US-Steuerreform: Tax sells

USA: Tax sells

Deutsche Unternehmen lieben momentan die USA. Verkennen sie die Lage?

Keyfacts über GABO

  • 100 % der deutschen Unternehmen in den USA rechnen mit Wachstum
  • 25 % planen ihre Kapazitäten auszubauen
  • 11 % setzen auf Übernahmen und Zukäufe, deutlich mehr als zuletzt
Zusammenfassung lesen

Sie ist durch, die US-Steuerreform. So gut wie, zumindest. Die Zweifel waren lange Zeit groß, ob US-Präsident Donald Trump sein Wahlversprechen würde umsetzen können. Doch nun ist fest damit zu rechnen, dass die finale Version noch vor Weihnachten von Trump unterschrieben wird. Die USA, ohnehin im Weltwettbewerbsranking des World Economic Forums auf Platz 2, werden für Unternehmen noch attraktiver.

Der Optimismus könnte schon jetzt größer nicht sein. 100 Prozent der von uns befragten deutschen Unternehmen in den USA gehen davon aus, im kommenden Jahr zu wachsen. Eine Zahl, die aufhorchen lässt.

Probleme bei der Visabeschaffung

Dabei stoßen sie auch auf Probleme, wie der German American Business Outlook zeigt. Allen voran der Fachkräftemangel wird kritisch bewertet. 87 Prozent der Unternehmen haben mindestens gelegentlich Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden, mehr als die Hälfte sogar sehr oft bis ständig. Der Effekt dürfte sich nur verstärken. Der zusätzliche Stimulus durch die Steuerreform wird angesichts der bereits niedrigen Arbeitslosigkeit zu höheren Löhnen führen. Schließlich ist das ja auch ein wesentlicher Punkt, woran seine Wähler Trump messen werden.

Verschärft wird die Situation durch die restriktive Visavergabe. Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Befragten gab an, dass es unter der jetzigen Regierung komplizierter geworden sei, Fachkräfte aus dem Ausland anzustellen. Lediglich zwei Prozent sahen leichte Verbesserungen.

Freihandel adé?

Das deutet bereits auf die große Gefahr hin, die bislang weitestgehend ignoriert wird: Protektionismus. Es war eines der zentralen Anliegen von Donald Trump, die Handelsbeziehungen „fairer“ zu gestalten. Anzunehmen, dass er sich von diesem Ziel verabschiedet hat, wäre naiv.  Aus dem transpazifischen Handelsabkommen (TPP) haben sich die USA verabschiedet, das transatlantische (TTIP) verharrt in einer Art Dornröschenschlaf, wobei fraglich ist, wann und ob es jemals wachgeküsst wird.

Besonderen Anlass zu Besorgnis geben die Nachverhandlungen zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (Nafta). Dass der in die Jahre gekommene Pakt überholt wird, ist prinzipiell löblich. Allerdings fahren die USA eine so harte Linie, dass ein Nafta-Austritt eingeleitet durch Donald Trump keine Überraschung mehr wäre. Zumal er den Austritt wiederholt gefordert hat.

Nicht auf Protektionismus vorbereitet

Auch die Steuerreform kommt weniger unschuldig daher, als es scheint. Keineswegs geht es nur um Feinheiten, die zwischen den Gesetzesversionen des Repräsentantenhauses und des Senats austariert werden müssen. Mit der Importsteuer, für die sich das House aussprach, würden sich die Handelsbedingungen für Unternehmen aus dem Ausland wesentlich verschlechtern.

Ich will die Gefahr gar nicht herbeireden. Zweifellos sind die USA ein spannender Markt. Aber Grund für grenzenlosen Optimismus gibt es nicht. Die beschriebenen Risiken müssen wieder in die Kalkulation einbezogen werden. Genau das scheint angesichts der 100-prozentigen Wachstumserwartung nicht der Fall zu sein.

15. Dezember 2017
Zusammengefasst

»Besonderen Anlass zu Besorgnis geben die Nachverhandlungen zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (Nafta). Dass der in die Jahre gekommene Pakt überholt wird, ist prinzipiell löblich. Allerdings fahren die USA eine so harte Linie, dass ein Nafta-Austritt eingeleitet durch Donald Trump keine Überraschung mehr wäre. «

Die USA sind kurz davor, die größte Steuerreform seit mehreren Jahrzehnten umzusetzen. Die deutschen Unternehmen in Amerika sind in Jubellaune. Die Gefahr ist, dass sie dabei viele Risiken übersehen.

Andreas Glunz Bereichsvorstand International Business
Ganzen Artikel lesen

Kommentare

Was meinen Sie?

*Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

Das könnte Sie auch interessieren

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist. Schließen