Steuertransparenz

Das kommt nach dem IPO auf Ihr Unternehmen zu

Keyfacts

  • Nach IPO wird Steuerberichterstattung noch wichtiger
  • BEPS löst erheblichen Reporting-Aufwand aus
  • Tax Compliance Management erhält größere Aufmerksamkeit
Dr. Heide Gröger
  • Partner, Deal Advisory, M&A Tax
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Bevor die Börsenglocke läutet, haben Unternehmen schon einen langen Weg hinter sich. Vieles muss bedacht sein: Rechtsform, Rechnungslegung, Equity Story, der richtige Zeitpunkt und Börsenplatz. Damit nicht genug: Nach dem IPO wird die Steuerberichterstattung noch wichtiger. Neue Auflagen und Vorschriften verlangen jetzt schon mehr Steuertransparenz bei international tätigen Unternehmen. Investoren nutzen, bewerten und benchmarken diese Informationen für ihre Anlagestrategien. Hauptaugenmerk dabei: die Berichterstattung über Ertragsteuern im Rahmen des Konzernabschlusses nach IAS 12 bzw. DRS 18.

Angesichts dieser Entwicklungen müssen Börsenaspiranten im Vorfeld eines IPO deutlich mehr Mittel und Ressourcen bereitstellen, um Transparenzanforderungen und Berichtsqualität aktiv zu managen. Die Stichworte lauten Tax Compliance und qualifiziertes Steuerpersonal.

Kleinteilig zum Big Picture

Für börsennotierte international agierende Konzerne wird Steuerplanung zum zentralen Strategiethema. Naturgemäß steigen so auch die qualitativen Anforderungen an die Steuerabteilung. Sie muss die Konzernstrukturen abbilden und die lokalen steuerlichen Verhältnisse der Tochtergesellschaften im Blick haben. Berichte der Töchter bedürfen einer eingehenden Betrachtung durch die Konzernsteuerabteilung. Dazu braucht es ein unternehmensweites Management des Steuerreportings. Nur so wird sichergestellt, dass identische Sachverhalte grundsätzlich konzernweit gleich behandelt werden – nach einheitlichen und nachvollziehbaren Grundsätzen. Zusätzlicher Aufwand für die hauseigenen Steuerexperten ergibt sich aus den bestehenden termingebundenen Melde- und Erklärungspflichten eines börsennotierten Unternehmens.

Transparenzvorschriften: Auswirkungen der BEPS-Initiative 

Mit dem BEPS-Projekt der OECD und der entsprechenden EU-Richtlinie wird sich für international tätige Konzerne vieles ändern – und das schon bald: Der Richtlinienentwurf der EU sieht unter anderem vor, dass Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 750 Millionen Euro einen sogenannten Ertragsteuerinformationsbericht erstellen und veröffentlichen sollen – zugänglich für Finanzbehörden und Öffentlichkeit.

Die neuen Offenlegungspflichten dürften einen erheblichen Reporting-Aufwand auslösen. Denn ein solcher Bericht wäre im Rahmen der ohnehin engen Fristen für die Rechnungslegung kapitalmarktorientierter Unternehmen zu erstellen. Zudem müsste er mit diversen anderen Meldungen und Dokumentationen wie dem Country-by-Country-Reporting (CbCR) abgestimmt werden.

Compliance Management wird immer wichtiger

Die Steuerabteilung wird nach einem IPO somit noch relevanter. Sie ist nicht mehr nur fachliche Einheit, losgelöst von allen anderen, sondern ihr wird zunehmend die Aufgabe als Compliance-Instanz zugeschrieben. Die Transformation vollzieht sich rasant – gerade vor dem Hintergrund der verschärften gesetzlichen Vorschriften zur Selbstanzeige.

Ein zuverlässiges Tax Compliance Management System rundet materielle Berichtspflichten zu Ertragsteueraufwand, Effective Tax Rate und Ertragsteuerzahlungen (Ertragsteuerinformationsbericht) auf prozessualer Ebene ab. Für börsennotierte Unternehmen ist das unerlässlich. Nur ein zuverlässiger Compliance-Prozess gewährleistet eine adäquate Beachtung der Steuergesetze und damit eine verlässliche Berichterstattung über Ertragsteuern. Damit dient das innerbetriebliche Kontrollsystem sowohl dem fiskalischen Interesse als auch der Vertrauensbildung in die Corporate Governance des Unternehmens.

Wer sich für den Gang aufs Börsenparkett entscheidet, dem sollte klar sein, dass ihn auf dem Gebiet der Unternehmensbesteuerung gerade eine Menge Arbeit erwartet: Die neuen Berichtspflichten verlangen eine gründliche Vorbereitung. Frühzeitige Lösungsansätze helfen, sich auf die weitreichenden Auswirkungen einzustellen und steuerlichen Risiken entgegenzuwirken. Der dazu nötige Datensammelprozess ist komplex und sollte durch spezielle Analysen unterstützt werden.

Die Sendung zur Artikelserie: KPMG – Klardenker live
„Nach Brexit, Trump und Co. – Deutsche Exporteure und die Steuern“
Verfolgen Sie hier unsere Talkshow live im Internet. Am 28. Juni 2017, 20:30 bis 21:30 Uhr.

 

 

Dr. Heide Gröger
  • Partner, Deal Advisory, M&A Tax
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