Nicht überlegen, ob es ein Fehler ist

„Nicht überlegen, ob es ein Fehler ist

Verena Pausder wirbt im Interview für mehr Frauen als Gründer

Keyfacts über Start-up

  • Frauen wünschen sich mehr Sicherheit und Vorhersagbarkeit
  • Die Gründung eines Start-ups bietet viel Selbstbestimmtheit und Freiheit
  • Unternehmen müssen verbindliche Zielgrößen für den Frauenanteil festlegen
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28. September 2015

Verena Pausder (36) ist erfolgreiche Unternehmerin und Vorbild in der Start-up-Szene. Vor drei Jahren hat sie gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner in Berlin die Plattform für Kinder-App-Entwicklungen Fox & Sheep gegründet. Im Interview erzählt sie, was sie besonders inspiriert.

Nur 13 Prozent Frauen haben laut Deutschem Start-up-Monitor im vergangenen Jahr ein Unternehmen gegründet. Woran liegt das?

Verena Pausder: Frauen sind risikoscheuer, wünschen sich Sicherheit und Vorhersagbarkeit. Gründen ist so ziemlich das Gegenteil: Ich gehe auf volles Risiko, verschiedene Ängste mischen sich; ich weiß nicht, was am nächsten Tag passiert. Als Frau will man alles gut, gründlich und richtig machen. Und Scheitern nimmt man häufig persönlich. Hat man diese Anfangsangst aber überwunden, dann setzt die Selbstständigkeit eine unheimliche Energie frei und bietet vor allem Selbstbestimmtheit und Freiheit. Beruf und Familie lassen sich leichter vereinbaren. Man kann auch mal beim Kita-Frühstück dabei sein oder die Kinder kommen ins Büro zu Besuch.

Wann kam Ihnen die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Pausder: Ich habe schon früh angefangen, mich für das Gründen zu interessieren. Meine Eltern sind Unternehmer und ich fand den Gedanken, meine Ideen einfach umsetzen zu können und mich dabei auszuprobieren, schon immer toll. Die Idee zu Fox & Sheep hatten mein Geschäftspartner Moritz Hohl und ich, als wir Kinder bekommen hatten. Da haben wir festgestellt, dass es keinen guten kindgerechten Content gibt.

Und dann ging es bestimmt auf Investorensuche – eine Welt, die eher von Männern dominiert ist. Wie wurden Sie von diesen wahrgenommen?

Pausder: Ich habe es immer als Vorteil gesehen, mich jetzt in dieser Welt zu bewegen. Ich wurde eher interessiert von den Investoren aufgenommen – die sich wiederum gefreut haben, dass endlich auch einmal eine Frau vor ihnen steht.

13 %

der Start-ups wurden 2015 von Frauen gegründet.

Ab dem 30. September müssen Unternehmen verbindliche Zielgrößen für den Frauenanteil in Aufsichtsrat und Vorstand festlegen. Denken Sie, dass das zu mehr Aufstiegschancen für Frauen führt?

Pausder: Grundsätzlich bin ich gegen Quoten. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, Zustände nicht nur zu bemängeln. Ich habe mir immer gesagt: Denk dir selbst was aus. Man kann nicht immer nur jammern. Wir schauen schnell in Richtung Politik, doch die kann nicht die Gesellschaft verändern. Wir müssen die kulturelle Veränderung selbst herbeiführen.

Sie veranstalten seit drei Jahren regelmäßig Ladies Dinner in verschiedenen Städten. Worin sehen Sie den Vorteil, wenn sich Frauen exklusiv untereinander austauschen?

Pausder: Ich wollte einen verbindlichen Kreis haben, in dem man sich ohne Marketing-Gequatsche einfach offen austauscht. Frauen sind ehrlicher miteinander. Es gibt so tolle Frauen, von denen man sich eine Scheibe abschneiden kann. Das denke ich jedes Mal, wenn wir uns zum Dinner treffen.

Welchen Ratschlag würden Sie jemandem geben, der überlegt, ein Start-up zu gründen?

Pausder: Mein Tipp: Einfach machen, ohne zu überlegen, ob es ein Fehler ist. Das gilt insbesondere für Frauen, die sich oft aus lauter Vernunft einfach nicht trauen. Wer eine gute Idee hat, soll sie auch umsetzen. Mich persönlich hat das Buch „The Big 5 for life“ sehr inspiriert und besonders der Gedanke, dass jeder für sich die fünf wichtigsten Dinge definieren sollte, die er im Laufe seines Lebens getan haben will. Am Ende des Lebens zufrieden zurückblicken zu können, das ist doch toll.

Zur Person: Verena Pausder (zuvor Delius) ist Gründerin und Geschäftsführerin des App- und Onlinespiele-Entwicklers Fox & Sheep mit Sitz in Berlin. Das Unternehmen erwirtschaftete nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen Umsatz von einer Million Euro. Pausder gehört zu den bekanntesten Köpfen der Berliner Start-up-Szene. Ihre erste Firma, eine Sushi-Bar in Bielefeld, gründete sie mit ihrer Schwester im Alter von 20 Jahren. Parallel studierte sie Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen und war danach Trainee bei der Münchener Rückversicherungsgesellschaft. Im Anschluss startete sie ihr eigenes Unternehmen, Delius Capital. 2010 wechselte sie in die Games-Branche. Das Start-up Fox & Sheep gründete sie im Jahr 2012.

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Zusammengefasst

»Hat man die Anfangsangst überwunden, dann setzt die Selbstständigkeit eine unheimliche Energie frei und bietet vor allem Selbstbestimmtheit und Freiheit.«

Nur 13 Prozent Frauen haben laut Deutschem Start-up-Monitor in 2015 ein Unternehmen gegründet. Das bietet noch reichlich Potenzial nach oben, denkt Mutter und Gründerin Verena Pausder. Oftmals fehlt es Frauen ihrer Meinung nach an Mut, einfach ihre Ideen umzusetzen – sie denken häufig zu sehr über mögliche negative Konsequenzen nach, sollte sich eine Firma einmal nicht wie gewünscht entwickeln. Dabei bietet die Selbstständigkeit gerade Frauen viele Vorteile.

Klardenker Redaktion KPMG
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Kommentare

Warum gründen Ihrer Meinung nach so wenig Frauen ein Unternehmen?

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