Lassen Sie Geldwäscher nicht in ihr Unternehmen

Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung betreffen Finanz- und Industrieunternehmen

Keyfacts

  • Auch Realwirtschaft ist von Geldwäsche betroffen
  • Anforderungen zur Verhinderung von Geldwäsche im Nicht-Finanzsektor erhöhen
  • Präventionsmaßnahmen in bestehendes Compliance Management System integrieren
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Jens C. Laue
  • Partner, Head of Governance und Assurance Services
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Autohersteller, Juweliere, Immobilienmakler – Geldwäsche ist in der Realwirtschaft angekommen. Die EU steuert mit neuen Richtlinien dagegen, doch darauf können sich Unternehmen nicht verlassen. Die Experten Jens Carsten Laue und Alexander Geschonneck sprechen darüber, wie sich Firmen schützen können.

Wer an Geldwäsche denkt, stellt sich leere Restaurants und Spielhallen vor. Können Sie mit diesem Klischee aufräumen?

Jens Carsten Laue: Das ist natürlich nur eine populäre Facette und der vielleicht sichtbare Teil der möglichen Geldwäsche. Darüber hinaus denken viele zudem ausschließlich an den Bankensektor. Tatsächlich haben verschiedene Änderungen des Geldwäschegesetzes (GwG) in den letzten Jahren die Anforderungen zur Prävention gerade für den Nicht-Finanzsektor deutlich erhöht.

Welche Branchen und Unternehmen sind besonders betroffen?

Alexander Geschonneck: Die Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung betrifft nicht nur Unternehmen der Finanzwirtschaft, sondern auch Industrieunternehmen, die sogenannten Güterhändler. Auch sie sind Verpflichtete nach dem GwG und müssen Vorkehrungen zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung treffen.

Die 4. EU-Geldwäscherichtlinie soll nun Abhilfe schaffen und unter anderem die Machenschaften von Briefkastenfirmen beenden. Was können wir von diesem EU-Vorstoß erwarten?

Jens Carsten Laue: Wir erwarten zunehmende Anforderungen an die Risikoanalyse der Unternehmen im Hinblick auf die Ableitung entsprechender Maßnahmen zur Verhinderung von Verstößen. Darüber hinaus sind ein Absenken der Barschwelle zur Identifizierungspflicht von Geschäftspartnern von 15.000 auf 10.000 Euro sowie eine zusätzliche Erweiterung des Anwenderkreises angedacht. Angesichts der Tatsache, dass schon die fehlende Einrichtung präventiver Maßnahmen, auch ohne tatsächlichen Verstoß, Verschulden bedeuten kann, ist das eine wichtige Entwicklung.

Alexander Geschonneck: Weiterhin sind Unternehmen hinsichtlich einer „Politisch Exponierten Person“ verpflichtet, angemessene Risikomanagementsysteme zu implementieren. Diese müssen es ermöglichen, Personen zu identifizieren, die dem Begriff der „Politisch Exponierten Person“ zugeordnet werden und die Herkunft ihres Vermögens bestimmen zu können. Dies kann nur durch regelmäßige Prüfung der Geschäftspartner gegen eine Vielzahl von Embargo- und Sanktionslisten sichergestellt werden. Dafür muss es einen angemessenen Prozess geben. Weiterhin muss das Unternehmen bei einem „Treffer“ entsprechend reagieren.

Wie sollen Unternehmen diesen bürokratischen Mehraufwand im eigenen Haus stemmen?

Jens Carsten Laue: Ich glaube nicht, dass dies einen echten bürokratischen Mehraufwand bedeutet. Vielmehr regen wir an, die Geldwäscheprävention in ein bestehendes Compliance Management System zu integrieren. Dadurch lassen sich vielfältige Synergien und bereits eingerichtete Prozesse nutzen. Darüber hinaus ist die EU-Richtlinie nicht der alleinige Treiber: Viele Unternehmen haben das Thema Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung bisher nach meiner Auffassung zu leicht genommen. Dabei ist zu erwarten, dass die Behörden die Kontrolle und Sanktionierung in den nächsten Jahren eher noch intensivieren werden.

Alexander Geschonneck: Von nicht minderer Bedeutung dürfte die Festlegung von schärferen Sanktionen sein. Geldbußen in Höhe von mindestens einer Million Euro, der Entzug oder die Aussetzung von Zulassungen, das Verbot Leitungsaufgaben wahrzunehmen und die öffentliche Bekanntgabe der natürlichen oder juristischen Person sowie der Art des Verstoßes sind vorgesehen. Neben den finanziellen Einbußen bzw. organisatorischen Konsequenzen für einzelne Beteiligte, ist daher auch mit Reputationsschäden zu rechnen. Diese wiederum können weitere, zukünftige finanzielle Einbußen zur Folge haben.

Wie können Unternehmen selbst aktiv werden?

Jens Carsten Laue: Alles beginnt auch hier mit einer Spiegelung der bereits vorhandenen Instrumente zur Geldwäscheprävention mit den neuen Anforderungen. Aus dieser Gegenüberstellung lassen sich dann Schwachstellen und Lücken ablesen. Daraus können erforderliche Maßnahmen abgeleitet und implementiert werden.

Alexander Geschonneck: Deutsche Unternehmen werden nicht umhin kommen zu prüfen, inwieweit sie als Verpflichtete im Sinne des Geldwäschegesetzes betroffen sind und sich einen genauen Überblick über Geschäftspartner verschaffen, um nach Umsetzung der Richtlinie keine Sanktionen befürchten zu müssen.

Jens C. Laue
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