Kosten durch BEPS

Kosten durch BEPS

Warum eine eigentlich lobenswerte globale Steuerreform viele Unternehmen Geld kostet

Keyfacts über BEPS

  • Der Umsatz soll dort besteuert werden, wo er anfällt
  • Überschneidungen in den Steuerabkommen führen zur Doppelbesteuerung
  • Eine wichtige Rolle spielt die Betriebsstättendefinition
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Das Geschäft lief wirklich hervorragend. Schon nach dem ersten Gespräch mit dem Key-Account-Manager war dem Kunden in Taiwan klar, dass er die Maschinen des deutschen Mittelständlers unbedingt brauchte. Doch für Letzteren stellte sich das Geschäft als deutlich weniger einträglich heraus als anfangs gedacht. Entgegen der Erwartung fielen auch in Taiwan Steuern an – obwohl auf den Gewinn bereits in Deutschland Steuern gezahlt wurden. Das Problem? BEPS.

Eigentlich steckt hinter dem Kürzel eine nachvollziehbare Initiative. Eine Vielzahl von Staaten hatte sich darauf geeinigt, die Gewinnverlagerung internationaler Konzerne einzudämmen, auf Englisch Base Erosion and Profit Shifting. Gleichzeitig sollte die Doppelbesteuerung reduziert werden durch eindeutige Zuordnung der Steuerkompetenz unter den Staaten. Doch genau das klappt nicht.

Doppelt teuer

Das Prinzip klingt simpel: Der Umsatz wird da besteuert, wo er anfällt. Aber ab welchem Zeitpunkt fällt der Umsatz in einem bestimmten Land an? Und was passiert mit konkurrierenden, alten Regeln? Entscheidend ist das Stichwort Betriebsstätte.

Bislang war es üblich, dass der in Deutschland angestellte Vertriebler im Ausland Verträge größtenteils in einem klar vom Stammhaus vorgegebenen Rahmen verhandelt hat. Final zugestimmt und unterzeichnet wurden sie dann meist im Stammhaus. Eine Betriebsstätte im Land, in dem der Vertrag ausgehandelt wurde, war nicht notwendig, da der Key-Account-Manager keine Handlungsvollmacht besaß.

Legimitiert durch die Anti-BEPS-Action 7 der OECD und der darauf beruhenden künftigen Änderungen der Doppelbesteuerungsabkommen weiten Staaten ihre Besteuerungsgrundlage aber aus; und dies bereits zum Teil heute, ohne dass die Doppelbesteuerungsabkommen bereits wirksam geändert wurden. Werden in diesen Ländern wesentliche Merkmale eines Geschäftes verhandelt wie Preise und Auftragsumfang, kann nunmehr verlangt werden, eine Betriebsstätte anzumelden. Selbst geringe Geschäftstätigkeiten müssen also formal registriert werden.

Compliance-Risiko

Diese Änderung ist für deutsche Unternehmen doppelt teuer. Erstens, kommt es zur Doppelbesteuerung, weil Deutschland die Regeln nicht im gleichen Maße anpasst. Das ist wenig verwunderlich. Zwar würden die deutschen Finanzämter durch eine breitere Fassung der Betriebsstättendefinition mehr Steuern von ausländischen Unternehmen einnehmen, die ihre Produkte nach Deutschland verkaufen. Dafür könnten sie weniger Gewinne besteuern, die deutsche Unternehmen im Auslandsgeschäft erzielen. Da Deutschland mehr exportiert als importiert, würde das für den Staat in der Summe aber Mindereinnahmen bedeuten.

Zweitens, steigen für die Unternehmen die Kosten für Verwaltung und Compliance. Die Betriebsstätte muss angemeldet, die Gewinne genau zugeordnet und die IT angepasst werden. Auch die rechtlichen Fallstricke sind nicht zu vernachlässigen, etwa bei der Lohnsteuer. So wird BEPS zu einem Projekt, das Kunden ein bis zwei Jahre für die Implementierung der neuen Prozesse beanspruchen kann.

Zwei Lösungswege

Grundsätzlich gibt es zwei Wege, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen: Eine generelle und vorsorgliche Anpassung des Geschäftsmodells oder von Verhaltensvorgaben für alle Länder oder eine Einzelfallprüfung für die verschiedenen Märkte. Beide Varianten haben ihre Berechtigung und hängen von der jeweiligen Situation (z. B. betroffene Länder, Geschäftsmodell, Risikoposition) des Unternehmens ab. Klar ist, dass in einigen Ländern das Risiko deutlich höher ist, eine Betriebsstätte zu generieren und damit bestehende gesetzliche Vorgaben zu verletzen, wenn keine Betriebsstätte eingerichtet wird.

Ich empfehle daher zunächst eine Bestandsaufnahme. In welchen Ländern sind Key-Account-Manager aktiv? Was dürfen sie dort machen? Welcher Umsatz wird dabei generiert? Eine gewichtige Rolle spielen die Steuerabteilungen. Je enger sie in die operativen Abläufe des Unternehmens integriert sind, desto besser können sie die bestehenden Risiken ermitteln. In jedem Fall ist BEPS ein Thema, das Unternehmen mit Auslandsgeschäft beachten sollten – damit Umsatz und Gewinn auch den Erwartungen entsprechen.

Wie stark betrifft BEPS Ihr Unternehmen? Testen Sie es im BEPS Health Check. Unsere Schwerpunktseite „Steuern im Blick“ informiert Sie über weitere aktuelle Entwicklungen im Bereich Steuern.

Die Sendung zur Artikelserie: KPMG – Klardenker live
„Nach Brexit, Trump und Co. – Deutsche Exporteure und die Steuern“
Verfolgen Sie hier unsere Talkshow live im Internet. Am 28. Juni 2017, 20:30 bis 21:30 Uhr.

05. Mai 2017
Zusammengefasst

»Die Änderung ist für deutsche Unternehmen doppelt teuer. Erstens, kommt es zur Doppelbesteuerung. Zweitens, steigen für die Unternehmen die Kosten für Verwaltung und Compliance.«

Legitimiert durch die Anti-BEPS-Action 7 der OECD dehnen einige Länder ihre Besteuerungsgrundlage aus. Geschäftsaktivitäten im Ausland können daher schon die Anmeldung einer Betriebsstätte erfordern. Verbunden sind damit Kosten, um die Rechtssicherheit zu wahren. Auch können doppelt Steuern anfallen.

Gabriele Rautenstrauch Director, International Tax Services
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