Mit Statistik zu besserer Compliance

Das Compliance-Index-Modell macht die Wirkung von Compliance-Maßnahmen messbar

Keyfacts

  • Die Regeltreue von Mitarbeitern eines Unternehmens ist bisher schwer messbar und noch schwerer vergleichbar.
  • Mit dem Compliance-Index-Modell kann mithilfe statistischer Verfahren der Einfluss von Compliance-Maßnahmen auf die Einstellungen und Verhaltensweisen der Mitarbeiter sichtbar gemacht werden.
  • Das Compliance-Index-Modell ist ein zusätzliches Controlling-Instrument, das den Unternehmenserfolg auf vielfältige Weise unterstützt.
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Dr. Sebastian Rick
  • Senior Manager, Financial Services
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Compliance-Management-Systeme sind Kontrollmechanismen, die Mitarbeiterverhalten berechenbar machen und an die Erwartungen einer Organisation anpassen sollen. Geschehen kann das entweder, indem das System bestimmte Verhaltensweisen erzwingt, oder indem es dafür sorgt, dass sich Mitarbeiter mit den Normen und Werten der Organisation identifizieren und sich deshalb an sie halten. In beiden Fällen kann die Wirkung der eingesetzten Maßnahmen sehr vielfältig sein – im besten Fall hat jede von ihnen einen positiven Effekt auf Einstellungen und Verhaltensweisen der Mitarbeiter. Solange diese Wirkungen allerdings nicht nachweisbar sind, können erwünschte Effekte nicht belegt und damit auch nicht gesteuert werden.

So zeigen empirische Studien beispielsweise, dass nicht die dimensionale Breite und Vielfalt an Maßnahmen entscheidend ist, um das Verhalten der Mitarbeiter positiv zu beeinflussen, sondern deren Wahrnehmung durch die Mitarbeiter. Was nützt ein Verhaltenskodex, wenn die Mitarbeiter davon überzeugt sind, dass dieser nicht ernst zu nehmen ist? Was bringen Kontrollen, wenn die Mitarbeiter davon überzeugt sind, dass diese leicht außer Kraft gesetzt oder umgangen werden können? Wie wirksam kann ein Compliance-Management-System insgesamt sein, wenn die Mitarbeiter ausschließlich für ihre Arbeitsergebnisse belohnt werden und nicht für die Art und Weise, wie sie diese erzielt haben?

Wirkung von Maßnahmen sichtbar machen

Bei dem Compliance-Index-Modell handelt es sich um ein mitarbeiterbasiertes Messsystem, das den Einfluss von Compliance-Maßnahmen auf die Einstellungen und Verhaltensweisen der Mitarbeiter sichtbar macht. Es ist Ergebnis zweier empirischer Studien, die an der Frankfurt University of Applied Sciences mit Unterstützung des Frankfurter Instituts für Risikomanagement und Regulierung (FIRM) durchgeführt wurden.

Im Kern untersucht das Modell mithilfe einer Reihe statistischer Verfahren Ursache-Wirkungs-Beziehungen zwischen Maßnahmen und Mitarbeiterverhalten und ermöglicht so die quantitative Abschätzung der Wirkungszusammenhänge. Ergebnis ist ein Compliance-Index, mit dem sich der Erfolg der Maßnahmen innerhalb der Organisation messen, steuern und überwachen lässt. Unternehmen bekommen damit ein aussagekräftiges Analysetool an die Hand, ein hilfreiches Controlling-Instrument, das Stärken und Schwächen im Compliance-Management identifiziert und so konkrete Verbesserungen ermöglicht.

Aus „immer mehr“ wird effiziente Steuerung

Dazu lassen sich modellgestützt unternehmensspezifische, datengetriebene Handlungsportfolios aufbauen, die dabei helfen, Ressourcen effektiv einzusetzen. Wiederkehrende Messungen auf Basis des Compliance-Index-Modells machen die Wirksamkeit abgeleiteter Maßnahmen auch im Zeitablauf sichtbar. Weil sich das Modell auf einen quantitativen Ansatz stützt, erhalten Anwender „harte“, belastbare Ergebnisse, die sich durch ein hohes Maß an Objektivität und Vergleichbarkeit auszeichnen. Aus einem schlichten „immer mehr“ wird so ein effizienter, mitarbeitergruppenspezifischer Ansatz der Compliance-Steuerung.

Es geht um datengetriebene Handlungsportfolios

Resümee: Für Unternehmen ist es wichtig, die Effizienz ihres Compliance-Management-Systems in regelmäßigen Abständen zu messen, um es kontinuierlich zu verbessern. Dazu lassen sich mit Hilfe des Compliance-Index-Modells konkrete, datengetriebene Handlungsportfolios aufbauen, die den Einfluss verschiedener Maßnahmen – zum Beispiel des „Tone from the Top“ – auf das Mitarbeiterverhalten sichtbar machen. Weil die mit dem Modell gemessenen Ergebnisse auch zwischen verschiedenen Mitarbeitergruppen oder Bereichen im Unternehmen vergleichbar sind, lassen sich gezielt Maßnahmen für eine bessere Compliance-Kultur ableiten.

Damit stellt das Modell ein überaus hilfreiches Werkzeug dar, das in der täglichen Praxis die Wirksamkeit von Compliance-Management-Systemen sicherstellt. Das bedeutet, dass den Nutzern ein zusätzliches Controlling-Instrument zur Verfügung steht, welches den Unternehmenserfolg auf vielfältige Weise unterstützt.

Dr. Sebastian Rick
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