Online-Shopping: Warten war gestern

Heute bestellt, heute da – Konsequenzen der Same Day Delivery für Handel und Logistik

Keyfacts

  • Jeder vierte Online-Shopper im Alter von 19-24 Jahren erwartet eine taggleiche Lieferung seiner bestellten Produkte
  • In Deutschland existieren bisher Einzellösungen, die regional und/oder vom Sortiment stark eingeschränkt sind
  • Kollaborative Plattformen und stärker verzahnte Prozesse von Händlern und Logistikern bringen den gewünschten Nutzeffekt für die Konsumenten
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Stephan Fetsch
  • Partner, Advisory
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Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor: Morgens auf dem Weg zur Arbeit fällt Ihnen ein, dass Sie für einen guten Freund noch ein Geburtstagsgeschenk für die Feier am Abend benötigen. Sie zücken ihr Smartphone, bestellen online und das gewünschte Produkt wird Ihnen am Nachmittag bequem an ihren Arbeitsplatz geliefert – wenn Sie gewollt hätten, sogar innerhalb von zwei Stunden.

Schon erlebt? Wenn nicht, dann beschreibt dieses Einkaufserlebnis jedoch ziemlich genau die Ansprüche der jungen Online-Shopper. Die taggleiche Lieferung der Ware (Same Day Delivery) ist für jeden Vierten der Generation Z von herausragender Bedeutung – das ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Studie, die KPMG durchgeführt hat.

Schnell, schneller, same day – das gab’s schon früher

Same Day Delivery ist nicht neu – der Klassiker ist der Pizzaservice. Er beweist seit vielen Jahren, dass die unverzügliche Lieferung von ausgesuchten Waren – zumindest meistens – funktionieren kann. Zustellung noch heute, nach Kundenwunsch in festgelegten Zeitfenstern, von morgens bis abends und am Wochenende. Freundlich angekündigt. Bis zur Wohnungstür, auch ohne Aufzug. Das ist das Versprechen bei Same Day Delivery. Und das erwarten vor allem jüngere Kunden heute von den Online-Shops.

Ihre „Genau hier, genau jetzt“-Bedürfnisse sollen vom Händler sofort befriedigt oder sogar antizipiert werden. Dieser Trend im Käufermarkt der ersten Welt stellt die beteiligten Akteure – Händler wie Logistiker – vor vielfältige Herausforderungen.

Herausforderungen bei Versand und Distribution

Ein Blick auf den deutschen Markt zeigt, dass die taggleiche Lieferung von Produkten bisher kaum existiert. Das Angebot beschränkt sich entweder auf einzelne Metropolregionen, die eine hohe Lieferdichte und kurze Lieferwege ermöglichen und/oder auf ein extrem eingeschränktes Sortiment. Denn die Ware muss unmittelbar verfügbar sein und sämtliche Prozesse so verzahnt, dass mit dem Klick des Kunden auf den Bestellbutton nahezu zeitgleich der Versandprozess der Ware startet. Das erfordert eine dezentrale Warenvorhaltung mit regionalen Lagern in urbaner Lage nahe den Endkunden. Ein großes, zentrales Warenlager irgendwo auf dem Land bietet hierauf keine zufriedenstellende Antwort.

Die vorhandenen Einzel- und Insellösungen in Deutschland, bei denen jeder Händler seine eigene Technologie aufbaut, um eine taggleiche Lieferung gewährleisten zu können, ist kostenintensiv und wird sich auf Dauer nicht durchsetzen – vor allem nicht, wenn Händler gegenüber Big Playern wie Amazon oder Alibaba wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Innovative Ansätze kommen aus den USA oder Asien

Was den Online-Handel betrifft ist Deutschland weiterhin ein Adaptionsland. Innovative Zustellkonzepte und technologische Entwicklungen kommen aus Übersee. Amazon experimentiert zwar auch hierzulande bereits seit 2015 mit der taggleichen Lieferung und bietet diese ausgewählten Kunden in Metropolregionen wie Berlin oder München an. Die Möglichkeiten eine Same Day Delivery zu gewährleisten, sind jedoch in den USA sehr viel mannigfaltiger.

Uber-Fahrer liefern dort beispielsweise Pakete für Amazon aus, in New York existieren spezielle Paketschließfächer in den Wolkenkratzern, und in Kalifornien gibt es die Neighbourhood-Delivery, bei der sich jeder anmelden und stundenweise Pakete an Nachbarn ausliefern kann – rechtlich geregelt über einen elektronischen Arbeitsvertrag. In Deutschland ist das aus regulatorischer Perspektive bisher nicht denkbar.

Auswirkungen auf Logistikunternehmen

Angesichts des enorm gestiegenen Paketaufkommens und des Trends zu immer kürzeren Lieferzeiten sind auch bei den Logistikdienstleistern innovative Lösungen und neue Technologien gefragt. Ein Beispiel sind die „StreetScooter“ der Post, die sich insbesondere für die Auslieferung in Innenstädten eignen, da sie besonders umweltfreundlich und geräuscharm unterwegs sind.

Wir brauchen mehr solcher Lösungen. Auch Poollösungen für Paketauslieferungen halte ich für sinnvoll. So wie ein Postbote jedes Haus täglich für die Zustellung von Briefen anfährt, könnte ein Lieferdienst in definierten Gebieten immer innerhalb eines bestimmten Zeitfensters Waren an die Kunden ausliefern.

Fazit: Der Kunde entscheidet über den Wandel

Der Online-Handel sollte neue Wege finden, die gestiegenen Erwartungen der jüngeren Kunden hinsichtlich Versandabwicklung und Lieferzeiten zu erfüllen. Denn diese zwei Aspekte gehören zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Online-Shop-Kundenbindung. Es stellt sich die Frage, ob es dem Handel in Deutschland flächendeckend gelingt, einen Sofortkonsum zu ermöglichen – wenn auch mit zeitlichem Versatz in den ländlichen Regionen.

Online-Händler und Logistiker sollten an kollaborativen, plattformisierten Lösungen arbeiten, ihre Abläufe verzahnen und Ressourcen poolen. Denn erst eine Kombination beider Geschäftsmodelle wird den gewünschten Nutzeffekt für die Kunden bringen – vor allem, was die uneingeschränkte Warenverfügbarkeit betrifft. Das sind die Konsequenzen für einen Online-Handel, der die Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt rückt.

Stephan Fetsch
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Online-Shopping – So wünscht sich der Kunde den Kaufprozess

Die Studie beleuchtet die Präferenzen der Kunden entlang der Customer Journey.

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