Fertigungsindustrie: Der Kunde mag es individuell

Der Kunde mag es individuell

Digitalisierung ermöglicht immer schnellere Produktionszyklen

Keyfacts über Fertigungsindustrie

  • Digitalisierung ermöglicht Flexibilisierung der Produktionsabläufe
  • Knowhow-Transfer durch Integration von Kunden und Entwicklungspartnern
  • Modularisierung des Geschäftsmodells gestattet Anpassung einzelner Elemente
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20. März 2017

Die Digitalisierung verändert unseren Alltag – privat, und auch das wirtschaftliche Umfeld, in dem wir agieren. Viele Unternehmen stehen vor grundlegenden Veränderungen in der Wertschöpfungskette, ihren Betriebsmodellen und Abläufen. Die Fertigungsindustrie ist hiervon besonders betroffen, denn sie steht in erster Linie, was die sich verändernden Kundenbedürfnisse betrifft. Die vierte industrielle Revolution und die Digitalisierung industrieller Prozesse greifen in dieser Branche besonders schnell und tief. Die Unternehmen der Fertigungsindustrie müssen die zukünftigen Veränderungen im Angebots- und Nachfrageverhalten ebenso berücksichtigen wie technologische Innovationen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, die Erwartungen der Gesellschafter oder Investoren zu erfüllen und um ihre Position beim Kunden immer wieder neu zu sichern. Der Kundenwunsch muss dabei klar im Fokus stehen – und der wird immer individueller.

Neue Wege der Wertschöpfung

Aber wie gelingt es Unternehmen, den Kundenwunsch in der Fertigung zu verankern? Möglich ist dies nur mit einer konstanten Flexibilisierung der Produktionsabläufe in der Fertigungsindustrie. Auch sollte die Integration aller Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette in die eigene Projektentwicklung vorangetrieben werden. Durch die Integration von Kunden, Zulieferern und Entwicklungspartnern in die Produktentwicklung erlangen Fertigungsunternehmen wichtiges Know-how. Das stärkere Einbinden von Partnern in den Entwicklungsprozess ermöglicht einen Abgleich von Kundendaten und Anwenderwissen mit dem eigenen Produkt- und Dienstleistungsportfolio. Durch eine frühzeitige Integration von Innovationen – basierend auf dem Know-how der Partner – in die eigenen Produkte können echte Kundenmehrwert- und Lock-in-Effekte erzielt werden.

80 %

der Fertigungsunternehmen sehen in der Digitalisierung den Schlüssel zu individuelleren Produkten

Für Hersteller ohne direkten Kundenkontakt kann das Eingehen von Produktpartnerschaften zudem einen komfortablen Zugang zum Endkunden ermöglichen. Allianzen bieten Fertigungsunternehmen so die Möglichkeit, sich aus der Masse der Hersteller hervorzuheben. Bei der Rückwärtsintegration spielt der Aspekt der Übertragung von Wertschöpfungsanteilen auf den Zulieferer eine zunehmende Rolle. In der deutschen Automobilindustrie sind zum Beispiel die Zulieferer bereits heute für einen Großteil der Wertschöpfung eines Fahrzeugs verantwortlich.

Der Kunde steht im Fokus

Fast alle Automobilhersteller bieten ihren Kunden an, ihr Auto selbst zu konfigurieren. Auch Gabelstapler, Landmaschinen und weitere Produkte des Fahrzeugbaus werden je nach Kundenwunsch angepasst. Diese Unternehmen mit Serienfertigung nutzen Produktkonfiguratoren, um die vorgehaltenen und kombinierbaren Varianten zu visualisieren. Im Anlagen- und Sondermaschinenbau werden verstärkt Auftragskonfiguratoren eingesetzt, um die Angebots- und Auftragsbearbeitung zu steuern. Für die industrielle Produktion als Ausrüster und Zulieferer bedeutet dies, mehr Varianten in kleineren Losgrößen jederzeit flexibel liefern zu können. Individuelle Lösungen werden zum Standard, traditionelle Produktionsprozesse können dies oft nicht leisten. Die Digitalisierung eröffnet die Möglichkeit, durch Änderung der Liefer- und Produktionsprozesse individuelle Lösungen sowie neue Dienstleistungen anzubieten. Dafür ist es essenziell, den Kunden zu verstehen – durch die Auswertung von Verhaltens- und Anwendungsdaten. Die Individualisierung geht einher mit der Steigerung der Produktvarianten. Das macht die Produktionsprozesse komplexer und noch stärker abhängig von grundlegendem Wissen und Know-how der Mitarbeiter über die Struktur und Interaktion der eingesetzten Systeme.

Möglichkeit der Differenzierung steigt

Zerlegt man das Geschäftsmodell in seine Bestandteile und definiert Schnittstellen, dann ermöglicht die daraus resultierende Modularisierung, einzelne Elemente anzupassen oder zu ersetzen. Auch sind die Prozesse für alle Beteiligten im Unternehmen so besser nachzuvollziehen. Flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können, also agil zu sein, wird zukünftig ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal in der Fertigungsbranche. Ausschlaggebend hierfür sind nicht zuletzt die Daten über die eigene Produktion: Wer diese Daten besitzt und analysiert, versteht, wie das eigene Unternehmen funktioniert. Ein gutes Datenmanagement bildet also die Grundlage für eine flexible Produktion.

Innovationen bestimmen die Kernprozesse von Fertigungsunternehmen. Dafür müssen Technologien beherrscht und passende Kernkompetenzen im Unternehmen aufgebaut werden. Individuelle Kundenwünsche bringen eine kontinuierliche Anpassung der Fertigungskapazitäten und die Verkürzung der Produktinnovationszyklen mit sich. Ändern sich die Bedürfnisse der Endkunden, ändern sich auch die Anforderungen an die Fertigungsindustrie. Veränderung ist nicht mehr die Ausnahme – sie wird zur Regel.

Weitere interessante Aspekte des digitalen Wandels in der Fertigungsindustrie finden sich auch in unserer aktuellen Studie: Zeit zum mutigen Handeln

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Zusammengefasst

»Die Digitalisierung eröffnet die Möglichkeit individuelle Produkte und Lösungen zu liefern sowie durch die Anpassung von Geschäftsmodellen neue Dienstleistungen anzubieten. Dafür ist es essenziell, den Kunden und seine Bedürfnisse zu verstehen – durch die Auswertung von Verhaltens- und Anwendungsdaten.«

Die vierte industrielle Revolution und die Digitalisierung industrieller Prozesse greifen in der Fertigungsindustrie besonders schnell und tief. Die Unternehmen müssen gesellschaftliche und technologische Veränderungen berücksichtigen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, die Erwartungen der Gesellschafter oder Investoren zu erfüllen und um ihre Position beim Kunden immer wieder neu zu sichern.

Harald von Heynitz Partner, Head of Industrial Manufacturing Audit
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Kommentare

Wird der Individualisierungstrend in der Fertigungsindustrie anhalten?

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