Leverage Ratio - mehr Hürde als Hilfe

Nach Basel III kündigt sich bereits Erweiterung zu Basel IV an

Keyfacts

  • Basel III verpflichtet Banken zu mehr Krisenpuffer aus Eigenkapital
  • Basel III soll bankinterne Risikosteuerungsprozesse stärken
  • Einzelne Länder denken schon über Ausbau zu Basel IV nach
Klaus Ott
  • Partner, Advisory
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Noch bevor Basel III vollständig umgesetzt ist, wirft Basel IV seine Schatten voraus. Doch zu frühe Anpassungen des mit Mühen erst verabschiedeten Reformwerks Basel III, das Kreditinstitute zu mehr Krisenpuffer aus Eigenkapital zwingt, könnten den Zweck der bisherigen Regelungen gefährden.

Aber nicht nur in diesem Zusammenhang sieht man in den vergangenen Monaten Entwicklungen, die möglicherweise in ein Grundgerüst für ein zukünftiges Basel IV münden. Insbesondere die Komplexität der Risikomodellierungen steht in der Kritik. Auf deren Basis berechnet sich vor allem bei größeren Banken der Kapitalbedarf für Kredit- und Marktrisiken. So werden unter Aufsichtsbehörden inzwischen Bedenken hinsichtlich der Vergleichbarkeit bankinterner Risikomodellierungen und der Verlässlichkeit der damit ermittelten risikogewichteten Aktiva (RWA) geäußert.

Gleichzeitig wird der Ruf nach einer grundlegenden Vereinfachung von aufsichtsrechtlichen Vorschriften lauter. Das gibt einer anstehenden Basel IV-Reform Konturen. Im angesprochenen Zusammenhang läuft dies auf eine höhere Bedeutung nichtrisikogewichteter Kapitalvorschriften hinaus zugunsten einer nichtrisikogewichteten Höchstverschuldungsquote, der sogenannten Leverage Ratio.

Leverage Ratio als Puffer im Krisenfall

Die Leverage Ratio besagt, dass mindestens drei Prozent der um bestimmte Positionen erweiterten Bilanzsumme Eigenkapital sein müssen. Nach den Anfang März von der Bundesbank vorgelegten Ergebnissen des „Basel III Monitoring“ für deutsche Institute (Stand: Juni 2013) lag die Leverage Ratio von acht großen Kreditinstituten bei durchschnittlich nur 2,2 Prozent.

Um die Zielquote zu erreichen, beträgt der zusätzliche Kernkapitalbedarf allein für diese Institute annähernd 37 Milliarden Euro. Allerdings muss man bei dieser Summe insofern Abstriche machen, als dass die neuen Standards zur Ausgestaltung der Leverage Ratio, die der Basler Ausschuss im Januar 2014 veröffentlicht hat, im Monitoring noch nicht berücksichtigt waren.
Hinzu kommt, dass ein verbindlich einzuhaltender Mindestwert für die Leverage Ratio einer bis 2017 andauernden Beobachtungsperiode unterliegt. Trotzdem bedeutet schon die jetzige Basel III-Planung eine Kraftanstrengung für die betroffenen Banken.

Damit nicht genug: Einzelne Länder beabsichtigen mit Basel IV über die bisherige Anforderung einer Drei-Prozent-Grenze für jene Mindestquote hinauszugehen. Dies soll bei der Quotenhöhe, der Definition von Kapitalbestandteilen und der Zeitplanung gelten. Grund genug, Sinn und Zweck dieser vermeintlichen Vereinfachung bei den Kapitalanforderungen zu hinterfragen.

Unbeabsichtigte Konsequenzen durch voreilige Vereinfachung unter Basel IV

Eine nicht risikosensitive Leverage Ratio von deutlich über drei Prozent, gegebenenfalls ergänzt um weitere Puffer-Elemente, würde eher einen harten „Front-Stop“ für Kapitalanforderungen darstellen. Sie würde weniger der „Back-Stop“-Auffangfunktion entsprechen, die diese Quote gemäß Basel III ursprünglich einnehmen sollte.
Eine solche „Front-Stop“-Funktion unter Basel IV würde die bislang explizit risikobasierten Normierungen des Basler Akkords durchkreuzen. Ebenso kehrt sie die ursprüngliche Intention, die bankinternen Risikosteuerungsprozesse zu stärken, in ihr Gegenteil.

Erhöhte Leverage Ratio kaum Anreiz für riskantere Geschäfte

Die Kapitalkosten erhöhen sich durch die Leverage Ratio signifikant für ein Portfolio mit geringem Risiko. Gleichzeitig würden heute vor allem unter Risikogesichtspunkten attraktive Positionen benachteiligt. Darunter fielen dann nicht nur erstklassige liquide Aktiva oder die niedrigmargige Finanzierung öffentlicher Haushalte. Sondern auch große Teile der am deutschen Markt bewährten, langfristigen Baufinanzierung.

Klaus Ott
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