Blockchain statt versichern?

Blockchain statt versichern?

Was die Branche mit der neuen Technologie anstellen wird.

Keyfacts über Blockchain

  • Die Blockchain ist sicher, transparent und schnell.
  • Mit der Technologie lassen sich Peer-to-Peer Versicherungsmodelle verwirklichen.
  • Anwendungsbeispiele von InsurTechs und etablierten Versicherungsunternehmen.
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Die Blockchain-Technologie begeistert, dabei ist das Potential noch gar nicht komplett ausgeschöpft. Viele Branchen erhoffen sich einen Quantensprung von der neuen Technologie – auch die Versicherer.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Blockchain?

Blockchains sind dezentrale Online-Datenbanken, welche als Ketten bzw. Netzwerke angelegt sind. Es handelt sich um eine Verkettung von Informationsblöcken von Datenbanken. Die darin enthaltenen digitalen Informationen haben einen individuellen Fingerabdruck, den sogenannten Hash. Dieser kann ausgelesen werden.

In einer Blockchain enthält jeder Block nicht nur seinen eigenen Hash, sondern auch den Hash des vorherigen Blocks, sodass sich eine Kette bildet, die nicht einfach durchbrochen werden kann. Da Inhalte aus einem Block immer auch in allen folgenden Blocks gespeichert sind, kann nicht einfach ein Teil der Kette unabhängig vom Rest geändert werden, ohne das Gesamtsystem zu beschädigen, was die Manipulation von Daten erheblich erschwert. Die vollständig automatisierte Abwicklung garantiert eine Informationsübertragung ohne Verzögerung. Kurz: Das System vereint Sicherheit und Schnelligkeit.

Welche Möglichkeiten bietet die Blockchain den Versicherern?

Wie können Versicherer die Blockchain nutzen? Wie können Versicherer konkret Vorteile aus Blockchain nutzen? Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig.

Smart Contracts:
Blockchain kann in der Entwicklung von Peer-to-Peer Versicherungsmodellen unterstützen. Die Blockchain verwaltet in diesem Anwendungsbeispiel alle Verträge, Prämieneinzahlungen und Leistungsauszahlungen. Eine relativ anschauliche Anwendung sind sogenannte „smart contract“-Modelle.

Solche smarten Verträge enthalten sich selbstausführende Protokolle, die mit Blockchain arbeiten. Mithilfe der smart contracts ist es daher möglich, vom Versicherungsvertragsabschluss bis zur Leistungsauszahlung alle Geschäftsvorfälle vollautomatisch abzubilden. Die relevanten Vertragsdaten sind allen Parteien verfügbar.

KPMG New Life App:

Ein sinnvolles Anwendungsgebiet solcher Verträge sind Peer-to-Peer Versicherungsmodelle. Wir haben uns selbst mit diesem Ansatz auseinandergesetzt und an einer smarten Peer-to-Peer Berufsunfähigkeits-Versicherung gearbeitet – die „KPMG New Life“. Der Eintritt in das Kollektiv erfolgt über die Bestätigung durch fünf Kollegen, die bereits dem Kollektiv angehören. Prämien werden automatisch und für alle transparent monatlich von den Mitgliedern eingezogen. Sobald dies geschehen ist, erhält der Mitarbeiter automatisch eine Police. Im Schadensfall kann der Versicherungsnehmer Leistungen in Anspruch nehmen, indem er ein Foto der Krankenbescheinigung per App hoch lädt.

Entsprechende Zahlungen werden dann automatisch per smart contract getätigt. Leistungen werden durch die eingezahlten Prämien finanziert. Wenn diese nicht ausreichen, zahlt der Versicherer, der als Rückversicherer hinter dem Produkt steht.
Peer-to-Peer Versicherungen ermöglichen vollautomatisierte und kostengünstige Geschäftsmodelle, da neben der Gebühr für den Rückversicherungsschutz nur eine weitere geringe Gebühr für die Nutzung der Blockchain in den Prämien enthalten ist.
Die Kostenstruktur macht das Produkt gerade für die Generation Y interessant. Digital Natives haben in der Regel kein Interesse an einer Beratung vor Ort oder manueller Prozesse und wollen durch ihre Prämienzahlungen auch nicht daran beteiligt werden.

Reiseversicherungen:
Das Start-up InsurETH bietet smarte Flugreiseversicherungen über Ethereum, eine Blockchain-Plattform, an. Bei Verzögerungen oder dem Ausfall eines Flugs wird dem Versicherungsnehmer automatisch ein Schadensersatz ausgezahlt. Das Start-up nutzt hierfür verifizierte Flugdaten, um Schadensfälle zu registrieren und automatisch Zahlungen zu tätigen.

Cat Bonds:
Die Allianz hat in einem Pilotprojekt die Anwendung von smart contracts auf Cat Bonds erfolgreich getestet. Cat Bonds sind Wertpapiere, bei denen Investoren das Risiko einer Naturkatastrophe übernehmen.

Durch die Blockchain-Technologie können Zahlungsprozesse zwischen Investoren und Versicherungsunternehmen vollautomatisch initiiert und getätigt werden.

Rückversicherung:
AEGON, Allianz, Munich Re, Swiss Re und Zurich gründeten im Oktober 2016 die Blockchain-Initiative B3i, die die Optimierung des Datenaustauschs zwischen Erst- und Rückversicherern mithilfe der Blockchain-Technologie untersuchen soll. Im Rahmen eines „proof of concept“ wird die Durchführbarkeit in einem Pilotprojekt getestet. Im Juni 2017 wird B3i erste Ergebnisse veröffentlichen.

Zusammenfassung:
Mit der neuen Blockchain-Technologie lassen sich Peer-to-Peer Versicherungsmodelle verwirklichen. Blockchains sind dezentrale Datenbanken, deren Informationen nicht unbemerkt verändert werden können. Alle Teilnehmer haben die völlige und gleichberechtigte Transparenz über die Daten. In der Finanzbranche öffnet dies neue Türen für InsurTechs und Versicherungsunternehmen.

Ausblick:
Die Anwendungsbeispiele zeigen, dass es sich um eine ernstzunehmende Entwicklung in der Versicherungsbranche handelt. Die Entwicklung steht derzeit sicherlich noch am Anfang und der Ausmaß und die Vielfältigkeit der Anwendungsgebiete bleibt mit Spannung abzuwarten.

19. Juni 2017
Zusammengefasst

»Blockchain kann in der Entwicklung von Peer-to-Peer Versicherungsmodellen unterstützen. «

Die Blockchain wird oft in Verbindung mit Bitcoin und Co. genannt. Sie ist aber auch für viele andere Branchen interessant. Versicherungen haben sich bereits erste Anwendungen überlegt.

Markus Heyen Partner, Financial Services
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Kommentare

Verhilft die Blockchain den Versicherern zu mehr Transparenz?

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