Kommunale Energieversorger setzen auf Stabilität

Stadtwerke: Kapazitätsmarkt und Klima

KPMG befragt VKU-Mitglieder zu den Zukunftsthemen der Energiebranche

Keyfacts über Stadtwerke

  • Mehr als 1000 kommunale Versorger in Deutschland
  • Verteilnetze: 770.000 Kilometer in kommunaler Hand
  • Klimaschutz vor Versorgungssicherheit beim Kohleausstieg
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Über die Energiewende und wie sie gelingen kann, darüber kann man fast täglich in der Presse lesen. Auf unzähligen Fachkongressen treffen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aufeinander, um gemeinsam über die Zukunft der Energieversorgung zu debattieren. Nicht immer sind sich die Akteure einig, welcher der Königsweg sei – und ob es überhaupt einen geben kann. Denn die deutsche Energiewende ist ein Mega-Projekt ohne Vorbild.

Klar ist: Die Energiewende ist ein permanenter Prozess, an dem viele unterschiedliche Akteure teilhaben. Deutschlands Energiepolitik kennt seit Jahren ein wesentliches übergeordnetes Ziel: den Ausbau der erneuerbaren Energien (EE). Dafür hat die Bundesregierung mit Ausschreibungen jüngst ein neues Instrument implementiert. Denn mit dem weiteren Ausbau müssen sich die Erneuerbaren noch stärker in das Gesamtsystem integrieren, sich dem Wettbewerb im Markt stellen.

Eine wesentliche Rolle auf dem Weg zu einer nachhaltigeren und klimafreundlichen Energiewirtschaft spielen nicht nur die großen überregionalen Energieversorger und Übertragungsnetzbetreiber. Es sind auch und gerade die örtlichen Stadtwerke und kommunalen Versorger, die einen wichtigen Beitrag leisten. Die Zahlen belegen es: Insgesamt 770.000 Kilometer Verteilnetze sind in kommunaler Hand, davon speisen bis zu 97 Prozent der erneuerbaren Energien auf Verteilnetzebene in das Stromnetz ein.

Stadtwerke: Im Zieldreieck aus Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Klimaverträglichkeit

Die mehr als 1000 Stadtwerke sind wichtige Player im deutschen Energiesektor. Organisiert sind sie im Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Auf ihrem jährlichen Branchentreffen, dem Stadtwerkekongress, haben der Verband und KPMG die 300 Teilnehmer vor Ort dazu befragt, in welchen Bereichen sie für die nächste Bundesregierung Handlungsbedarf sehen.

Ausschreibungen für erneuerbare Energien halten demnach fast zwei Drittel der Befragten für das richtige Förderinstrument. Auf die Frage, ob Deutschland einen Kapazitätsmarkt zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit braucht, antwortete die Mehrheit (knapp 80 Prozent) mit Ja. Dieses Ergebnis ist insofern interessant, als dass Deutschland derzeit den Energy-only-Markt-Ansatz verfolgt.

Zum Hintergrund: Der deutsche Strommarkt ist als so genannter Energy-only-Markt (EOM) gestaltet, auf dem nur Strommengen (MWh) gehandelt werden. Kraftwerksbetreibern wird ausschließlich die tatsächliche Stromproduktion vergütet. Das Vorhalten von Kraftwerksleistung, um sie bei Bedarf zur Verfügung zu stellen (Kapazitätsmarkt), wird bislang nicht vergütet. An dieser Stelle wird klar, dass die Themen Netzausbau und mögliche Netzengpässe in den Augen der Stadtwerke weiterhin virulent sind. Ein klares Signal der kommunalen Versorger an die nächste Bundesregierung, die prüfen müsse, ob der Energy-only-Markt der richtige Ansatz ist, um Versorgungssicherheit auch langfristig sicherzustellen.

770.000

Kilometer Verteilnetze werden von kommunalen Netzbetreibern bewirtschaftet.

Klimaschutz vor Versorgungssicherheit

Bei der Frage, welches Thema die neue Bundesregierung beim Kohleausstieg priorisieren sollte, kristallisieren sich zwei zentrale Anliegen der Stadtwerke heraus: Klimaschutz (39 Prozent) und Versorgungssicherheit (33 Prozent). Bei den hochgesteckten Zielen, die Deutschland im Rahmen des Klimaschutzes verfolgt, ist dieses Ergebnis nur konsequent. Denn die Herausforderungen einer CO2-armen Stromerzeugung sind groß: In sechs Jahren wird ein essentieller CO2-freier Energieträger, die Kernkraftwerke, nicht mehr zur Verfügung stehen.

Gas baut Brücken

In diesem Zusammenhang fällt das eindeutige Votum für Gas als Brückentechnologie bei der schrittweisen Dekarbonisierung wenig überraschend aus. Mehr als 90 Prozent der Befragten stimmen dem stärkeren Einsatz von Gaskraftwerken im Rahmen der Energiewende zu. Gaskraftwerke gleichen Stromschwankungen bei erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne aus, da sie flexibel regelbar sind. Der Energieträger Gas wird auch in Zukunft ein zentraler Faktor im Wärmemarkt bleiben – gerade um kurzfristig CO2-Einsparungen realisieren zu können.

Die Ergebnisse zeigen: Die wichtigen energiepolitischen Debatten werden sich auch zukünftig um Themen wie Investitionssicherheit, Kosteneffizienz, Steuern und Umlagen drehen. In letzter Konsequenz wird es darum gehen müssen, pragmatische Lösungen zu finden, wie die heute noch anfallenden vielen Tonnen an CO2 künftig eingespart werden können.

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19. September 2017
Zusammengefasst

»Bei der Frage, welches Thema die neue Bundesregierung beim Kohleausstieg priorisieren sollte, kristallisieren sich zwei zentrale Anliegen der Stadtwerke heraus: Klimaschutz und Versorgungssicherheit. «

Die Umfrageergebnisse zeigen: Die wichtigen energiepolitischen Debatten werden sich auch zukünftig um Themen wie Investitionssicherheit, Kosteneffizienz, Steuern und Umlagen drehen. In letzter Konsequenz wird es darum gehen müssen, pragmatische Lösungen zu finden, wie die heute noch anfallenden vielen Tonnen an CO2 künftig eingespart werden können.

Michael Salcher Head of Energy & Natural Resources
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