Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil

Analysten und Investoren achten verstärkt auf ein nachhaltiges Geschäftsmodell

Keyfacts

  • Wirtschaftswachstum auf Kosten der Lebensgrundlagen wird kritisch hinterfragt
  • Nachhaltiges Geschäftsmodell ist entscheidend für den künftigen Geschäftserfolg
  • Bei Start-ups ist eine nachhaltige Unternehmensphilosophie oft die Geschäftsidee
Simone Fischer
  • Partner, Governance & Assurance Services
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Wirtschaftswachstum ist auf Dauer ohne Nachhaltigkeit nicht möglich. Nur der sparsame Einsatz der natürlichen Ressourcen sichert langfristig die Lebensgrundlagen der Menschheit. In einer globalisierten Welt lässt sich wirtschaftliche Entwicklung einzelner Länder oder Regionen aber nicht von dem Rest abkoppeln. Kann Nachhaltigkeit ein Wettbewerbsvorteil sein?

Das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung verlangt eine schonende Nutzung natürlicher Ressourcen. Ebenso einen verantwortlichen und fairen Umgang mit Menschen sowie den Verzicht auf eine unangemessene Belastung künftiger Generationen. Für viele Menschen steht fest: Es muss sich etwas ändern, im Umgang mit unseren Lebensgrundlagen. Ein Trend, nicht nur in den westlichen Industrienationen: Auch in den sich erst in den letzten Jahrzehnten industrialisierenden Ländern wie zum Beispiel China fordern Bürger mehr Nachhaltigkeit – als Resultat eines rasanten wirtschaftlichen Wachstums, welches mit verheerenden Umweltschäden erkauft wird. Wirtschaftswachstum auf Kosten der Lebensgrundlagen wird zunehmend kritisch hinterfragt.

Stakeholder treten neben Shareholder

Unternehmen müssen auf diesen Wertewandel der Konsumenten reagieren, nur so bleiben sie weiterhin erfolgreich. Stand bisher nur die Maximierung des kurzfristigen finanziellen Gewinns im Vordergrund, sind Unternehmen nun mit einem Dreiklang konfrontiert: Wie kann der Unternehmenswert unter Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und finanziellen Aspekten verbessert werden? Neben den Shareholder treten „gleichberechtigt“ die Interessen verschiedener Stakeholder. Denn inzwischen ist offensichtlich und erwiesen: Die wahren Kosten eines Produkts setzen sich nicht nur aus den Kosten von z.B. Produktion, Logistik oder Werbung zusammen – hinzu gerechnet werden müssen auch externe Effekte, die sogenannten Externalitäten. Denn woher das Coltan für die Handy-Produktion stammt, wieviel CO2 ein Auto ausstößt und welche Kosten bei der Entsorgung eines alten Elektrogeräts entstehen – die Folgekosten der Produktion sind nicht vernachlässigbar.

Bisher haben diese Kosten nur eine geringe Auswirkung auf den Produktpreis – denn externe Umweltkosten werden in den meisten Fällen „vergesellschaftet“.

Aber eine zunehmende Regulierung, ein sich veränderndes Konsumverhalten, ein zunehmender Trend zu Nachhaltigkeit im Wettbewerb oder Druck auf das Reputationsmanagement durch NGOs verdeutlichen: Die Notwendigkeit für Unternehmen wächst, für die Folgen ihres Agierens zu bezahlen oder ihr Verhalten zu ändern.

Unternehmenswert wird neu definiert

Ökologische und soziale Aktivitäten erzeugen leider keinen Unternehmenswert per se. Ein nachhaltiger Business Case muss aktiv entwickelt werden. Und auch bei ihm steht ein „klassisches“ Ziel im Fokus: Die Schaffung eines langfristigen Shareholder Value durch mehr Umsatz und weniger Kosten – unter und durch Berücksichtigung der hinzugetretenen Stakeholder-Interessen.

Wichtige Maßnahmen zur Erreichung eines nachhaltigen Business Case sind daher insbesondere:
– Produktverbesserungen und Innovationen
– Kostenreduzierung
– Risiko- und Chancenmanagement
– Reputationsmanagement
– Markenmanagement
– Employer Engagement

Diese Maßnahmen schlagen sich auch in den Bewertungen und Ratings der Analysten nieder. Mainstream-Analysten und Investoren achten verstärkt auf ein überzeugend nachhaltiges Geschäftsmodell. Ein solches wird zunehmend als Indikator für die Qualität der Geschäftsführung angesehen, ist also entscheidend für den künftigen Geschäftserfolg.

Nachhaltigkeitsmanagement ist somit eigentlich aktives Performance Management. Die Integration der Erwartungen von Kunden, der Gesellschaft und weiterer Stakeholder in die eigenen Prozesse ist ein aktiver Wertbeitrag für Unternehmen. Nur wenn die Wechselbeziehungen zwischen den Unternehmensaktivitäten und der Gesellschaft in den verschiedenen Dimensionen (Ökonomie, Ökologie und Soziales) integrativ betrachtet werden, können aus den großen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie z.B. Klimawandel oder Urbanisierung, Nutzenpotentiale für Unternehmen entstehen. Sie sind die Basis für allgemeines nachhaltiges Wirtschaftswachstum.

Innovationen sind zumeist der Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Gerade bei Start-up-Unternehmen ist eine nachhaltige Unternehmensphilosophie oft nicht nur Beiwerk, sondern aktives Verkaufsargument wenn nicht gar Geschäftsidee.

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Simone Fischer
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