Wen braucht Industrie 4.0?

Wen braucht Industrie 4.0?

Nach welchen Kompetenzen die vierte industrielle Revolution verlangt.

Keyfacts über Industrie 4.0

  • Industrie 4.0 ist die Kombination aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik
  • Mensch und Maschine zusammen steigern die Produktivität
  • Technologieverliebtheit allein verschenkt Potenziale
Zusammenfassung lesen

Deutschland gilt als das Land der Ingenieure. Nicht zu Unrecht: Der Anteil der industriellen Produktion an der Gesamtwirtschaft ist in Deutschland höher als in vielen anderen Staaten der EU und Nordamerikas. Der Sektor befindet sich allerdings an der Schwelle zu einem tiefgreifenden Umbruch, der vierten industriellen Revolution.

Die enorm gestiegene Leistungsfähigkeit von Rechnern und die drahtlose Vernetzung zu niedrigsten Kosten ermöglicht völlig neue Produktionsprozesse – automatisiert, flexibel, selbstdenkend. Da stellt sich die Frage: Welche Mitarbeiter braucht es für Industrie 4.0? Welche Kompetenzen sind gefragt?

Komplexe Systeme beherrschen

Die Vorstellung, dass Technologien künftig selbst über die maschinellen Produktionsprozesse entscheiden, ist nicht weit hergeholt. Denn das ist ja das langfristige Ziel der automatisierten Fabrik. Entscheidungskompetenz ist dann bei den menschlichen Mitarbeitern weniger relevant. Bis dieses Stadium erreicht wird – so es denn erreicht wird – wächst allerdings der Anspruch an die Ingenieure und Informatiker. Sie müssen die komplexen Systeme entwickeln, durchschauen und beherrschen können. Anpassungen in hochgradig vernetzten Prozessen vorzunehmen, erfordern eine ausgeprägte Intelligenz.

Sprachkenntnisse werden ebenfalls noch wichtiger, um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, den Industrie 4.0 leisten kann. Das betrifft zum einen Englisch als Lingua Franca. Zum anderen werden Programmierkenntnisse wichtiger denn je. Das Verständnis des zugrunde liegenden Codes notwendig, damit Produktionsprozesse rasch umstrukturiert und Havarien schnell behoben werden können. Dies hilft auch, um Cyberrisiken abschätzen und adressieren zu können.

Mensch und Maschine arbeiten zusammen

Industrie 4.0 ist die Kombination aus Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau. Entsprechend ist damit das nötige Fachwissen klar.

Gleichzeitig vereinfachen die neuen Technologien einige Arbeiten. Mit der Datenbrille erweitert der Mitarbeiter implizit seine kognitiven Fähigkeiten. Der Computer sagt ihm über die Datenbrille etwa, welches Teil wo gebraucht wird und der Mitarbeiter bringt es dort hin und verbaut es. Die unzuverlässige Erinnerung und Vorstellungskraft eines Menschen wird durch Computersysteme übernommen. Dafür führt der Mensch aus, was den Maschinen noch schwer fällt: Gegenstände sofort zu erkennen und unregelmäßige Bewegungen auszuführen. So werden die Vorteile der künstlichen Intelligenz mit denen des Menschen kombiniert. Zusammen steigern sie die Produktivität, weil seltener Fehler passieren und Informationen direkt verfügbar sind. Dafür braucht es allerdings auch die Fähigkeit, Anweisungen von Computern zu akzeptieren.

Mitarbeiter miteinbeziehen

Ein wesentlicher Aspekt von Industrie 4.0 ist die hohe Reaktionsgeschwindigkeit auf Kundenbedürfnisse. Wie erfahre ich aber, was der Kunde wünscht? Welche Daten bringen einen Mehrwert? Und wie sind sie zu bekommen? Wer darauf die richtigen Antworten hat, kann sich von den Wettbewerbern absetzen. Eine weitere gefragte Kernkompetenz ist daher die Beurteilung von Daten. Die Computer sammeln zwar die Daten, analysieren sie zunehmend und entwickeln daraus auch Handlungsempfehlungen. Die Datenquellen können sie allerdings nicht bestimmen.

Die Vorteile von Industrie 4.0 sind deutlich. Es hilft allerdings nichts, an den Mitarbeitern vorbeizutransformieren. Deutsche Unternehmen sind verliebt in Technologie, aber vergessen häufig den Fokus auf die Mitarbeiter zu legen. Es werden Millionen für Software ausgegeben, und am Ende nutzt der Mitarbeiter dann doch sein Excel-Sheet. Damit der Wandel zu Industrie 4.0 die versprochenen Fortschritte bringt, ist daher auch eine umfassende Analyse des Personals notwendig. So kann bestimmt werden, welche Kompetenzen nachgeschult werden können und welche dem Team neu hinzugefügt werden müssen.

Erich L. Gampenrieder diskutierte am 21. März 2017 in der KPMG-Talkshow „Klardenker live“ mit Gästen aus Wirtschaft und Medien, was Industrie 4.0 tatsächlich bedeutet. Sehe Sie hier die Aufzeichnung der Sendung.

16. März 2017
Zusammengefasst

»Es hilft nichts, an den Mitarbeitern vorbeizutransformieren. Deutsche Unternehmen sind verliebt in Technologie, aber vergessen häufig den Fokus auf die Mitarbeiter zu legen. Es werden Millionen für Software ausgegeben, und am Ende nutzt der Mitarbeiter dann doch sein Excel-Sheet. «

Industrie 4.0 ist die Kombination aus Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau. Die enge Vernetzung der Fachgebiete erfordert hochgradig komplexdenkende Mitarbeiter. Gleichzeitig gewinnen die menschlichen Fähigkeiten an Bedeutung, die Computer und Roboter nicht beherrschen. Wo sich Mensch und Maschine gegenseitig ergänzen, steigt die Produktivität der Unternehmen deutlich.

Erich L. Gampenrieder Global Head of Operations Advisory and Global Head of Operations Center of Excellence
Ganzen Artikel lesen

Kommentare

Welche Kompetenzen sind aus Ihrer Sicht gefragt?

Kommentar von Susanne Kremeier
06. April 2017 | 09:43 Uhr

Über das Vor- und Querdenken hinaus geht es auch darum, Akzeptanz und Toleranz und Vielfalt einzuführen. Viele der nun benötigten Kompetenzen haben weniger mit 'hardwired technology' zu tun, sondern helfen den verschiedenen Kompetenzen dabei miteinander zu arbeiten und zu gestalten. 'Soft skills' waren lange als 'etwas für Weicheier' verschrieen, nun sind sie der dringend notwendige Klebstoff um das Miteinander zu ermöglichen. Wie können wir IOT, die Mensch-Maschine-Beziehung so designen dass sie von Allen angenehm und Angst-frei empfunden wird? Wer hat zu der Innovationskraft bezüglich Robotern und KI auch noch die Sozialverantwortung, an diejenigen zu denken, die am Rande der Gesellschaft stehen? Viele der jungen Start-ups leben uns das vor, jedoch werden sie nur wahrgenommen wenn sie der 'alten' Qualifikation entsprechen: schnell viel Erfolg zu erzielen. Viele derjenigen, die (oft auch aufgrund mangelnder Akzeptanz der Vision durch die Umwelt) scheitern, haben trotzdem sehr oft Ansätze gewählt, die es genauer zu betrachten gilt. Zu viele Elemente der heutigen Welt sind neu für uns Alle, so dass niemand mehr behaupten kann die einzig richtige Wahrheit und den einzig richtigen Weg zu kennen.

Kommentar von Klaus Dieter Probst
05. April 2017 | 11:11 Uhr

Die Kompetenzen, welche gebraucht werden sind im Markt, aber sie verursachen den Unternehmen Bauchschmerzen. Es sind die Leute, die denken, vordenken und nachdenken, es sind Leute die nicht alles wissen und trotzdem fähig sind sich Wissen anzueignen. Es sind Außenseiter, Menschen die nicht 10, 20, 30 Jahre das Gleiche machen, es sind Menschen die sich stets selbst verändern. Es sind Überlebenskünstler, die Aussteiger, die Vielschichtigen und Andersdenkenden, oft auch mit technischem Hintergrund, aber eben mehr. Ich denke Sie werden gebraucht und zwar schon gestern, erst recht heute, denn morgen ist es zu spät. Wie ich den Laden (Land, Industrie, etc.) kenne, folgt er seinem alten Reflex. Zum Beispiel wie bei ISO 9000, hat Jahrte gedauert und war kaum anzusehen. Es waren keine Organisatoren am Werk, sondern alle Anderen. Es werden diesmal wieder Vorgaben und Vorschriften und unzureichende Auszuführende. Nicht wirklich was Neues, leider all zu viel Altes. Neu verpackt.

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist. Schließen