Neue Leitfäden zu ICAAP und ILAAP: EZB ruft zur direkten Umsetzung auf

Wer sicher durch den SREP 2019 kommen will, sollte sich jetzt vorbereiten

Keyfacts

  • Prozesse und Governance in ICAAP und ILAAP werden aufgewertet
  • Zwei Sichtweisen gefordert: Normative und ökonomische Perspektive
  • Szenariobetrachtungen sind Dreh- und Angelpunkt der Adäquanz von Kapital und Liquidität
Dr. Frank Gutheim
  • Director, Financial Services
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Mit den seit Anfang März 2018 zur Konsultation vorliegenden aktualisierten Fassungen der EZB-Leitfäden zu internen Kapital- und Liquiditätsadäquanzprozessen (ICAAP bzw. ILAAP) startet der Mehrjahresplan der EZB zum ICAAP und ILAAP in die vorerst letzte Runde. Alle bedeutenden Institute der Eurozone sind hiervon betroffen. Die finalen Leitfäden sollen in der zweiten Jahreshälfte 2018 veröffentlicht werden und bereits 2019 im Rahmen des aufsichtlichen Prüfungsprozesses (SREP) Anwendung finden. Aufgrund der kurzen Umsetzungsfrist sind die Finanzinstitute explizit dazu aufgefordert, schon vor Finalisierung der Leitfäden mit der Umsetzung zu beginnen und Schwachstellen rechtzeitig zu adressieren.

Es geht um mehr als Berechnungsmethoden

Die EZB versteht ICAAP und ILAAP als umfassende bankinterne Prozesse im Kontext eines krisenfesten Bankmanagements. Das ist sehr viel mehr als die Berechnung von KPIs zur Adäquanz von Kapital und Liquidität. Die Gesamtsicht auf diese Prozesse und deren Governance wird aufgewertet und die Messlatte für Risikoinventur, Planung, Szenarioanalysen, Stresstesting und Validierung sowie die generelle Integration von ICAAP und ILAAP in die Managementprozesse höher gelegt. Das Ziel ist klar: ICAAP und ILAAP sollen „gelebt“ und vom Management der Bank aktiv als Instrumente für die Steuerung genutzt werden. Damit aus den Wechselwirkungen zwischen Kapital und Liquidität keine widersprüchlichen Steuerungsimpulse entstehen, sollten ICAAP und ILAAP zu einem übergreifenden „ICLAAP“ zusammenwachsen.

Ökonomisch-normative Dualität der Steuerungsperspektiven

Die deutschen Banken haben unter dem Regime von Bundesbank und BaFin in der Vergangenheit für ICAAP und ILAAP meist eine ökonomische Sicht auf Kapital und Liquidät entwickelt. Aufsicht und Abwicklungsbehörden sind jedoch gezwungen einzuschreiten, wenn bestimmte regulatorisch definierte Quoten verletzt werden. Daher überrascht es nicht, dass die EZB diese regulatorischen Kennzahlen nun mit der normativen Perspektive stärker in den Mittelpunkt rückt und fordert, dass die Banken diese stärker in ihrer internen Steuerung verankern: ICAAP und ILAAP umfassen beide eine normative und eine ökonomische Perspektive und deren Dualität. Für viele deutsche Institute ist die nun vom Leitfaden geforderte ökonomisch-normative Dualität der Steuerungsperspektiven aufgrund der bisherigen Aufstellung mit einem schmerzhaften Umdenken verbunden.

Szenariobetrachtungen sind ein integrierter Bestandteil

Ein krisenfestes Bankmanagement erfordert den Blick nach vorne: Während bisher eine stichtagsbezogene Berechnung und Einhaltung relevanter Metriken der ökonomischen und normativen Sicht die Hauptgrundlage zur Beurteilung der Institute war, rückt die EZB Prognosen und Szenariobetrachtungen stärker in den Fokus. Die relevanten Metriken sind über einen Zeithorizont von mehreren Jahren zu prognostizieren und es gilt sicherzustellen, dass diese (unter Zuhilfenahme von glaubhaften Maßnahmen) auch zukünftig eingehalten werden. Dabei sind für die Prognose neben einem Basisszenario nun explizit auch mehrere adverse Szenarien zu berücksichtigen. Prognosen und Szenariobetrachtungen werden zum Dreh- und Angelpunkt für die Beurteilung der Adäquanz von Kapital und Liquidität.

Aufruf der EZB zur zeitnahen Umsetzung gerechtfertigt

Die Kernherausforderungen für die Institute liegen in der Schaffung von Szenariomethodiken für bislang nicht im Scope befindliche KPIs, einer konsistenten Integration mit den Planungsaktivitäten und Implementierung einer effektiven Architektur für Prognose und Szenariosimulation. Die Rollen und Verantwortlichkeiten von Risiko und Finanzen sollten vor diesem Hintergrund überdacht und ggf. neu geordnet werden. Doch damit nicht genug: Die methodischen Anpassungen und das damit verbundene Rollenmodell machen eine umfassende Überarbeitung der internen Richtlinien notwendig. Zu allem Überfluss sollten die Anpassungen bereits in den diesjährigen Planungsprozess für 2019 und die Folgejahre integriert werden – denn genau das wird im SREP 2019 Gegenstand des Reviews durch die Aufsicht sein.

Was die Institute nun konkret zur Vorbereitung auf den SREP 2019 tun sollten, lesen Sie auf unseren Themenseiten zum ICAAP-Leitfaden und zum ILAAP-Leitfaden.

Dr. Frank Gutheim
  • Director, Financial Services
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