Wen braucht Industrie 4.0?

Wen braucht Industrie 4.0?

Nach welchen Kompetenzen die vierte industrielle Revolution verlangt.

Keyfacts über Industrie 4.0

  • Industrie 4.0 ist die Kombination aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik
  • Mensch und Maschine zusammen steigern die Produktivität
  • Technologieverliebtheit allein verschenkt Potenziale
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16. März 2017

Deutschland gilt als das Land der Ingenieure. Nicht zu Unrecht: Der Anteil der industriellen Produktion an der Gesamtwirtschaft ist in Deutschland höher als in vielen anderen Staaten der EU und Nordamerikas. Der Sektor befindet sich allerdings an der Schwelle zu einem tiefgreifenden Umbruch, der vierten industriellen Revolution.

Die enorm gestiegene Leistungsfähigkeit von Rechnern und die drahtlose Vernetzung zu niedrigsten Kosten ermöglicht völlig neue Produktionsprozesse – automatisiert, flexibel, selbstdenkend. Da stellt sich die Frage: Welche Mitarbeiter braucht es für Industrie 4.0? Welche Kompetenzen sind gefragt?

Komplexe Systeme beherrschen

Die Vorstellung, dass Technologien künftig selbst über die maschinellen Produktionsprozesse entscheiden, ist nicht weit hergeholt. Denn das ist ja das langfristige Ziel der automatisierten Fabrik. Entscheidungskompetenz ist dann bei den menschlichen Mitarbeitern weniger relevant. Bis dieses Stadium erreicht wird – so es denn erreicht wird – wächst allerdings der Anspruch an die Ingenieure und Informatiker. Sie müssen die komplexen Systeme entwickeln, durchschauen und beherrschen können. Anpassungen in hochgradig vernetzten Prozessen vorzunehmen, erfordern eine ausgeprägte Intelligenz.

Sprachkenntnisse werden ebenfalls noch wichtiger, um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, den Industrie 4.0 leisten kann. Das betrifft zum einen Englisch als Lingua Franca. Zum anderen werden Programmierkenntnisse wichtiger denn je. Das Verständnis des zugrunde liegenden Codes notwendig, damit Produktionsprozesse rasch umstrukturiert und Havarien schnell behoben werden können. Dies hilft auch, um Cyberrisiken abschätzen und adressieren zu können.

Mensch und Maschine arbeiten zusammen

Industrie 4.0 ist die Kombination aus Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau. Entsprechend ist damit das nötige Fachwissen klar.

Gleichzeitig vereinfachen die neuen Technologien einige Arbeiten. Mit der Datenbrille erweitert der Mitarbeiter implizit seine kognitiven Fähigkeiten. Der Computer sagt ihm über die Datenbrille etwa, welches Teil wo gebraucht wird und der Mitarbeiter bringt es dort hin und verbaut es. Die unzuverlässige Erinnerung und Vorstellungskraft eines Menschen wird durch Computersysteme übernommen. Dafür führt der Mensch aus, was den Maschinen noch schwer fällt: Gegenstände sofort zu erkennen und unregelmäßige Bewegungen auszuführen. So werden die Vorteile der künstlichen Intelligenz mit denen des Menschen kombiniert. Zusammen steigern sie die Produktivität, weil seltener Fehler passieren und Informationen direkt verfügbar sind. Dafür braucht es allerdings auch die Fähigkeit, Anweisungen von Computern zu akzeptieren.

Mitarbeiter miteinbeziehen

Ein wesentlicher Aspekt von Industrie 4.0 ist die hohe Reaktionsgeschwindigkeit auf Kundenbedürfnisse. Wie erfahre ich aber, was der Kunde wünscht? Welche Daten bringen einen Mehrwert? Und wie sind sie zu bekommen? Wer darauf die richtigen Antworten hat, kann sich von den Wettbewerbern absetzen. Eine weitere gefragte Kernkompetenz ist daher die Beurteilung von Daten. Die Computer sammeln zwar die Daten, analysieren sie zunehmend und entwickeln daraus auch Handlungsempfehlungen. Die Datenquellen können sie allerdings nicht bestimmen.

Die Vorteile von Industrie 4.0 sind deutlich. Es hilft allerdings nichts, an den Mitarbeitern vorbeizutransformieren. Deutsche Unternehmen sind verliebt in Technologie, aber vergessen häufig den Fokus auf die Mitarbeiter zu legen. Es werden Millionen für Software ausgegeben, und am Ende nutzt der Mitarbeiter dann doch sein Excel-Sheet. Damit der Wandel zu Industrie 4.0 die versprochenen Fortschritte bringt, ist daher auch eine umfassende Analyse des Personals notwendig. So kann bestimmt werden, welche Kompetenzen nachgeschult werden können und welche dem Team neu hinzugefügt werden müssen.

Erich L. Gampenrieder diskutierte am 21. März 2017 in der KPMG-Talkshow „Klardenker live“ mit Gästen aus Wirtschaft und Medien, was Industrie 4.0 tatsächlich bedeutet. Sehe Sie hier die Aufzeichnung der Sendung.

Zusammengefasst

»Es hilft nichts, an den Mitarbeitern vorbeizutransformieren. Deutsche Unternehmen sind verliebt in Technologie, aber vergessen häufig den Fokus auf die Mitarbeiter zu legen. Es werden Millionen für Software ausgegeben, und am Ende nutzt der Mitarbeiter dann doch sein Excel-Sheet. «

Industrie 4.0 ist die Kombination aus Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau. Die enge Vernetzung der Fachgebiete erfordert hochgradig komplexdenkende Mitarbeiter. Gleichzeitig gewinnen die menschlichen Fähigkeiten an Bedeutung, die Computer und Roboter nicht beherrschen. Wo sich Mensch und Maschine gegenseitig ergänzen, steigt die Produktivität der Unternehmen deutlich.

Erich L. Gampenrieder Global Head of Operations Advisory and Global Head of Operations Center of Excellence
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Kommentare

Welche Kompetenzen sind aus Ihrer Sicht gefragt?

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