Risikomanagement: Geschichte wiederholt sich nicht

Geschichte wiederholt sich nicht

Oder doch? Warum Unternehmen wesentliche politische Risiken oft unterschätzen.

Keyfacts über politische Risiken

  • Der IWF warnt, Trumps Steuerpolitik könnte zu einer Blase führen
  • Nur wenige Unternehmen erwarten Ereignisse mit großer Wirkung auf ihr Geschäft
  • Besonders "unknown Unknowns" werden unterschätzt.
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Gegen den Brexit zu wetten schien eine sichere Sache. Die Quoten der Wettbüros, die die Erwartungen der Kunden widerspiegeln, versprachen keinen großen Gewinn. Die meisten Wettenden gingen also davon aus, dass die Mehrheit der Bevölkerung für den EU-Verbleib stimmen würde.

Doch nicht nur die Masse irrte, auch viele Experten. Zugegeben, auch ich war überrascht, als ich das Ergebnis hörte. Politik ist eben nicht vorhersagbar. Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahnemann spricht in seinem Buch „Schnelles Denken, Langsames Denken“ von einer zero-validity environment. Informationen besitzen demnach in der Politik keinerlei prognostischen Wert.

Testen Sie sich selbst

Es lassen sich also so gut wie keine Vorhersagen treffen, dafür ist das System zu komplex. Nun war der Ausgang des Brexit-Referendums natürlich noch relativ gut abschätzbar, weil es sich um eine Entweder-Oder-Entscheidung handelte und die Stimmung in der Bevölkerung dazu vorab abgefragt werden kann. Dass es aber überhaupt zum Brexit kommen würde, wer hätte das vor wenigen Jahren sicher sagen können? Wer hätte vor fünf Jahren geahnt, dass die Türkei ihre Verfassung tiefgreifend ändern würde, Enteignungen durchführt und massenhaft Beamte entlässt, was die Verwaltung lähmt? Wer hat im Sommer 2013 ernsthaft gedacht, dass die Entscheidung über das EU-Assoziierungsabkommen letztlich zu einem Krieg zwischen Russland und der Ukraine führen würde?

Im Nachhinein erscheint vieles logisch. Doch wenn wir glauben, wir hätten es wirklich vorher gewusst, belügen wir uns selbst. Machen Sie den Test: Öffnen Sie Ihren Kalender für den 31.12.2022 und tragen Sie bitte ein, wer zu dem Zeitpunkt in Deutschland Kanzler oder Kanzlerin ist, welchen Beziehungsstatus Großbritannien und die EU haben, welches Land das höchste Wirtschaftswachstum verzeichnet und wie hoch der EZB-Leitzins ist.

Schauen wir näher: Wen werden die Franzosen zum Präsidenten wählen? Und noch näher: Was werden Sie Samstag zu Abend essen? Schon das zu wissen, ist nicht leicht, obwohl es mit Ihnen und Ihrem Partner nur zwei wesentliche Akteure gibt.

Trügerische Sicherheit

Geschichte wiederholt sich zwar nicht. Aber gravierende Änderungen gibt es häufiger, als viele es wahrhaben wollen. Über den Daumen gepeilt leben allein mehr als 15 Millionen Menschen in Deutschland, deren Geburtsland es nicht mehr gibt. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks, dem Platzen der Dot-Com-Blase und der Finanzkrise gab es allein drei Ereignisse in den vergangenen 30 Jahren, die Auswirkungen auf quasi alle Märkte weltweit hatten. Die vielen überregionalen, aber subglobalen Erschütterungen wie Tsunamis und Kriege kommen noch hinzu.

Insofern ist es mehr als verwunderlich, dass nur 26 Prozent von 200 befragten deutschen Unternehmen es für wahrscheinlich halten, dass in den nächsten fünf Jahren ein heute noch nicht vorhersehbares Ereignis die eigene Geschäftstätigkeit im Ausland massiv beeinflussen wird. Das zeugt nicht von einem hohen Risikobewusstsein.

Stabilität ist eine Illusion. Wie auch die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten beweist. Richtige Vorhersagen sind zwar für Unternehmen Gold wert. Doch viele haben eher einen Wettschein in der Hand oder sind gleich ganz blind bei der Einschätzung von Risiken. Wird schon gut gehen.

Tatsächlich aber gilt: Vorbereiten statt hoffen. Nicht nur auf das scheinbar Wahrscheinliche.

Vorbereiten statt hoffen

Im vergangenen Jahr sind alle EU-Staaten wirtschaftlich gewachsen und auch die USA auf solidem Wachstumskurs.
Doch die Gefahren lauern. Steigende Zinsen, hohe Staatsschulden, aufgeblähte Immobilienmärkte und politische Krisen – es spricht wenig dafür, dass die positive Lage von Dauer ist.

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21. April 2017
Zusammengefasst

»Richtige Vorhersagen sind zwar für Unternehmen Gold wert. Doch viele haben eher einen Wettschein in der Hand oder sind gleich ganz blind bei der Einschätzung von Risiken.«

Politik ist zu komplex, um die Entwicklungen vorherzusagen. Im Nachhinein erscheint vieles logisch. Doch wenn wir glauben, wir hätten es wirklich vorher gewusst, belügen wir uns selbst. Unternehmen sollten daher nicht darauf setzen, dass ein bestimmtes Ereignis eintrifft und schon gar nicht mit dem Optimalfall rechnen. Die nächste Krise kommt, darauf gilt es sich vorzubereiten.

Marcus Schüller Partner, Advisory, Head of Operations Consulting
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