US-Steuerreform: Von Anreizen und Tücken

US-Steuerreform: Anreize und Tücken

Über BEAT, FDII und andere Fallstricke für deutsche Unternehmen in den USA

Keyfacts über US-Steuerreform

  • Steuerersparnis muss ggf. in Deutschland nachgezahlt werden
  • Base Erosion and Anti-Abuse Tax erschwert Gewinnverlagerung
  • Foreign Derived Intangible Income (FDII) schafft Investitionsanreiz
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Wer hätte das gedacht? In einer unglaublichen Geschwindigkeit haben die USA es geschafft, eine grundlegende Reform des seit über 30 Jahren praktisch unveränderten Steuerrechts zu verabschieden. Ein Viertel der Weltwirtschaft agiert damit von nun an unter neuen Bedingungen. Donald Trump hat eines seiner größten Wahlversprechen eingelöst. Erstes sichtbares Resultat: Die Börsenkurse vor allem US-amerikanischer Unternehmen steigen rasant. Kein Wunder, bedeutet die reduzierte Körperschaftsteuer doch, dass den Unternehmen deutlich mehr Nachsteuergewinn verbleibt und damit mehr Geld für Dividenden und Aktienrückkäufe zur Verfügung steht.

Von dem reduzierten Steuersatz profitieren auch deutsche Unternehmen, die auf dem US-Markt durch lokale Tochtergesellschaften tätig sind.

Und doch wird die Reform deutschen Unternehmen einiges Kopfzerbrechen bereiten.

Zwar hat es die zwischenzeitlich diskutierte Grenzsteuer (Border Adjustment Tax und Excise Tax) nicht ins Gesetz geschafft, welche Exporte in die USA deutlich verteuert hätte. Doch gibt es dafür zwei Regelungen, die für mehr Produkte „Made in USA“ sorgen sollen – und sich damit gegen importorientierte Geschäftsmodelle richten.

Base Erosion and Anti-Abuse Tax (BEAT)

Die Base Erosion and Anti-Abuse Tax (BEAT) ist eine Mindestbesteuerung und soll vermieden, dass ausländische Unternehmen die Gewinne ihrer Tochtergesellschaften über konzerninterne Lizenz-, Zins- und bestimmte Servicezahlungen übermäßig verringern. Die Steuer beträgt dieses Jahr 5 Prozent und ab dem kommenden Jahr 10 Prozent. Wer also bislang Gewinne der US-Tochter über Lizenzgebühren und die damit zu zahlende Körperschaftsteuer reduziert hat, baut nun ggfs. eine Steuerschuld bei der BEAT auf. Die BEAT wird als Mindestbesteuerung greifen, wenn die steuerreduzierenden Lizenzgebühren in etwa doppelt so hoch sind, wie der Gewinn, den die US-Tochtergesellschaft erzielt. Damit die BEAT nicht zum Problem wird, sollten die konzerninternen Leistungsbeziehungen zu US-Tochtergesellschaften unbedingt genauer betrachtet werden.

Foreign Derived Intangible Income (FDII)

In die entgegengesetzte Richtung wirkt der Abzug für Foreign Derived Intangible Income (FDII). Damit werden Exporte aus den USA begünstigt. Sie unterliegen dann einer US-Steuer von etwa 13 Prozent. Die US-Regierung will Konzerne dazu bringen, mehr in die USA zu investieren und damit, so die Hoffnung, Geld und insbesondere Arbeitsplätze ins Land zu bringen. Interessant ist jedenfalls, dass deutsche Unternehmen die FDII nutzen können, um ihre Steuerlast in den USA weiter zu reduzieren. Auch hier lohnt sich also ein genauer Blick.

BEAT und FDII dürften es also schnell ins Standardvokabular von deutschen Firmen mit US-Geschäft schaffen.

Ehe sie nun aber die komplette Produktionskette auf die USA ausrichten, sollten deutsche Unternehmen noch zwei wesentliche Haken beachten. Zum einen steigen vorrausichtlich die Löhne in den USA, durch die niedrige Arbeitslosenzahl und die boomende Wirtschaft in den kommenden Jahren überproportional. Das ist das erklärte Ziel Donald Trumps, an dem wird er sich messen lassen.

Zum anderen werden die USA mit der Absenkung des Steuersatzes zu einem Niedrigsteuerland. Die eingesparte Steuer muss also unter bestimmten Umständen in Deutschland nachgezahlt werden. Denn in vielen Fällen wird die effektive Steuerbelastung der US-Tochtergesellschaften künftig unter 25 Prozent liegen, sogenannte passive Einkünfte sind dann als Folge direkt in Deutschland zu versteuern.

Ich gehe davon aus, dass die Reform im Wesentlichen auch unter kommenden US-Präsidenten bestehen bleiben wird. Es wird womöglich leichte Anpassungen geben, vor allem wenn das Haushaltsdefizit stärker wachsen sollte als erwartet. Aber auch die Demokraten werden die Reform vermutlich nicht zurückdrehen, nutzt sie doch den USA. Die letzte große Anpassung, vorgenommen unter Ronald Reagan, blieb schließlich trotz aller damaligen Kritik der Opposition mehr als 30 Jahre so gut wie unangetastet.

Ihre Fragen zu dem neuen Steuergesetze beantworten wir Ihnen gerne auf unserer US Tax Reform Roadshow. Unsere Experten zeigen Ihnen in sechs Städten Ende Januar / Anfang Februar die Chancen und Risiken auf. Zudem diskutieren wir das Thema zusammen mit der International Fiscal Association (IFA) am 20. Februar in München.

23. Januar 2018
Zusammengefasst

»Ich gehe davon aus, dass die Reform im Wesentlichen auch unter kommenden US-Präsidenten bestehen bleiben wird. «

Die US-Steuerreform beschert auch deutschen Unternehmen, die dort aktiv sind, höhere Nettogewinne. Standortentscheidend können sich zudem die Base Erosion and Anti-Abuse Tax (BEAT) und die Abzugsfähigkeit des Foreign Derived Intangible Incomes (FDII) auswirken. Zudem sollten Unternehmen dringend beachten, dass die USA durch die Reform zum Niedrigsteuerland aus Sicht der deutschen Behörden wird. Die eingesparte Steuer muss also unter bestimmten Umständen in Deutschland nachgezahlt werden.

Christian Schmid Partner, International Tax
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