Der anspruchsvollste Kunde aller Zeiten

Anspruchsvollster Kunde aller Zeiten

Mit Industrie 4.0 wird es für Unternehmen nicht unbedingt einfacher

Keyfacts über Industrie 4.0

  • Industrie 4.0 ermöglicht neue Geschäftsmodelle
  • Unternehmen können Produktionsprozesse rasch ändern
  • Der Kunde verlangt verstärkt nach individualisierten, schnell lieferbaren Produkten
Zusammenfassung lesen

Ein Universum an Möglichkeiten: Industrie 4.0 eröffnet Unternehmen große Chancen, bietet enormes Wachstumspotenzial und neue Formen der Wertschöpfung, vor allem, weil sie jetzt viel näher am Kunden sind.

Unternehmen können zum Beispiel gezielt Nutzerdaten gewinnen und für Produktverbesserungen einsetzen. Außerdem kann umgehend auf neue Bedarfe und Verbraucherwünsche eingegangen werden.

„Doch die Medaille hat wie immer zwei Seiten“, sagt Erich L. Gampenrieder, global verantwortlich für Operations Consulting bei KPMG. Die häufige Fokussierung auf das Themenfeld Produktion ist dabei eine unnötige Einschränkung. Denn die Kunden und insbesondere die Digital Natives wissen, was technisch machbar ist – und fordern das auch von Unternehmen. Sie erwarten immer neue, genau an der Zielgruppe orientierte Produkte, online verfügbar und schnell lieferbar.

Das heißt, Industrie 4.0 ist ein zweischneidiges Schwert. „Die immensen Möglichkeiten gilt es in besonders prädestinierten Brachen wie der Luftfahrtindustrie und im Maschinen- und Anlagenbau unbedingt zu nutzen“, so Erich Gampenrieder. Dabei stellen jedoch viele Unternehmen, getrieben von ihrer eigenen technischen Innovationskraft, technische Aspekte in den Vordergrund. Die eigentliche Revolution von Industrie 4.0 ist allerdings nicht Technologie an sich, sondern das, was sie nun ermöglicht: nämlich teils radikal neue Geschäftsmodelle und Servicekonzepte.

Das Erfolgsrezept: flexibel, vernetzt und schnell

Weil der wirtschaftliche Erfolg der Geschäftsmodelle und Servicekonzepte aber wesentlich von den Anforderungen des Kunden abhängt, ist es essenziell, dass gerade kleine und mittelständische Unternehmen, auch außerhalb der Industrien mit großer Fertigungstiefe, ihr Know-how in digitaler Form mit dem Kunden teilen. Und dass sie seine Wünsche auch genau kennen, um sie in Produkten und Services zu integrieren. „Sie müssen die ‚Voice of Customer‘ in das Produkt zu integrieren“, sagt Erich L. Gampenrieder. Das gelingt vor allem auch über die intelligente Analyse und Integration von Social-Media-Informationen, ohne der Cyber-Kriminalität Tür und Tor zu öffnen. 72 Prozent der in einer jüngsten Studie befragten Fertigungsunternehmen gehen davon aus, dass sich die Kundenbeziehung entlang des Produktlebenszyklus‘ durch den Einsatz von Data and Analytics wesentlich verbessern wird.

72

Prozent der für die Studie zur digitalen Transformation befragten Fertigungsunternehmen erwarten bessere Kundenbeziehungen durch Data and Analytics

Besonders nützlich sind die Produktbewertungen der Kunden auf digitalen Handelsportalen. Mit diesen Informationen können Unternehmen zeitnah auf individuelle Anforderungen reagieren und diese in die Produktentwicklung und in der Folge in PLM und ERP-Systeme einfließen lassen. Dabei sehen zudem die Anforderungen für das gleiche Produktsegment in unterschiedlichen Ländern und Regionen auch unterschiedlich aus. Pauschalisiert gesagt: Während der US-Konsument beim Bruch eines Werkzeugs einfach ein neues kauft, erwartet der deutsche Konsument, dass das Werkzeug ein Herabfallen durchaus überlebt.

Um diese unterschiedlichen Bedürfnisse zielgenau zu erfüllen, braucht es Flexibilität. Mit Hilfe der neuen Technologien, etwa mittels additiver Fertigungsverfahren wie 3D, wird die Integration kurzfristiger Produktänderungen auch im Herstellungsprozess ermöglicht.

Somit beginnt Industrie 4.0 nicht erst in der Produktion sondern bereits im Produktentstehungsprozess. Wer erfolgreich sein will, muss sein Produkt als erstes auf dem Markt platzieren, getreu dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ oder anders gesagt: Der Erste erhält maximale Profitabilität.

„Industrie 4.0 stellt Unternehmen vor mindestens so viele neue Herausforderungen wie neue Möglichkeiten. Doch wer die Chancen clever nutzt, auch indem er stets auf die gewünschte Verbesserung der eigenen Leistungsfähigkeit in den Dimensionen Umsatz, Kosten und Assets fokussiert, der kann viel erreichen“, sagt Erich L. Gampenrieder.

Den Nutzen und die Risiken von Industrie 4.0 diskutierte Erich L. Gampenrieder mit hochrangigen Gästen aus der Praxis bei KPMG – Klardenker live am 21. März in Hamburg. Sie können hier eine Aufzeichnung des Livestreams verfolgen.

06. März 2017
Zusammengefasst

»Unternehmen müssen die ‚Voice of Customer‘ in das Produkt integrieren.«

Industrie 4.0 besteht aus zwei wesentlichen Komponenten, wobei Unternehmen eine davon häufig unterschätzen. Getrieben von ihrer eigenen technischen Innovationskraft, stellen sie die technischen Aspekte in den Vordergrund. Die eigentliche Revolution von Industrie 4.0 ist allerdings nicht Technologie an sich, sondern das, was sie nun ermöglicht: nämlich teils radikal neue Geschäftsmodelle und Servicekonzepte.

Erich L. Gampenrieder Global Head of Operations Advisory and Global Head of Operations Center of Excellence
Ganzen Artikel lesen

Kommentare

Was erwarten Sie von Industrie 4.0?

*Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

Das könnte Sie auch interessieren

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist. Schließen