Das Dilemma um die Bank-Gebühren sagt viel über die Branche

Dilemma um die Bank-Gebühren

Darum sollten die großen Geldhäuser über Kooperationen mit FinTechs nachdenken.

Keyfacts über Bankgebühren

  • Mehrere Geldhäuser hatten 2016 Gebühren auf Girokonten erhoben
  • 2017 haben Banken diese wieder zurück genommen
  • Auch für das Geldabheben werden vereinzelt Gebühren erhoben
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Mehrere Geldinstitute hatten 2016 das kostenlose Girokonto abgeschafft. Der andauernde Niedrigzins, die Politik der Europäischen Zentralbank sei Mitschuld an der Misere. Die Vertreter mehrerer Bankhäuser hatten in den letzten Monaten vielerlei Begründungen dafür aufgebracht, warum die Zeit des kostenlosen Girokontos vorbei ist. Nun allerdings die Kehrtwende: Einige nehmen die Gebühren wieder zurück. Ein Blick in das Seelenleben der Branche.

Nicht nur das Girokonto wurde mit einer Gebühr belegt, auch das Abheben von Geld soll bei einigen Instituten Geld kosten. Die Entwicklungen der letzten Monate haben dazu geführt, dass besonders die Direktbanken sowie die Banken regen Zulauf hatten, die auf eine Gebühreneinführung verzichtet hatten.

Ein bisschen fühlt es sich so an, als würden plötzlich alle verfügbaren Seiten im Internet mit einer Art Nutzungsgebühr belegt werden.

Wir erleben gerade, dass die gesamte Branche bislang keine schlüssige Antwort auf die Frage gefunden hat, wie sie künftig Geld verdienen will. Vor der Zeit der niedrigen Zinsen war dies klar, die großen Geldhäuser hatten gesicherte Ertragsquellen.

Der Gebühren-Weg für einen Service, der über Jahrzehnte kostenlos war, stellt sich als falsch heraus.

Banken sollten sich jetzt allerdings nicht fragen, ob und mit welchen Gebühren sie weitere Kunden verärgern wollen und diese im ungünstigen Fall zur Konkurrenz abwandern. Banken sollten viel eher aufgrund der Erfahrungen der letzten Monate darüber nachdenken, für welchen Service Kunden bereitwillig Geld bezahlen würden.

Besonders FinTechs zeigen immer wieder eindrucksvoll, wie aus Dienstleistungen im Finanzumfeld Geschäftsmodelle werden. Mitunter sind es direkte Überweisungen, die nur ein paar Sekunden zwischen Sender und Empfänger unterwegs sind, mal sind es Transaktionen via Blockchain für maximale Transparenz.

Ich denke, es wird für Banken andere Wege geben, neue Ertragsquellen zu generieren. Wichtig ist an dieser Stelle, wie und ob Banken diese Zeichen deuten und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Sie sollten darauf vertrauen, dass Kooperationen die wichtigen Kennzahlen ihres Unternehmens verbessern können.

Mitunter kann dies auch bedeuten, dass sich irgendwann das gesamte Geschäftsmodell ändern wird. Soweit sind viele Banken allerdings noch nicht. Dennoch ist die Entwicklung hochspannend und zeigt, dass sich besonders im Bankenbereich in den kommenden Jahren einiges ändern wird. Wer künftig mit einem Vorteil starten will, sollte also bereits heute über unterschiedliche Möglichkeiten nachdenken, die Blockchain und andere Technologien bieten könnten.

Wir haben in Frankfurt unser Center The Blockchain Node  eröffnet, einen Ort, an dem wir das disruptive Potenzial der Blockchain erklären und erfahrbar machen – mit an Bord ist übrigens Tech-Riese Microsoft.

Dazu haben wir das Tech Quartier, einen Ort, an dem FinTechs ihre Ideen präsentieren und wir immer öfter mit Vertretern großer Bankhäuser Neues entwickeln.  

09. Mai 2017
Zusammengefasst

»Ein bisschen fühlt es sich so an, als würden plötzlich alle verfügbaren Seiten im Internet mit einer Art Nutzungsgebühr belegt werden.«

Erst Gebühren auf das Girokonto, dann auf das Geldabheben. Jetzt schaffen die ersten die Kosten wieder ab. Bankenexperte Sven Korschinowski darüber, warum das Gebühren-Dilemma viel über die Bankenbranche sagt.

Sven Korschinowski Partner, Financial Service
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