Medienstudie: Keine Angst vor Start-ups?

Keine Angst vor Start-ups?

Wenn die deutschen Medienunternehmen ihre Innovationskraft da bloß nicht überschätzen.

Keyfacts über Medienstudie

  • Für das "Innovationsspektrum Medien" haben wir 108 Medienunternehmer befragt
  • Die Studie enthält drei Fallbeispiele
  • ... und zeigt, wie deutsche Medienunternehmen Ideen entwickeln und umsetzen
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Die Medienbranche ist wohl die, in der Start-ups einen bestehenden Markt am kräftigsten umgekrempelt haben. YouTube schuf neue Sehgewohnheiten, Spotify ein neue Art des Musikhörens und Online-Nachrichtenportale wie The Huffington Post und Vice News definierten modernen Journalismus mit.

Dennoch konnten sich viele der „Platzhirsche“ behaupten, auch wenn sie teilweise an Marktanteilen einbüßten. Der Druck, den Kunden mit Neuem zu begeistern, ist den Medienmachern selbst bewusst. Nahezu jeder zweite Top-Manager der Branche (49 Prozent) sagte uns, dass die Kunden regelmäßig neue Produkte und Angebote von ihnen erwarten würden. Nur 15 Prozent stimmen der Aussage nicht zu.

Dass die verbliebenen etablierten Unternehmen die bisherigen Veränderungen am Markt überstanden haben, scheint ihnen zu suggerieren, Start-ups seien für sie keine Gefahr. Laut unserer Studie „Innovationsspektrum Medien“ fühlen sich nur zwölf Prozent der von uns befragten deutschen Medienunternehmer von den Neukonkurrenten bedroht. Weil sie auf ihre eigene Innovationskraft vertrauen oder nicht an den Erfolg der Start-ups glauben.

An der falschen Stelle gespart

Unser Eindruck aber ist, dass sie sich dabei überschätzen. Das Potenzial und der Wille ist zwar meist da, häufig aber mangelt es an den üblichen Verdächtigen: Budget, Zeit, Personal. Aber wer sich diese Ressourcen nicht gönnt, wird bald keine mehr brauchen. Dafür ist der Markt zu dynamisch.

Um neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen, fehlen oft allerdings auch die geeigneten Strukturen. Wie es anders geht, zeigen drei Fälle beispielhaft:

  • Das ZDF hat mit ZDFneo gewissermaßen ein eigenes Start-up geschaffen, das relativ frei agieren kann. Die Plattform dient als Testfeld für neue Formate.
  • The Huffington Post Deutschland nutzt den Ideenreichtum aller Mitarbeiter und belohnt sie dafür auch. Erfolg ist auch eine Frage des Anreizes.
  • Der Landwirtschaftsverlag Münster sammelt, bewertet und priorisiert neue Ideen monatlich. Anhand eines Leitfragenkatalogs werden diese dann umgesetzt.

Raus aus dem Klein-Klein

Innovationen sollten nicht verstanden werden als technische Spielereien oder kosmetische Veränderungen wie beispielsweise die Einführung einer neuen Software, Farbe oder Schriftart. Es geht darum, Prozesse zu überdenken, neue Vertriebswege auszuprobieren und sich in neue Geschäftsfelder vorwagen. Die grundsätzliche Frage sollte lauten: Was könnten wir mit unseren Eigenschaften noch machen?

Natürlich haben es Start-ups leichter, innovativ zu sein. Sie treten unbefangen in den Markt, haben nicht die Furcht bestehende Kunden zu verlieren, Lieferanten und Abnehmer zu verprellen. Im schlimmsten Fall beginnen sie neu – ein Luxus, den sich gestandene Unternehmen nur schwer leisten können. Doch das eigentliche Hemmnis ist ein anderes: Fehlender Mut.

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26. Oktober 2017
Zusammengefasst

»Der Druck, den Kunden mit Neuem zu begeistern, ist den Medienmachern selbst bewusst. Nahezu jeder zweite Top-Manager der Branche (49 Prozent) sagte uns, dass die Kunden regelmäßig neue Produkte und Angebote von ihnen erwarten würden.«

Die Innovationsdruck in der Medienbranche ist immens, wie unsere Studie "Innovationsspektrum Medien" belegt. Was besonders überrascht: Nur ein kleiner Teil der 108 befragten Medienunternehmer nimmt Start-ups als ernsthafte Bedrohung wahr.

Markus Kreher Partner, Head of Finance Advisory
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