US-Steuerreform: Wer stopft Trumps Steuerloch?

Wer stopft Trumps Steuerloch?

Wie sich deutsche Unternehmen auf Trumps Steuerreform vorbereiten können

Keyfacts über US-Steuerreform

  • Grenzsteuer ist immer noch gut denkbar
  • Deutsche Unternehmen wären davon betroffen
  • Die Auswirkungen sind derzeit nicht genau abzusehen
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Wenn man eine Lehre aus der bisherigen Amtszeit von US-Präsident Donald Trump ziehen sollte, dann vielleicht diese: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Das gilt für seine Pläne zum Mauerbau an der mexikanischen Grenze ebenso wie für seinen angekündigten Ausstieg aus der Gesundheitsreform Obamacare und den Einreisestopp für Menschen aus muslimisch geprägten Ländern.

Alles Projekte, die vor der Wahl mehr oder weniger verbindlich in Aussicht gestellt wurden. Alles Projekte, die nach der Wahl mehr oder weniger gescheitert sind. Zumindest bis jetzt. Das vor Augen also die Frage nach der geplanten US-Steuerreform, wie sie vor wenigen Tagen erstmalig vorgestellt wurde: Wird auch sie zum Rohrkrepierer? Ein weiteres Beispiel für den mächtigsten Mann der Welt, der als Tiger springt und als Bettvorleger landet? Vorsicht. Nichts wäre leichtfertiger, als sich nun zurückzulehnen. Das Risiko für deutsche Investoren und die exportstarke deutsche Wirtschaft besteht weiterhin. Warum?

Die USA sind der wichtigste Handelspartner Deutschlands, Allein im letzten Jahr betrug der Wert der Exporte von Deutschland in die USA fast 107 Milliarden Euro – in kein Land exportierten deutsche Unternehmen mehr. Vor diesem Hintergrund ist Trumps Plan bedenklich, mit einer Grenzsteuer („Border Adjustment Tax“) den Import von Gütern zusätzlich zu besteuern und auf diese Weise in den USA hergestellten Produkte einen Marktvorteil zu verschaffen. Dieser Plan ist in dem vor wenigen Tagen präsentierten Papier der US-Administration nicht mehr enthalten. Mit ein Grund dafür dürfte sein, dass auch US-amerikanische Unternehmen wie beispielswiese Walmart große Mengen ihrer Produkte aus dem Ausland beziehen und von einer Grenzsteuer ebenso betroffen wären. Dementsprechend groß fiel auch der Widerstand gegen Trumps Pläne in den USA selber aus.

Grenzsteuer nicht vom Tisch

Vom Tisch ist die Angelegenheit damit aber keineswegs. So sagte Finanzminister Steven Mnuchin, man prüfe derzeit, ob die Grenzsteuer in einem zweiten Schritt realisierbar sei. Das Beharren auf einer Grenzsteuer scheint auch beim Blick auf die politischen Kräfteverhältnisse in den USA plausibel: Trumps Steuerpläne haben in ihrer derzeitigen Form eine Schieflage. Allein die geplante Senkung der Unternehmenssteuer von derzeit 35 auf dann 15 Prozent würde aus Sicht der Opposition zu einen Einnahmeminus in den nächsten zehn Jahren von zwei Billionen US-Dollar führen. Wenn aber am Ende der Steuerreform eine Erhöhung des Staatsdefizites stünde, dann bräuchte der US-Präsident dafür im Senat dafür eine Mehrheit von mindestens 60 Stimmen. Eben diese Mehrheit hat er aber nicht. Was also tun?

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Billionen US-Dollar würde die Senkung der Unternehmenssteuer nach Schätzung der Opposition in den nächsten zehn Jahren kosten

Die Republikaner stellen derzeit 52 Senatoren, die Demokraten 48. Das würde Trumps Partei reichen für eine Umstrukturierung des Haushaltes im Sinne einer Steuerreform – aber nur dann, wenn sie kostenneutral ist. Anders gesagt: Steuergeschenke kann der Präsident nur dann verteilen, wenn er an anderer Stelle die Steuereinnahmen erhöht. Zum Beispiel mit einer Grenzsteuer.

Deutsche Unternehmen bereiten sich vor

Frage also: Was machen dann die deutschen Unternehmen? Antwort: Sie bereiten sich vor. Hier bieten sich nach derzeit drei Möglichkeiten an. Die erste Möglichkeit bestünde darin, eine Grenzsteuer zu zahlen und die daraus resultierenden Preiserhöhungen an die US-amerikanischen Konsumenten weiterzugeben. Ohnehin gehen viele Beobachter davon aus, dass eine Steuerreform in den USA zu einem schnellen Preisanstieg im Land oder einer Aufwertung des Dollars führen würde. Die direkten steuerlichen Auswirkungen einer solchen Reform ließen sich prognostizieren.

Auch strategische Ankäufe US-amerikanischer Unternehmen durch ausländische Investoren oder Unternehmen scheinen denkbar. Hier wären eventuell entstehende Verluste aufgrund der ebenfalls vorgesehenen Steuerfreiheit von Exporten zu verrechnen mit der zu zahlenden Importsteuer – idealerweise ein Nullsummenspiel.

Die dritte Möglichkeit wäre die Erweiterung und Anpassung der Lieferkette mit der Absicht, die Effekte der anfallenden Grenzsteuer abzumildern. Unterm Strich würde das bedeuten, die Waren in den USA zu produzieren, die in den USA verkauft werden sollen, also „local for local“. Das ginge einher mit – je nach Unternehmen – massiven Umstrukturierungen der Produktionsabläufe vor Ort und möglichen Steuerkonsequenzen in Deutschland – Stichwort Exit Taxation und Funktionsverlagerung. Und würde natürlich bedeuten, genau das zu tun, was US-Präsident Trump mit seiner Steuerreform auch bezweckt: Eine Stärkung des heimischen Wirtschaftsraumes. Aber wie gesagt: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

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Die Sendung zur Artikelserie: KPMG – Klardenker live
„Nach Brexit, Trump und Co. – Deutsche Exporteure und die Steuern“
Verfolgen Sie hier unsere Talkshow live im Internet. Am 28. Juni 2017, 20:30 bis 21:30 Uhr.

04. Mai 2017

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