Pflegekräfte leiden zunehmend unter dem Burnout-Syndrom

Pflegekräfte leiden unter Burnout

Arbeitgeber müssen hohe Ausfallkosten und personelle Engpässe stemmen

Keyfacts über Burnout

  • Ein Drittel aller Pflegekräfte ist Burnout-gefährdet
  • Deutschland liegt im Pflegebereich im europäischen Vergleich weit hinten
  • Pflegenotstand verschärft sich durch demografischen Wandel
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29. Juli 2014

Es sind alarmierende Zahlen: Pflegekräfte liegen bei den Fehltagen aufgrund von Burnout ganz vorne. Kranken- und Altenpfleger fühlen sich von den steigenden Anforderungen ihres Berufs zunehmend überfordert.

Burnout ist ein inzwischen anerkanntes Problem. Es trifft sehr viele Mitarbeiter im Pflegebereich, besonders in der Intensivpflege. Knapp ein Drittel des deutschen Pflegepersonals ist Burnout-gefährdet. Das recherchierte die ZEIT.

Jeder von uns hat den Wunsch, im Krankenhaus oder Pflegeheim gut versorgt zu werden. Ich frage mich, wie wir den Bedürfnissen der Patienten gerecht werden können, ohne die psychische Gesundheit der Pflegekräfte zu ruinieren.

Je intensiver die Pflege, desto höher das Risiko.

An der Substanz der Pfleger zehren die dünne Personaldecke, Zeitmangel im Alltag und emotional belastende Situationen. Im Schichtsystem arbeiten Pflegekräfte rund um die Uhr. Überstunden sind in vielen Einrichtungen keine Ausnahme, sondern pure Notwendigkeit. Erholung und das Privatleben bleiben auf der Strecke, der Beruf nimmt das gesamte Leben ein.

Was Burnout für die Betroffenen bedeutet

Burnout meint einen stressreichen Zustand, in dem sich die Betroffenen beruflich und/oder privat stark überlastet fühlen. Eine reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit, emotionale Erschöpfung und Zynismus sind wesentliche Burnout-Komponenten.

Psychosomatische Probleme wie Spannungskopfschmerz, Herz-Kreislaufbeschwerden und Schlafstörungen, aber auch psychische Störungen wie Depressionen zählen zu dem großen Spektrum an Symptomen. Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch kann ebenfalls vorkommen.

Bis heute ist Burnout keine feststehende Diagnose, die man nach den Standardklassifikationswerken der Medizin (ICD-10) oder Psychologie (DSM-V) klassifizieren kann.

Arbeitgeber müssen aufgrund der Burnout-Symptome ihres Pflegepersonals hohe Ausfallkosten und personelle Engpässe stemmen.

Während in Deutschland abhängig Beschäftigte durchschnittlich 12 Tage im Jahr krank sind, fallen Menschen in Pflegeberufen im Schnitt 19 Tage aus. Bei Altenpflegerinnen kommen sogar mehr als 25 Tage pro Jahr zusammen. Das ergab der Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse von 2012.

19

Tage fallen Menschen in Pflegeberufen durchschnittlich pro Jahr wegen Krankheit aus.

Am Ende leiden auch die Patienten unter dem Stress des Pflegepersonals

Wer sich ausgebrannt fühlt, kann seinen Mitmenschen gegenüber weniger Empathie zeigen. Pfleger und Krankenschwestern mit Burnout-Symptomen neigen dazu, pflegebedürftige Menschen gar nicht mehr als Individuen, sondern als Problemfall zu sehen. Im Extremfall führt dies sogar zur Aggression gegen Patienten.

Der Pflegeschlüssel ist ein wichtiger Indikator für Qualität. Hier besteht für unsere Kliniken noch Nachholbedarf.

Schon 2011 hat die internationale Pflegestudie RN4Cast (Registered Nurse Forecasting) ergeben, dass Deutschland im europäischen Vergleich auf einem der hintersten Ränge liegt.

Einsparungen beim Pflegepersonal bringen zwar auf den ersten Blick einen finanziellen Vorteil. Letztlich wirken sie sich aber nicht nur negativ auf das Patientenwohl aus, sondern verursachen auch langfristige Folgekosten durch Erkrankungen des übrigen Pflegepersonals.

Inzwischen weichen viele Pflegefachkräfte dem Stress aus und gehen in Nachbarländer wie die Niederlande oder die Schweiz.

Dort werden sie besser bezahlt und fühlen sich mehr wertgeschätzt. Das verschärft die Situation zusätzlich. Denn der Pflegenotstand wird sich aufgrund des demografischen Wandels weiter verschärfen. Bis zu 500.000 dringend benötigte Stellen für Pflegefachkräfte könnten 2030 in Deutschland unbesetzt bleiben, wenn Gesundheitswirtschaft und Politik nicht gegensteuern.

Ich bin überzeugt davon, dass Kliniken und Pflegeeinrichtungen trotz knapper Finanzlage viel tun können, um Burnout beim Personal zu vermeiden.

Eine bessere Ablauforganisation und die Reduzierung von Bürokratie und Dokumentation auf ein Minimum sind nur ein Baustein, um den Arbeitsalltag zu erleichtern.

Am wichtigsten ist es aber, den Mitarbeitern Wertschätzung entgegenzubringen und ein offenes Ohr für ihre Probleme zu haben.

Vorgesetzte und Mitarbeiter sollten durch Anti-Burnout-Coachings und Seminare geschult werden, um Alarmsignale zu erkennen und die Belegschaft für den hektischen Takt des Arbeitsalltags zu wappnen. Wenn Gesundheitseinrichtungen frühzeitig gegenzusteuern, sinken die Krankenstände – und die Zufriedenheit des Pflegepersonals kommt letztlich der Patientensicherheit zugute.

Zusammengefasst

»Pfleger und Krankenschwestern mit Burnout-Symptomen neigen dazu, pflegebedürftige Menschen gar nicht mehr als Individuen, sondern als Problemfall zu sehen. Im Extremfall führt dies sogar zur Aggression gegen Patienten. «

Knapp ein Drittel des deutschen Pflegepersonals ist Burnout-gefährdet. An der Substanz der Pfleger zehren die dünne Personaldecke, Zeitmangel im Alltag und emotional belastende Situationen. Im Schichtsystem arbeiten Pflegekräfte rund um die Uhr. Überstunden sind in vielen Einrichtungen keine Ausnahme, sondern pure Notwendigkeit. Erholung und das Privatleben bleiben auf der Strecke, der Beruf nimmt das gesamte Leben ein. Gesundheitseinrichtungen müssen dringend gegensteuern.

Prof. Dr. Volker Penter Head of Health Care
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Kommentare

Wie kann die Gesundheitsbranche Burnout-Erkrankungen beim Pflegepersonal vorbeugen?

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