Künstliche Intelligenz: Wie Wirtschaftsprüfung noch besser wird

Auswirkungen auf das Berufsbild und die Zusammenarbeit mit dem Mandanten.

Keyfacts

  • Die zunehmenden Datenmengen können noch zuverlässiger ausgewertet werden
  • Jedoch kann der Abschlussprüfer nicht durch KI ersetzt werden
  • Die besten Wirtschaftsprüfer nutzen die neuen Möglichkeiten
Klardenker- Redaktion
  • KPMG
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Die gute Nachricht vorweg: Datenanalyse war schon immer eine Domäne der Wirtschaftsprüfung. Doch die Branche ist verunsichert. Sind Künstliche Intelligenzen in Sachen Big Data bald präziser und demnach besser als das menschliche Pendant? Eine Einschätzung, was von den neuen Möglichkeiten zu erwarten ist – und was nicht.

Richtig ist, dass die Verfügbarkeit digitaler Daten und der Einsatz immer leistungsstärkerer Analysetechniken zunehmen wird. Im Zuge dessen erwarte ich, dass es die Wirtschaftsprüfer sein werden, die ihre Exzellenz dafür einbringen werden, um Prüfungsergebnisse abzuleiten.

Es geht darum, dass den Prüfern bestimmte manuelle Tätigkeiten abgenommen werden, die nur einen geringen Beitrag zur Wertschöpfung der Abschlussprüfung leisten. Ein Beispiel aus der täglichen Arbeit eines Wirtschaftsprüfers gefällig?

Zu den typischen Prüfungshandlungen in der Abschlussprüfung gehört beispielsweise der Abgleich von gebuchten Sachverhalten mit den der Buchung zugrundeliegenden Unterlagen. Es ist üblich, dass die Informationen externer Dokumente händisch mit den elektronischen Informationen des Mandanten abgeglichen, das Ergebnis gewürdigt und dokumentiert wird.

Solche Abstimmungen sind notwendig, aber auch relativ zeitaufwendig. Ihre Wertschöpfung ist eher gering. Durch den Einsatz von KI wird es an dieser Stelle zu einer Entlastung kommen: Das könnten bald Computer erledigen.

Mit Hilfe von Robotics-Lösungen können Computer relevante Informationen aus z.B. Rechnungen, Liefernachweisen, Aufträgen und Verträgen digitalisiert auslesen, strukturiert aufbereiten und zu internen Daten des Mandanten maschinell abgleichen und entsprechend dokumentieren.

Wir sind bereits heute in der Lage, mit unserem KPMG Contract Abstraction Tool bilanzierungsrelevante Kennzahlen aus komplexen Leasingverträgen auszulesen.

Ein weiteres Beispiel gefällig? Hauptbuchanalysen werden in der Wirtschaftsprüfung schon seit vielen Jahren eingesetzt und entwickeln sich laufend weiter. So lässt sich bereits heute der gesamte Buchungsstoff im Rahmen des Journal Entry Testings automatisiert nach auffälligen Buchungsmustern untersuchen und hinsichtlich definierter Risikokriterien effizient auswerten.

Die Frage wird sein, wie gut die Systeme dazu lernen: Wie gut erkennen die Systeme Anomalien und können sie irgendwann eigenständig die richtigen Schlüsse aus bestimmten Sachverhalten ziehen? Die KI-Anwendungen beschränken sich weitgehend auf die Unterstützung der Prüfung von Routinetransaktionen. Durch eine konsequente Weiterentwicklung hat KI das Potential, den Abschlussprüfer zukünftig auch in komplexeren Prüffeldern zu unterstützen.

Bereits heute sind die Möglichkeiten, die der Einsatz von KI in der Abschlussprüfung offeriert, beeindruckend. Allerdings ist die Maschine noch weit davon entfernt, flexibel auf unterschiedliche Anforderungen zu reagieren und menschliches Entscheidungsgeschick zu simulieren.

Die Verbindung von Daten und Wissen wird zu immer besseren Ergebnissen und wertvollen Erkenntnissen führen – und das durch den technologisch induzierten Wandel in einer zunehmenden Geschwindigkeit und Qualität. Der Einsatz von Datenanalysen in der Abschlussprüfung kann helfen, bestehende Erwartungslücken zu schließen, da gegenüber einer traditionellen Prüfung in Stichproben deutlich mehr Transaktionen analysiert werden. Aber weder der Einsatz von Massendatenanalysen noch anderer Formen von KI können in Zukunft einen zu 100 Prozent fehlerfreien Abschluss garantieren.

Auch wird die Analyse von Daten alleine keine hinreichende Prüfungssicherheit erzielen können. Erfahrene Experten wie Wirtschaftsprüfer bleiben unverzichtbar, um die Ergebnisse der KI Analysen im zunehmend komplexeren Kontext der Geschäftstätigkeit sowie des wirtschaftlichen und rechtlichen Umfelds des zu prüfenden Unternehmens kritisch zu würdigen und sich dabei kontinuierlich über die Analyseergebnisse mit den Adressaten austauschen. Wirtschaftsprüfer haben das Wissen und die Erfahrungen, die notwendig sind, um Daten und deren KI basierte Analysen verständlich zu machen, um daraus einen Mehrwert zu schaffen.

Kurzum: Künstliche Intelligenz hilft dem Wirtschaftsprüfer, bestehende Erwartungslücken zu schließen oder neue erst gar nicht zu eröffnen. Ferner hilft sie, dem Auftraggeber den Mehrwert unserer Arbeit transparent, genau und verständlich präsentieren zu können.

Unser Berufsstand tut gut daran, die neuen Möglichkeiten als Chance zu sehen, um das Vertrauen, das Wirtschaftsprüfer am Markt genießen, weiter zu festigen und den Mehrwert unserer täglichen Arbeit noch besser artikulieren zu können.

Es geht nämlich eben nicht ausschließlich um Maschinen zur Verarbeitung von Daten, sondern auch die Interpretation der Ergebnisse. KI im Allgemeinen und Maschinen im Besonderen helfen dem Berufsstand, verlässlicher noch größere Datenmengen in die Prüfleistung einfließen zu lassen.

Wer als Wirtschaftsprüfer auch in Zukunft den Unterschied machen möchte, wird deshalb an der Technologie nicht vorbei kommen.

Klardenker- Redaktion
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