der Krankenhäuser. Angesichts der Tatsache, dass ein Drittel der Krankenhäuser rote Zahlen schreiben, ist diese Form der Finanzierung für viele Krankenhäuser reine Theorie.“

Mit dem Sale-and-lease-back-Verfahren stellt der Gesundheitsexperte eine weitere mögliche Form der Finanzierung vor. Dabei handelt es sich um eine besondere Form des Leasings, bei der ein Unternehmen eine Immobilie an eine Leasinggesellschaft verkauft. Der Vorteil dieses Modells ist, dass das Unternehmen durch den Kaufpreis Kapital erhält und seine Liquidität erhöht. Das Leasingobjekt kann vollständig weiter genutzt werden. Penter ist überzeugt:

„Sale-and-lease-back ist oft teuer. Die Leasingraten enthalten einen erheblichen Zinsanteil. Dieser wird von den Fallpauschalen nicht abgedeckt. Der Differenzbetrag muss also aus dauerhaften Effizienzsteigerungen erwirtschaftet werden.“

Eine weitere Finanzierungsform ist Public Private Partnership (PPP). Dabei handelt es sich um einen Sammelbegriff für Kooperationsformen zwischen dem öffentlichen Sektor und der Privatwirtschaft. Bezogen auf den Krankenhaussektor kann das so weit gehen, dass der technische und infrastrukturelle Betrieb des Krankenhauses durch private Partner übernommen wird, während die öffentliche Hand weiterhin für die stationäre Krankenversorgung verantwortlich bleibt. Im Krankenhausbereich gibt es zwar erste Erfahrungen mit PPP-Modellen, von einer Etablierung dieser Kooperationsform kann laut Penter allerdings noch nicht gesprochen werden:

„PPP-Projekte basieren meist auf einem komplizierten Vertragswerk, bei dem sich das Krankenhaus langfristig an einen privaten Kooperationspartner bindet. Sollten sich die Erwartungen an die Kooperation nicht erfüllen, ist eine Auflösung der Verträge teuer. Man muss also genau hinschauen, mit wem man sich einlässt.“

Fazit Penter: Alternative Finanzierungsformen gibt es viele. Allen ist gemein, dass der Kapitalgeber Zinsen erwartet. Da diese Zinsen von den Fallpauschalen nicht abgedeckt sind, muss das Krankenhaus den Differenzbetrag durch Effizienzsteigerungen Jahr für Jahr ausgleichen. Deshalb ist die unzureichende öffentliche Investitionsfinanzierung so kritikwürdig.

Zusammengefasst

»Die traurige Wahrheit: Öffentliche Fördermittel werden zu gering bleiben. Alternative Formen der Finanzierung sind daher in Zukunft von entscheidender Bedeutung.«

Der Finanzbedarf von Krankenhäusern lässt sich mit den traditionellen Instrumenten der Krankenhausfinanzierung oft nicht mehr decken. Prof. Dr. Volker Penter, Head of Healthcare KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, stellt alternative Finanzierungsformen für Krankenhäuser vor. Allen ist gemein, dass der Kapitalgeber Zinsen erwartet. Da diese Zinsen von den Fallpauschalen nicht abgedeckt sind, muss das Krankenhaus den Differenzbetrag durch Effizienzsteigerungen Jahr für Jahr ausgleichen.

Prof. Dr. Volker Penter Head of Health Care
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Welche alternativen Finanzierungsmöglichkeiten haben die Krankenhäuser?

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