Reale und virtuelle Welt verschmelzen

Reale und virtuelle Welt verschmelzen

Die zunehmende Vernetzung zum Internet der Dinge hat auch Schattenseiten

Keyfacts über Zukunftsforschung

  • Vernetzung von Alltagsgegenständen
  • Erschließung neuer Stromquellen
  • Sicherheitsstandards überdenken
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08. Dezember 2014

Langsam verschmilzt die reale mit der virtuellen Welt. Es wird das Leben der Menschen vereinfachen, aber auch ein paar neue Herausforderungen schaffen. Was jetzt noch ungewohnt klingt, wird schon bald Realität sein. Das Internet der Dinge nimmt immer mehr Gestalt an.

Heute sind weltweit bereits 14 Milliarden Geräte mit dem Netz verbunden. Glaubt man den Prognosen, werden im Jahr 2020 zwischen 50 und 212 Milliarden intelligente Elektrogeräte des Alltags ans Internet der Dinge angeschlossen.

Zum Beispiel im Smart Home, in dem die Waschmaschine den Verschmutzungsgrad der Wäsche selbst bestimmt und automatisch dann wäscht, wenn der Strompreis am günstigsten ist. Oder im Büro der Zukunft, das an biometrischen Daten wie Statur und Körperwärme erkennt, wer den Raum betritt und danach die Höhe des Schreibtischs einstellt und die Beleuchtung anpasst. Bis hin zur Medizin, wenn eine Tablette mit einem Diagnosechip geschluckt wird, der die Ergebnisse direkt an den Arzt sendet.

In der vernetzten Welt wird ein Auto so ausgestattet sein, dass jedes Bauteil kontinuierlich Daten über den eigenen Zustand sammelt und anzeigt, wenn es ausgetauscht werden muss. Das Bauteil funkt den Hersteller an, der die Fertigung in Auftrag gibt und die Informationen übermittelt, wohin das gute Stück geliefert werden soll. Den Termin in der Werkstatt macht das Auto für seinen Besitzer direkt aus, wenn der Besitzer das Ersatzteil nicht selbst zu Hause im 3-D-Drucker herstellen kann.

Virtuelle Sinneseindrücke

Wer will, kann beim Spaziergang durch den Wald auch den Geruch aufnehmen, der dann beim Ansehen der Bilder ausströmt. Beim Geschmack ist es ähnlich. Wer wissen will, wie ein Gericht schmeckt, bevor er es kocht, leckt die Elektroden am Bildschirm ab. Sie simulieren den Geschmack. Auch das Fühlen kommt ohne Anfassen aus. Es reicht ein Handschuh, der mithilfe von Elektroden ein gefühlsechtes Erlebnis simuliert.

Viele Geräte werden mit festen Einstellungen und Profilen versehen sein, denn nicht jeder will sich in die Tiefen jedes Geräts einarbeiten. Man muss das Haus nicht mehr verlassen, sondern kann alles in der virtuellen Welt erleben: Reisen, Gespräche, Gefühle. Nur Nahrung muss man noch aufnehmen, aber vielleicht ändert sich das auch bald.

Allerdings hat diese Vernetzung auch ihre Schattenseiten, wie etwa Internetsucht. Jeder zweite Job, heißt es in so mancher Prognose, wird durch die technische Entwicklung substituiert werden. Auf der anderen Seite sagen andere Prognosen, dass wir jeden zweiten Job, den es im Jahr 2030 geben wird, heute noch gar nicht kennen.

2.5 Mio.€

werden im Jahr 2020 an Umsatz mit dem Internet der Dinge erwartet.

Konsequenzen für die Umwelt

Einige Erfindungen werden die Umwelt schonen, wie zum Beispiel die virtuelle Wohnungsbesichtigung. Die internationale Energieagentur (IAE) warnt trotzdem bereits heute vor den negativen Seiten der Entwicklung. Zwei Drittel des Stroms, den vernetzte Geräte im Jahr 2013 verbrauchten, seien im Stand-by-Modus verschwendet worden. In den kommenden zehn Jahren könnte sich diese Zahl noch verdoppeln. Den Verlust schätzt die Behörde schon heute auf knapp über 60 Milliarden Euro.

Natürlich wird auch hier die Entwicklung weitergehen. Menschen werden durch Bewegung Strom erzeugen, Autos Energie abgeben, während sie in der Garage stehen. Jeder wird mit Energie handeln. Doch es wird wichtig sein, dass die Menschen ein Bewusstsein dafür entwickeln, wo dieser Strom herkommt. Die IAE fordert, dass Geräte im Stand-by-Modus nicht mehr als ein Watt verbrauchen dürfen.

Sicherheit muss verbessert werden

Für die Hacker dieser Welt sind vernetzte Geräte ein riesiges Spielfeld. Über die Software verschaffen sie sich Kontrolle darüber. Die Hersteller machen es den Angreifern oft noch sehr leicht. Chinesischen Studenten ist es gelungen, auf die Bordelektronik eines Tesla Model S zuzugreifen. Sie hackten das System und öffneten während der Fahrt alle Türen und das Schiebedach, betätigten die Hupe und schalteten die Lampen ein.

Jede große Bewegung provoziert auch eine Gegenbewegung. Verschiedene Unternehmen arbeiten an Geräten, die Spuren verwischen. Wer mit einer Datenbrille durch die Stadt läuft, bekommt nicht mehr gemeldet, wo der nächste Laden mit seinem Lieblingsessen ist, sondern welchen Weg er nehmen muss, um von keiner öffentlichen Kamera erfasst zu werden.

Das Internet der Dinge ist nicht aufzuhalten, es werden schon bald Sachen möglich sein, die wir heute noch für Science-Fiction halten. Wie bei jeder großen Bewegung zeichnet sich schon ab: Es wird nicht alles positiv sein.

Zusammengefasst

»Jeden zweiten Job, den es im Jahr 2030 geben wird, kennen wir heute noch nicht.«

Die Vernetzung von Alltagsgegenständen zum Internet der Dinge nimmt zu. Um die Energieversorgung dessen zu sichern werden neue Möglichkeiten der Energiegewinnung ausgelotet. Zugleich mehrt sich die Ausstattung mit Sensoren, sodass Bauteile kontinuierlich Daten über den eigenen Zustand sammeln und einen Austausch anzeigen. 3-D-Druck macht es möglich, selbst zum Produzenten zu werden. Allerdings sind Hacker gut in der Lage, Software zu manipulieren – das stellt die Frage nach neuen Sicherheitsstandards.

Heiko von der Gracht Senior Manager
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Kommentare

Welche Bedeutung hat das Internet der Dinge?

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