Automotive Captives: Wandel oder Crash

Automotive Captives: Wandel oder Crash

Die Branche weiß: Sie steht vor einem Umbruch. Doch Handlungsbedarf sieht sie nicht.

Keyfacts über Automotive Captives

  • Automotive Captives stehen unter Druck
  • Automotive Captives verlieren ihre Kunden
  • Automotive Captives müssen sich ändern
Zusammenfassung lesen Studie herunterladen

Das Geschäft der Automotive Captives läuft gut. Die OEM-eigenen Finanzierer von Fahrzeugkäufern und Leasingnutzern fahren seit langem beachtliche Margen ein. Aber wie sieht der Markt künftig aus? Und wie gut sind die Captives auf die Entwicklung eingestellt? Das untersucht die Global Captive Finance Study 2017 von KPMG. Die zentrale Erkenntnis daraus lautet: Es herrscht enormer Transformationsdruck.

Der Wettbewerb wird härter

Das Geschäftsmodell der Captives ist lukrativ. Und zwar so sehr, dass viele Player mitmischen wollen. „Welche Art von Automotive Finance hat einen erheblichen Anteil an Ihrem lokalen Markt?“ Diese Frage wurde über 100 Top-Führungskräften aus der Sparte Auto Captives gestellt. Die Hälfte der Befragten nannte Consumer- und Retail-Banken als stärkste Konkurrenten, dicht gefolgt von Captives anderer Fahrzeughersteller (48 Prozent). Auch Fuhrpark-Management-Betriebe (39 Prozent), Leasing-Anbieter (38 Prozent) und Fintechs (24 Prozent) werden als wichtige Player wahrgenommen. In Zukunft wird sich das Rennen um die Gunst der Kunden noch verschärfen. Davon sind praktisch alle Teilnehmer an der Studie überzeugt. 95 Prozent rechnen mit weiteren, neuen Wettbewerbern.

Kunden wollen Mobilität und Online-Plattformen

Gemeinsam agieren sie auf einem Feld, das sich stark verändert. Als treibende Kräfte gelten vor allem die Digitalisierung und das Kundenverhalten. Davon sind jeweils 49 Prozent der Befragten überzeugt. Beide Faktoren sind eng miteinander verknüpft und werden das Konsumverhalten erheblich beeinflussen. Ulrich Bergmann, KPMG-Partner, Financial Services, beschreibt es so: „Statt am Besitz eines eigenen Autos sind die Verbraucher künftig an Mobilität interessiert.“ Und damit zum Beispiel an Car Sharing. Über passende Angeboten erkundigen sich die Kunden künftig in erster Linie per Internet. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Umfrageteilnehmer erwartet, dass in fünf Jahren neue Mobilitäts- und Digital-Dienste 40 Prozent von ihrem Umsatz ausmachen. Mit drastischen Folgen: Insgesamt 79 Prozent halten bis dahin eine Transformation ihres Geschäftsmodells für wahrscheinlich beziehungsweise sehr wahrscheinlich.

Die alten Customer Touchpoints schwinden

Noch leben die Captives von jenen Konsumenten, die in die Autohäuser ihrer Muttermarken kommen und dort Fahrzeuge erwerben oder leasen. Doch das passiert immer seltener. Bergmann: „Bevor heute ein Kunde eine Kaufentscheidung fällt, geht er im Schnitt einmal zum Händler. Vor vier Jahren tat er das noch viermal.“ Stattdessen informieren sich die Verbraucher immer öfter online. Damit bricht den Captives der klassische Kontakt zum Kunden weg. Darauf müssen sie reagieren. Nicht nur technisch mit geeigneten Internet-Plattformen für mehr Customer Touchpoints. Auch andere grundlegende Weichen sind zu stellen. Die Hälfte (49 Prozent) der Teilnehmer ist sich sicher, dass sie in den kommenden fünf Jahren neue Strategien und Produkte braucht. Und weitere 46 Prozent halten das für sehr wahrscheinlich.

79

Prozent der Captives erwarten eine Disruption ihres Geschäftsmodells binnen der nächsten fünf Jahre.

Ulrich Bergmann sieht hier zwei mögliche, alternative Geschäftsmodelle für die Zukunft der Automotive Captives: „Entweder wandeln sie sich zu reinen Fuhrpark-Managern, bieten zusätzlich Mobilitätsdienste an oder beides.“ Alle drei Varianten setzen im Idealfall voraus, dass die Finanzierer ihre Kundendaten mit den fahrzeugbezogenen Informationen (Connected Cars) ihrer Mutterunternehmen kombinieren und daraus für sich und ihre Klientel Nutzen ziehen.

Wandel ja, neue IT-Architektur nein

Den Captives ist klar, dass ihnen eine durchgreifende, nicht zuletzt technische Umwälzung bevorstehen. Doch dazu will eine andere ihrer Aussage nicht passen: Nahezu alle (94 Prozent) halten ihre IT-Architektur für effizient und wirkungsvoll. Sie erkennen also mehrheitlich keinen Handlungsbedarf, um sich auf die neuen Spielregeln einzustellen. Für Bergmann ist das eine „Überraschung“.  Denn aktuell, so heißt es in der Studie, sind die Systeme der Finanzierer überwiegend veraltet, heterogen und nicht geeignet, um zukünftige Kundenwünsche, wie komfortable Online-Plattformen mit hoher Angebotstransparenz, zu erfüllen. „Hier müssten die Captives quasi in der Champions League sein. Tatsächlich spielen sie IT-seitig in der Regionalliga. “, sagt Bergmann.

Regulatorik und Compliance – teure Spannungsfelder

Übrigens: Unabhängig von der Wahl des Geschäftsmodells und der sich daraus ergebenden neuen IT-Architektur herrscht für Captives noch von anderer Seite Transformationsdruck. Stärkerer Verbraucherschutz und bürokratisch anspruchsvolles Aufsichtsrecht machen hohe Investitionen hinsichtlich Regulatorik und Compliance notwendig. Mehr als die Hälfte (60 Prozent) der Finanzierer erwartet, dass sie bis zu 40 Prozent ihres Budgets für solche Projekte ausgeben müssen. Da bleibt nicht mehr viel Geld für den dringenden Wandel übrig. Damit stecken die Captives in einem Zwiespalt. „Denn wer sich nicht transformiert, der fährt bald gegen die Wand.“, sagt Ulrich Bergmann.

Sie wollen mehr erfahren über die Situation der Automotive Captives? Zur aktuellen Studie geht es hier.

Global Captive Finance Survey 2017

Wir haben 100 Top-Manager von Automobilfinanzierern zur Lage am Markt und zu ihren Erwartungen befragt. In unserer Studie ordnen wir die Ergebnisse ein.

Studie herunterladen
19. Oktober 2017
Zusammengefasst

»Wandeln sich die Captives nicht, dann fahren sie gegen die Wand.«

Noch geht es der Branche gut. Doch die Global Captive Finance Study 2017 belegt, dass das nicht mehr lange so bleibt. Das Autohaus verliert als Touchpoint an Bedeutung. Stattdessen buchen Kunden Finanzierung, Leasing und reine Mobilität immer häufiger per Internet. Damit der Kontakt zum Verbraucher nicht abbricht, brauchen Captives Online-Plattformen und neue Geschäftsmodelle. Aber Handlungsbedarf für neue IT-Architekturen sehen sie nicht. Das könnte zum Crash führen.

Ulrich Bergmann Partner, Audit
Ganzen Artikel lesen

Kommentare

Warum halten die Captives trotz Transformationsdrucks an alter IT fest?

*Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

Das könnte Sie auch interessieren

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist. Schließen