Die Perlen in der Lieferkette schützen

Die Perlen in der Lieferkette schützen

Warum ein Lieferantenrisikomanagement für Unternehmen immer wichtiger wird.

Keyfacts über Lieferkette

  • Globalisierte Lieferketten können den Unternehmensgewinn steigern
  • Risse in der Lieferkette setzen Unternehmen schneller und öfter unter Druck als zuvor
  • Ein ausgewogenes Betriebsmodell ist erforderlich
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07. Dezember 2016

Unternehmen kaufen immer mehr Dienstleistungen und Güter zu weiten Teilen im Ausland ein. Das kann die Kosten senken oder gewährt Steuervorteile – soweit die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht: Das verstärkt auch die Abhängigkeit der Gesellschaft von ihrem international aufgestellten Liefernetzwerk, welches somit immer komplexer und fragiler wird.

Eben dieses Netzwerk ist jedoch wiederum abhängig von der Welt und ihren Entwicklungen. Für die letzten Jahre bedeutet das: Die Erschütterungen kamen regelmäßig. Von der Finanzkrise über die Ereignisse in der Ukraine bis zum Brexit oder Naturkatastrophen. Für Unternehmen gilt das erst recht: Risse in der hoch vernetzten Lieferkette schlagen so schnell auf die Produktion durch wie noch nie zuvor. Wie der Procure-to-Pay-Prozess Ihres Unternehmens aufgestellt ist, analysiert das KPMG Maturity-Assessment.

Als Japan beispielsweise vor fünf Jahren von schweren Erdbeben und einem Tsunami getroffen wurde, brach der Absatz einzelner Akteure im Automobilbereich um knapp 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Der Grund: Ihre Lieferanten konnten in dem schwer zerstörten Land die Produktion und die Lieferungen nicht aufrechterhalten. Zusätzlich zum Absatzschwund entstanden noch schwerer zu berechnende Schäden für die Reputation, die Marke sowie Schäden, die aus dem Verlust von Marktanteilen stammten.

Weg zur Wirksamkeit und Effizienz

Was also können Unternehmen tun? „Wer sich anbahnende Probleme in der Lieferkette rechtzeitig erkennen will, der muss dafür sorgen, einen Blick in die einzelnen Kettensegmente werfen zu können“, sagt Marcus Schüller, Head of Operations Consulting bei KPMG in Deutschland. Seit einiger Zeit beobachtet Schüller, dass die erfolgreichen Unternehmen großen Wert auf ein ausgewogenes „Betriebsmodell“ (Prozessmodell) legen. Dabei gehört – neben dem Aufbau einer geeigneten Governance und einer Organisation – ebenso die Definition strukturierter Prozesse zur Identifizierung, Bewertung und Minimierung möglicher Risiken und die Bereitstellung eines Methoden-Kataloges.

360.000

US-Dollar kostet durchschnittlich eine Unterbrechung der Lieferkette in der Fertigungsindustrie in Großbritannien

Ein funktionierendes Betriebsmodell zu etablieren, ist dabei nur der erste Schritt. Unterschiedliche Daten aus verschiedenen Quellen müssen vollständig erfasst und sinnvoll miteinander verknüpft werden. „Aus unserer Erfahrung in mehreren Projekten wissen wir, dass ein Großteil der Unternehmen schon an dieser Stelle Schwierigkeiten hat“, sagt Schüller. Allerdings sei der Erfolg des Lieferantenrisikomanagements selbst dann nicht gewährleistet, wenn Daten vorliegen würden, sagt Schüller: „Große Datenmengen einzusammeln, bringt erst einmal gar nichts. Wer nicht weiß, wie er diese Daten sinnvoll aufbereiten und interpretieren kann, der wird auf lange Sicht eher unter Datenbergen begraben werden.“ Das gelte umso mehr, je geringer der Automatisierungsgrad der Unternehmen ist.

Wer die Daten aufwendig manuell in die Systeme einpflegen muss, hat hier hohe Personalkosten zu tragen. In vielen Unternehmen wird auch aus diesem Grund auf eine umfassendere Beobachtung der Lieferkette verzichtet – die damit verbundenen Aufwände scheuen viele Firmen. „Dabei könnte der Einsatz einer maßgeschneiderten Technologie an dieser Stelle durchaus helfen. So wird eine nahtlose Unterstützung entlang des gesamten Risikomanagementprozesses sichergestellt“, sagt Schüller.

Lieferkette: Aufruf zum Handeln

Nach einer Studie über die Fertigungsindustrie in Großbritannien kostet eine Unterbrechung der Lieferkette durchschnittlich 360.000 US-Dollar – weitere Folgekosten nicht ausgeschlossen. „Es gilt der alte Kalenderspruch: Eine Kette reißt an ihrem schwächsten Glied.“, sagt Schüller. „Also richtet ein wirksames Risikomanagement seinen Blick auf die gesamte Lieferkette und die komplette Bandbreite von Risikoarten. Der schwächste Teilnehmer einer solchen Kette kann durchaus auch ein kleiner Lieferant sein, der für sich genommen zwar nur geringe Anteile am Endprodukt beiträgt. Aber eben die wichtigen“, sagt Schüller. Wer seine eigenen Schwachstellen kennt, kann kritische Situationen vermeiden. „Da sind alle gefordert: Die entsprechenden Stellen in Governance, Prozess, Mitarbeiter, Dienstleistung und Technologie“, sagt Schüller: „Erdbeben lassen sich damit nicht verhindern. Die fatale Auswirkung eines Erdbebens auf die eigene Produktion aber durchaus.“

Wie Unternehmen ihr Lieferantenrisikomanagement erfolgreich planen und umsetzen, lesen Sie in einem aktuellen KPMG-Whitepaper hier.

Zusammengefasst

»Wer sich anbahnende Probleme in der Lieferkette rechtzeitig erkennen will, der muss dafür sorgen, einen Blick in die einzelnen Kettensegmente werfen zu können. Dabei hilft der Einsatz einer maßgeschneiderten Technologie. So wird eine nahtlose Unterstützung entlang des gesamten Risikomanagementprozesses sichergestellt.«

Erfolgreiche Unternehmen legen großen Wert auf ein ausgewogenes „Betriebsmodell“ (Prozessmodell) für ein Lieferantenrisikomanagement. Dabei gehört – neben dem Aufbau geeigneter Governance und Organisation, eine Definition strukturierter Prozesse zur Identifizierung, Bewertung und Minimierung möglicher Risiken und die Bereitstellung eines Methoden-Kataloges.

Marcus Schüller Partner, Advisory, Head of Operations Consulting
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