WEF 2019: Partizipation statt Isolation

Für viele Herausforderungen sind gemeinsame globale Lösungen nötig

Keyfacts

  • Stimmung der Teilnehmer ist in diesem Jahr zurückhaltender als in den Vorjahren.
  • Der Klimawandel kann nur mit einer globalen Lösung bekämpft werden.
  • Hemmschwellen bei der digitalen Transformation sollten durch Unternehmen und Politik abgebaut werden.
Christian Sailer
  • Head of Audit, Mitglied des Vorstands
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Es wird monatelang vorbereitet und vergeht dann doch wie im Flug: das World Economic Forum, kurz WEF, in Davos. Während der Schweizer Skiort sich nach Abreise der ranghohen Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft wieder dem entschleunigten Leben als Rückzugsort für Schneeliebhaber widmet, kehren die Teilnehmer des WEF mit einer langen Aufgabenliste zurück. Denn was bleibt vom Forum, ist die Gewissheit, dass es viel zu tun gibt –, und dass die Zeit drängt.

Relevanz des Forums steigt

Mit Trump, May und Macron fehlten drei wichtige Staatsvertreter beim diesjährigen Gipfel und es gab vorab viele Diskussionen, ob das WEF dadurch an Relevanz verliert. Meiner Meinung nach ist das Gegenteil der Fall: Ihre Abwesenheit untermauert vielmehr die große Bedeutung des jährlichen Treffens.

Globale Lösungen nur möglich durch Transparenz und ein kommunikatives Miteinander

Denn schaut man genauer hin, weshalb die Staatsvertreter fehlten, wird schnell klar: Alle drei Nationen haben in der Zeit rund um die Tagung mit innerpolitischen Konflikten zu kämpfen, sei es der Shutdown in Amerika, der Brexit in Großbritannien oder die „Gelbwesten-Proteste“ in Frankreich.

Innerpolitische Konflikte, deren Auswirkungen man über die nationalen Grenzen hinweg spürt und die das Ergebnis von Populismus, Protektionismus und Klimawandel sind. Genau diese Themen standen unter dem Motto Globalisierung 4.0. auf der diesjährigen Agenda des WEF. Umso wichtiger ist es also – ob mit Staatschefs oder ohne – zusammenzukommen, in den persönlichen Austausch zu gehen und gemeinsam an globalen Lösungen für ebendiese Konflikte zu arbeiten, damit wir in Zukunft wieder alle an einem Tisch sitzen können. Das ist für mich Davos.

Der Klimawandel muss als globales Problem verstanden werden

Ein Thema dominierte vor Ort die Gespräche: der Klimawandel – ein Paradebeispiel einer Herausforderung, für die ausschließlich globale Lösungen zum Erfolg führen können. Denn der menschengemachte Klimawandel hat schon jetzt immense Auswirkungen auf unsere Arbeits– und Lebensweisen.

Lösungen für den Klimawandel im Alleingang zu finden, ist nicht möglich. Das Bewusstsein für einen nachhaltigen Konsum muss in allen Gesellschaftsschichten und vor allem länderübergreifend entwickelt werden. Der Einzelverbraucher kann nicht viel bewirken, wenn Industrie und Politik nicht vorangehen und ein einzelnes Land kann sich noch so sehr strecken. Wenn die Nachbarländer sich nicht mit gleicher Willenskraft für eine nachhaltige Gesellschaft einsetzen, wird es keinen Erfolg haben.

Nachhaltigkeitsprüfung von Unternehmen wird immer wichtiger

Auch Unternehmen können zu einer nachhaltigeren Gesellschaft beitragen und sich gleichzeitig einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Denn bei Investoren und Kunden gewinnen Angaben zur Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung: Nahezu alle DAX 30-Unternehmen lassen ihre Nachhaltigkeitsinformationen mittlerweile prüfen.

Analoges Netzwerken für eine digitale Zukunft

Doch nicht nur der Klimawandel hat Einfluss darauf, wie wir arbeiten und leben: Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt beim analogen Zusammentreffen in der Schweiz war die digitale Transformation.

KI im Bereich der Wirtschaftsprüfung nimmt zu

Auch sie verändert unter anderem durch künstliche Intelligenz schon jetzt unser Leben. Ich merke das bei meiner tagtäglichen Arbeit als Wirtschaftsprüfer: KI spielt in meinem Berufsalltag eine immer wichtigere Rolle und erleichtert viele Prozesse. Im Rahmen einer Abschlussprüfung kann KI beispielsweise bei Textanalysen unterstützen.

Um alle Vorteile der Digitalisierung auszuschöpfen und die weiterhin verbreitete Skepsis ihr gegenüber zu verringern, gilt es, jeden Einzelnen auf die zunehmende Digitalisierung vorzubereiten und länderübergreifende Regeln und Gesetze für die Anwendungsgebiete von KI zu formulieren.

Teilnehmer in Davos: Der vorsichtige Beobachter

Handelskriege, Nationalismus, Klimawandel und Digitalisierung: Unsere drängendsten globalen Herausforderungen haben es in sich. Die Stimmung in Davos war dementsprechend eher beobachtend und zurückhaltend als überschwänglich: Viele Variablen im globalen Geschehen sind derzeit einfach zu unsicher, um sich gelassen zurückzulehnen. Das spiegelt sich auch in der aktuellen Weltwirtschaftsprognose wider: Das Risiko eines stärkeren Rückgangs des weltweiten Wachstums ist gestiegen.

Mit Optimismus und Mut in die Zukunft schauen

Dennoch ist es wichtig, optimistisch zu bleiben. Wenn wir uns bewusst machen, was der Wirtschaftsstandort Deutschland in der Vergangenheit in der Lage war zu leisten, bin ich mir sicher, dass wir die anstehenden Aufgaben erfolgreich meistern.

Somit hat mir das diesjährige Treffen in Davos Mut gemacht. Denn es zeigt: Wir ignorieren unsere Herausforderungen nicht, sondern wir versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden, die unsere Zukunft sichern. Diese Lösungen werden nicht einfach umzusetzen sein, aber das hindert uns nicht daran, sie anzugehen und zwar mit gemeinsamer Kraft über Ländergrenzen hinweg.

Christian Sailer
  • Head of Audit, Mitglied des Vorstands
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