Die geheimen Pläne der neuen Logistiker

Geheime Pläne der neuen Logistiker

Diese 5 Eigenschaften machen die neuen Logistiker so extrem gefährlich

Keyfacts über Logistik

  • Die globale Logistikstrategie von Amazon erreicht eine neue Dimension.
  • Wir beobachten rund zwanzig Start-ups, die den Markt der Transportunternehmen angreifen
  • Diese 5 Eigenschaften machen die neuen Logistiker so extrem gefährlich
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UPS und FedEx bekommen neue Konkurrenz: Amazon soll für das Programm „Amazon Flex“ Fahrer angeworben haben. Das passt ins Bild: Der Tech-Riese spricht von sich selbst inzwischen als Transportdienstleister.

Die vielleicht aufregendste Nachricht seit einiger Zeit: Amazon zieht es in Erwägung, seinen eigenen globalen Logistikdienst unter dem Namen „Global Supply Chain by Amazon“ einzuführen. Damit erreicht die Logistikstrategie des Internetgiganten eine neue Dimension.

So hat das Blog von Flexport kürzlich berichtet, dass Amazon China bereits erfolgreich eine Lizenz als Seefrachtversender beantragt hat. Bereits am Anfang des Jahres erwarb Amazon die französische Paketzustellfirma Colis Prive.

Bloomberg liegt ein Strategiepapier vor, in dem der Online-Händler seine Ambitionen skizziert, wie es das Transport- und Logistik-Geschäft klassischer Speditionen und Logistiker wie UPS, FedEx, Kuehne + Nagel oder DHL Schritt für Schritt selbst in den Hand nehmen will.

14 Mrd.

US-Dollar betrugen die Investitionen in Start-Ups im vergangenen Jahr. Das sind rund 180 Prozent mehr als im Vorjahr.

Amazon hat verstanden, dass die weltweite Logistik das wichtigste Puzzlestück sein wird, um das bisherige Kerngeschäft weiter zu stärken. Eine Ausweitung auf Drittkunden ist dann nur der nächste logische Schritt.

Kunden wollen auch Güter aus Indien oder China ordern. Bisher jedoch steckt der globale Online-Handel in den Kinderschuhen. Schafft es ein Unternehmen jetzt, ein hocheffizientes Logistiknetzwerk aufzubauen, wird es langfristig einen deutlichen Kostenvorteil vor der Konkurrenz ziehen können.

Zoll- und sonstige Formalitäten will Amazon ebenso abwickeln. Die Waren sollen entweder in Amazons reguläres Vertriebsnetz eingespeist oder direkt an heimische Besteller ausgeliefert werden.
Auch in Deutschland will Amazon einen eigenen Paketzustelldienst aufbauen. Durch eine eigene Fahrerflotte kann Amazon seine milliardenschwere Logistikrechnung deutlich senken – und die Kontrolle über die Auslieferungen verbessern.

Amazon ist kein Einzelfall.

Wir beobachten derzeit rund zwanzig Start-ups, die den Markt der etablierten Transport- und Logistikunternehmen sowohl im B2C – letzte Meile Logistik – als auch im B2B-Speditionsgeschäft aktiv angreifen.
Diese 5 Eigenschaften machen die neuen Logistiker so extrem gefährlich:

1. Sie konzentrieren sich auf die Kundenschnittstelle.

Alle Start-ups haben gemeinsam, dass sie dem Endkunden die direkte Steuerung der Transportwege ohne dazwischen geschalteten Logistiker ermöglichen. Den großen Transport- und Logistikunternehmen droht wiederum der Verlust ihres wichtigsten Assets: der Kundenschnittstelle.

2. Sie verknüpfen technologische Fähigkeiten mit Agilität.

Die zwei wichtigsten Wettbewerbsvorteile, die die Tech-Riesen wie Amazon oder Google im Vergleich zu herkömmlichen Logistikunternehmen haben: Ihre technologischen Fähigkeiten und ihre innovative Agilität. Beides Eigenschaften, die einer Reihe von Logistikunternehmen derzeit fehlen.

3. Sie greifen im Bereich E-Commerce an.

Hierunter fallen zum einen neue, agile Geschäftsmodelle, die ähnlich wie Uber und Lyft über plattformbasierte Crowdmodelle Lösungen zur Zustellung von Onlinebestellungen anbieten.
Sie konzentrieren sich fast ausschließlich auf die Koordination der Prozesse über Plattformen zum direkten Austausch von Besteller und Zusteller. Eigene Assets besitzen sie nicht. Beispiele hierfür sind Postmates, Shyp oder Deliv.

4. Sie treiben Investitionen in die Höhe.

Im vergangenen Jahr explodierten die Investitionen in Start-ups und stiegen auf circa 14 Milliarden US-Dollar. Das sind rund 180 Prozent mehr als im Vorjahr.
Dazu gehören Investitionen im Bereich Passagiertransport wie Uber und Lyft. Über ihr Geschäftsmodell der Crowdlogistics drängen sie zunehmend in die angestammten Märkte der großen Transport-Unternehmen.
Daneben betreten bereits einige Start-ups im Logistik- und Speditionsmarkt die Bildfläche. Auch hier liegen die Investitionen rund 85 Prozent über dem Durchschnitt der vier Jahre davor.

5. Sie machen vor dem B2B-Bereich nicht Halt.

Auch im B2B-Bereich etablieren sich neue Marktteilnehmer und bedrohen das Geschäftsmodell der großen Freight Forwarder.
Während die internationalen Speditionen oft noch analoge Prozesse für das Aushandeln von Frachtpreisen benutzen, schalten sich die Start-ups mit ihren digitalen Plattform-Lösungen direkt zwischen den Verlader und den Carrier. Zu den vielversprechenden Akteuren gehören Freightos, Flexport oder cargomatic.
Hier können Sie den aktuellen Transport Tracker herunterladen.

15. März 2016
Zusammengefasst

»Kunden wollen auch Güter aus Indien oder China ordern. Schafft es ein Unternehmen jetzt, ein hocheffizientes Logistiknetzwerk aufzubauen, wird es langfristig einen deutlichen Kostenvorteil vor der Konkurrenz ziehen können.«

Nicht nur Amazon hat verstanden, dass die weltweite Logistik das wichtigste Puzzlestück sein wird, um das bisherige Kerngeschäft weiter zu stärken. Diese 5 Eigenschaften machen die neuen Logistiker so extrem gefährlich: 1. Sie konzentrieren sich auf die Kundenschnittstelle. 2. Sie verknüpfen technologische Fähigkeiten mit Agilität. 3. Sie greifen im Bereich E-Commerce an. 4. Sie treiben Investitionen in die Höhe. 5. Sie machen vor dem B2B-Bereich nicht Halt.

Steffen Wagner Partner, Head of Transport & Leisure
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