Entscheidungen: Von Daten, Prognosen und Persönlichkeiten

Entscheidungen: Daten & Persönlichkeit

Warum der Kopf den Bauch braucht – und umgekehrt.

Keyfacts über Entscheidungsfindung

  • Entscheidungen werden nicht einfach gefällt – sie entstehen
  • Aus Daten abgeleitete Prognosen helfen CEOs
  • Wo das Wissen endet, entscheidet das Gefühl
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Toast oder Schwarzbrot? Butter oder Margarine? Spiegel- oder lieber Rührei? Jeden Morgen müssen wir uns aufs Neue entscheiden. Verglichen mit dem täglichen Entscheidungsmarathon eines Top-Managers, erscheint die Wahl des eigenen Frühstücks äußerst profan. Führungskräfte von heute haben es schwer. Und dabei meine ich nicht, dass ihnen viel zu häufig die Zeit für ein ordentliches Frühstück fehlt. Ihre Welt ist geflutet von Informationen, teilweise unüberschaubar. Vorstände und Geschäftsführer stehen vor dem Phänomen, dass sie nicht über zu wenige, sondern auch über zu viele Informationen verfügen. Wie soll man sich da noch vernünftig entscheiden?

An der schieren Menge an Daten und Informationen muss heute aber niemand mehr verzweifeln: Denn wir verfügen über so viele Informations- und Analysemöglichkeiten wie nie zuvor. Neben Google und klassischen Literaturquellen können Unternehmer ihre Entscheidungen mithilfe von Business Analytics- und Business Intelligence-Lösungen besser denn je absichern. Artificial Intelligence (AI), Data Analytics oder Predictive Analytics sind die Stichworte, die jeden CEO aufhorchen lassen. Mit diesen Methoden lassen sich aus empirischen Daten tragfähige Prognosen ableiten – und letztlich bessere Entscheidungen fällen.

Die Zukunft als Trend

Noch nie zuvor wurde so viel Wissen über Kunden, Märkte und Wettbewerber systematisch gesammelt, zusammengestellt und ausgewertet wie heute. Daten werden dynamisch generiert und in Zukunftsszenarien durchgespielt. Intelligente Systeme machen Trends und Zusammenhänge sichtbar. Ganze Abteilungen entwerfen daraus Handlungsoptionen und skizzieren Entscheidungsalternativen mit detaillierten Risikoprofilen. Das alles ist hilfreich. Doch eine Frage bleibt meist unbeantwortet: Welche Rolle spielt die Persönlichkeit des Entscheiders und mit welchen Kompetenzen muss er ausgestattet sein, um aus der Fülle an Informationen valide Erkenntnisse für die Strategie des Unternehmens zu gewinnen?

Entscheidungen mit Persönlichkeit

Datenanalysen geben uns Halt, aber entscheiden müssen echte Menschen. Zwangsläufig besteht dabei die Gefahr, dass sich Manager hinter Daten und Algorithmen verstecken könnten, weil sie den Analysen mehr Vertrauen schenken als dem persönlichen Urteilsvermögen. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie von KPMG haben zudem gezeigt, dass gerade deutsche Unternehmen wertvolle Potenziale auf der Strecke lassen, weil sie Data & Analytics noch weit weniger einsetzen als ihre weltweite Konkurrenz („Building Trust in Analytics“, 2016). Das sollten wir ändern. Denn tiefgreifende innovative Entscheidungen brauchen zweierlei: eine fundierte Analyse und die dazugehörige Portion Mut, auf dieser Basis eigene Schlüsse zu ziehen.

Mehr Mut zum Risiko

Entscheider müssen heute in der Lage sein, kurzfristige Trends von nachhaltigen Entwicklungen zu unterscheiden. Im besten Fall entwickeln sie aus Visionen neue Geschäftsfelder. Das erfordert Mut und den Willen, unbekanntes Terrain zu betreten und Risiken einzugehen. Wer dann noch mit Charisma, Überzeugungskraft und einem guten Bauchgefühl aufwarten kann, setzt sich auch gegen die zähe Masse des Althergebrachten innerhalb und außerhalb des eigenen Unternehmens durch.

Wie viel Kopf braucht der Bauch?

Wo das Wissen endet, entscheidet das Gefühl. Und wo Menschen interagieren, da spielen Emotionen eine nicht unerhebliche Rolle. Doch kaum jemand weiß, dass ohne Gefühle auch die Fähigkeit verloren geht, zu entscheiden. 1982 fiel dem portugiesischen Neurologen Antonio Damasio ein Patient auf. Diesem wurde operativ ein Hirnturmor entfernt – mit tragischen Folgen: Aus dem Mann war ein chronischer Zauderer geworden. Damasio stellte fest, dass Menschen, denen bei einer Hirn-OP der Teil des Gehirns mit entfernt werden musste, der für Emotionen zuständig ist, nicht mehr entscheidungsfähig waren. Emotionen sind also primäre Entscheidungskatalysatoren. Für den Prozess der Entscheidungsfindung sind sie ebenso bedeutend wie Erfahrung und Wissen.

Damasios Beobachtungen helfen uns, den Blick von der Technik auf den Menschen zu lenken: Zahlen, Daten und Fakten überzeugen den Verstand, Emotionen setzen Menschen in Bewegung. Beides ist ausschlaggebend für nachhaltigen unternehmerischen Erfolg. Solange das so ist, wird uns so schnell kein Algorithmus ersetzen. Denn Bauchgefühl und ein gutes Frühstück lassen sich noch nicht digitalisieren.

03. April 2017
Zusammengefasst

»Zahlen, Daten und Fakten überzeugen den Verstand, Emotionen setzen Menschen in Bewegung.«

Entscheider von heute haben es wahrlich schwer. Ihre Welt ist geflutet von Informationen. Vor allem Vorstände und Geschäftsführer stehen vor dem Phänomen, dass sie nicht über zu wenige, sondern über zu viele Informationen verfügen. Datenanalysen helfen ihnen, aus empirischen Daten tragfähige Prognosen abzuleiten – und letztlich bessere Entscheidungen fällen.

Angelika Huber-Strasser Bereichsvorstand
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