Neue Berichtspflicht: Nachhaltigkeit per Gesetz

Warum die neuen Berichtspflichten für Unternehmen sinnvoll sind

Keyfacts

  • Berichtspflicht für viele Unternehmen wird deutlich erweitert
  • Nachhaltigkeits-Belange werden immer wichtiger
  • Lieferketten müssen überprüft werden
Simone Fischer
  • Partner, Governance & Assurance Services
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Nach dem Willen des Gesetzgebers dürfte auf rund 500 in Deutschland ansässige und EU-weit etwa 6.000 Unternehmen künftig eine neue Aufgabe zukommen: Das Gesetz, über das in den nächsten Tagen im Bundesrat beschlossen werden soll, würde die EU-Richtlinie zu Corporate Social Responsibility (CSR) wirksam werden lassen. Sie verlangt von den betroffenen Unternehmen wesentlich weitreichendere Berichte in Sachen Nachhaltigkeit als bisher. Für kapitalmarktorientierte Firmen sowie große Kredit- und Versicherungsinstitute mit mehr als 500 Mitarbeitern und mehr als 40 Millionen Euro Jahresumsatz gilt dann: Reine Zahlen, Bilanzen und Gewinne am Ende eines Geschäftsjahres zu präsentieren, reicht nicht mehr aus.

Stattdessen muss im Rahmen sogenannter „nichtfinanzieller Erklärungen“ dargestellt werden, wie das jeweilige Unternehmen es hält mit Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelangen. Und auch der Umgang der Unternehmen bei der Achtung von Menschenrechte und der Bekämpfung von Korruption und Bestechung ist ab sofort zu berichten. Was bedeutet das für die Unternehmen konkret?

Wie so häufig im Leben: Es gibt solche und solche. Natürlich gab und gibt es immer noch die Unternehmen, die in ihren jeweiligen Berichten schon immer Antworten auf die Fragen mitformuliert haben, die jetzt gesetzlicher Standard werden. Das gilt für jene Firmen, bei denen Verbraucher, Investoren und Stakeholder aus verschiedenen Gründen schon immer Wert auf eine Transparenz in diesen Fragen gelegt haben. Unternehmen also, für die die jetzt anstehenden Änderungen so groß nicht sein werden. Die entscheidende Frage ist hier, ob ihre bisherigen Berichtsformen mit den neuen Anforderungen Schritt halten können. Der Vorteil aber: Die grundsätzliche Bereitschaft ist in diesen Häusern längst gelebte Praxis.

Compliance-System: Die Klugen sorgen vor

Nicht so weit davon entfernt dürften auch all jene Unternehmen sein, denen die wesentlichen Anforderungen prinzipiell bekannt sein müssten. Dazu ein Beispiel: Nehmen wir einmal an, ein Unternehmen muss sich aus leidvoller Erfahrung immer mal wieder mit Bestechung und Korruption auseinandersetzen. Ein Problem, das – wie wir aus unserer aktuellen Studie zur Wirtschaftskriminalität in Deutschland wissen – für sehr viele Unternehmen gilt. Ein solches Unternehmen hat für genau diese Fragen in den allermeisten Fällen bereits ein entsprechendes Compliance-System mit den entsprechenden Regeln etabliert – nur eben nicht darüber berichtet. Das ändert sich jetzt.

Der Grundgedanke der nun in nationales Recht übersetzten EU-Richtlinie ist so simpel wie wirksam: Wenn Unternehmen verpflichtet werden, ihre Schwachstellen und Probleme zu untersuchen und zu benennen, dann werden sie langfristig darauf hinarbeiten, diese Probleme zu lösen. Die Alternative ist in Zeiten immer aufgeklärterer Konsumenten eigentlich keine: Je transparenter unternehmerisches Handeln wird, desto kritischer fällt die Reaktion bei Stakeholdern und Konsumenten aus. Anders gesagt: Wer künftig auf Jahre immer wieder wird einräumen müssen, dass seine Firma für besonders schwere Umweltverschmutzungen oder Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte verantwortlich ist, der wird recht zügig ein Problem bekommen.

CSR-Richtlinie: Wer kontrolliert die Lieferketten?

Das gilt insbesondere bei der Überwachung der unternehmenseigenen Lieferketten: Wo kommen die Rohstoffe her, unter welchen Bedingungen werden sie hergestellt und wie geht es den Menschen, die mit der Herstellung beschäftigt sind? Das als Ausgangslage, darauf aufbauend dann die Folgefragen: Welche Maßnahmen wurden in welchem Zeitraum mit welcher Zielsetzung entwickelt – und wie erfolgreich waren sie? Zwar berichten, wie eine KPMG-Studie von 2015 zeigt, bereits etwa zwei Drittel der umsatzstärksten in Deutschland ansässigen Unternehmen freiwillig über ihre Belange in Sachen Nachhaltigkeit. Wegen der künftigen Verpflichtung, auch die Risiken und Chancen explizit zu benennen, dürfte die Berichterstattung aber auch hier künftig durchaus komplexer werden.

Das gilt besonders für die Akteure, die in der Vergangenheit nicht besonders aktiv waren und nun zunächst einmal dafür sorgen werden, ein entsprechendes System zum Datenmanagement einzuführen. Denn das ist auch klar: In Zeiten der Digitalisierung steigt die Verfügbarkeit von Daten ins schier Unermessliche. Daten zu besitzen, ist aber noch kein Erfolg für sich. Die Herausforderung liegt darin, aus den zur Verfügung stehenden Daten die richtigen Schlüsse zu ziehen.

In der täglichen Praxis zeigt sich an dieser Stelle immer wieder, dass eine umfassende Berichterstattung ein prima Instrument sein kann wenn es darum geht, das eigene Unternehmen zu verbessern. Und ebenso klar zeigt sich, dass der Schlüssel dafür in einem kontinuierlichen Monitoring liegt. Insofern bietet die neue EU-Richtlinie für die Unternehmen auch die Möglichkeit, die eigene Performance zu verbessern. Wenn auf diesem Weg gleichzeitig mehr für Umweltschutz, Arbeitnehmer- und Menschenrechte getan wird – umso besser.

Simone Fischer
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