PRECOBS: Mit neuer Super-Software gegen Einbrecher

Super-Software gegen Einbrecher

Big Data-Lösungen wie „Precobs“ erzielen in der Verbrechensbekämpfung beachtliche Erfolge

Keyfacts über Cyber Security

  • Behörden kämpfen mit Datenflut
  • Generalstaatsanwälte schlagen Alarm
  • „Precobs“ weist beachtliche Erfolge auf
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Die Polizei will Einbrüche in Zukunft per Software vorhersagen und verhindern. Die Technik erinnert an das Szenario aus „Minority Report“ mit Tom Cruise. Allerdings fehlen schon heute Ressourcen, um die Datenflut zu bewältigen.

Die Münchner Polizei geht auf Verbrecherjagd – per Algorithmus. Mit dem Pre Crime Observation System „Precobs“ versucht sie, einbruchsgefährdete Objekte zu identifizieren. Entsprechende Maßnahmen, zum Beispiel intensivierte Polizeistreifen, sollen die prognostizierte Tat verhindern.

Im Film liefern drei hellseherisch begabte Menschen der Polizei Täter, Tatort und Tat. Der Täter wurde festgenommen, bevor er seine Tat vollenden konnte. Im echten Leben geht es weniger spektakulär zu. Hier geht es nicht um Mord und Totschlag, sondern um Einbruchsdiebstahl, denn dadurch beeinträchtigt sich stark das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen. Ihre Bekämpfung hat deshalb bei vielen Polizeipräsidenten Priorität.

Die „Precobs“-Software des Instituts für musterbasiert Prognosetechnik sagt den Tatort der Zukunft voraus. Dafür braucht es eine solide und umfangreiche Datenbasis. In Zürich ist durch „Precobs“ die Zahl der Einbrüche um dreißig Prozent zurückgegangen, die Verhaftungsquote hat sich verdoppelt. Nordrhein-Westfalen möchte „Precobs“ ebenfalls einsetzen, auch Berlin denkt darüber nach.

Moderne Technik kann unser Leben bei gezieltem Einsatz sicherer machen. Das zeigt auch der Einsatz der DNA-Analyse. Datenschützer haben „Precobs“ erfreulicherweise als unbedenklich eingestuft.

Die Datenflut ist problematisch

Steigende Fallzahlen im Bereich Cybercrime und Wirtschaftskriminalität, sowie die Vernetzung im persönlichen und wirtschaftlichen Umfeld, erweisen sich als Kehrseite der „Big Data“-Medaille. Nahezu keine Ermittlung mehr, in der nicht Mobilfunkdaten, Datenträger und E-Mails ausgewertet oder IP-Adressen ermittelt werden müssen. Dies betrifft fast alle Ermittlungsbereiche. So analysieren die Ermittlungsbehörden die Daten von Mobilfunkmasten zur Standortbestimmung eines Mobiltelefons bei Kapitaldelikten.

Die Datenmasse setzt die technischen und personellen Ressourcen schwer unter Druck. Veraltete oder nicht vorhandene IT-Technik behindern die Ermittlungen zusätzlich. Wartezeiten bis zu sechs Monaten sind die Regel.

30 %

weniger Einbrüche konnten in Zürich verzeichnet werden dank Precobs.

Die Generalstaatsanwälte schlagen Alarm

Wie brisant und dringend diese Thematik von den Behörden eingeschätzt wird, lässt eine Meldung des MDR erahnen, dem ein internes Papier über ein Treffen der Generalstaatsanwälte in Görlitz vorliegt. Von Beweismengen, die ins Unermessliche steigen und geplatzten Gerichtsverfahren ist in dem internen Papier die Rede. Auch von Staatsanwälten, die nicht mehr alle sichergestellten Datenträger auswerten lassen und in Kauf nehmen, dass Beweise unentdeckt bleiben.

Abhilfe könnten externe Gutachter schaffen. Das ist allerdings nicht in allen Ermittlungen möglich: So ist die Weitergabe von Datenträgern mit kinderpornografischen Inhalten an externe Gutachter auch Staatsanwälten untersagt. Sie würden sich wegen Verbreitung von Kinderpornografie strafbar machen.

Die Ermittlungsbehörden reagieren bereits

Das Land Bayern stellt direkt IT-Spezialisten ein und bildet diese innerhalb von zwei Jahren zu Cybercops aus. Tätig werden diese danach ausschließlich als Cyber-Fahnder und IT-Forensiker.
Inwiefern die Ermittlungsbehörden den rar gesäten IT-Spezialisten attraktive Karriere- und Entwicklungschancen wie in der Wirtschaft bieten können, wird sich zeigen. Dennoch ist dieser Ansatz richtig. Ohne Spezialwissen und entsprechende technische Ausstattung ist die Datenflut kaum bewältigen.

Die Einstellung und Ausbildung qualifizierten Personals ist aufwendig, vor allem wenn IT-Spezialisten in der Wirtschaft beste Karrierechancen haben. Interne Umsetzungen werden dieses Problem nicht lösen. Die Thematik ist zu komplex, als dass sie von Ermittlern aus anderen Deliktsbereichen übernommen werden kann.

Auch bei der Hard- und Software können sich die Behörden nicht mehr allein auf Free-Ware, Open Source-Lösungen und veraltete Technik verlassen. Zu dynamisch sind die Entwicklungen im Bereich IT und digitale Vernetzung.

Kurzfristig und bei besonders umfangreichen Datenmengen ist der Einsatz von externen IT-Forensikern durchaus zulässig. Auch wir haben die Ermittlungsbehörden in der Vergangenheit in der Weiterbildung und der Auswertung großer Datenbestände unterstützt. Der fachliche Dialog kann konstruktiv Probleme lösen und hilft so bei der Aufklärung von Straftaten.

02. März 2015
Zusammengefasst

»Die Behörden können sich nicht mehr allein auf Free-Ware, Open Source-Lösungen und veraltete Technik verlassen.«

Die Polizei will Einbrüche in Zukunft per Software vorhersagen und verhindern, allerdings fehlen schon heute Ressourcen, um die Datenflut zu bewältigen.  Die Masse der Daten und veraltete oder nicht vorhandene IT-Technik behindern die Ermittlungen zusätzlich. Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr sind normal. Externe Gutachter könnten aushelfen, jedoch erschwert die Gesetzeslage deren Einsatz. Auch ist die Wirtschaft für qualifizierte IT-Experten nach wie vor der beliebteste Arbeitgeber. Der Dialog beider Seiten wäre die Lösung.

Alexander Geschonneck Partner, Forensic
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Kommentare

Gehen durch den Einsatz von Big-Data-Software Erfahrungswerte verloren?

Kommentar von Alexander Geschonneck
10. März 2015 | 11:06 Uhr

Es ist in der Tat so, dass in der Praxis einige Staatsanwaltschaften diese Tätigkeiten an externe Dienstleister geben, um der Datenflut in akzeptabler Zeit überhaupt Herr zu werden. Auch wenn hierdurch im Sinne der Strafverfolgung agiert wird, muss dies differenziert betrachtet werden und eine breitflächige Auslagerung an externe Dienstleister kann nicht die Lösung des Ressourcenproblems der Strafverfolgungsbehörden sein.

Kommentar von Richard
06. März 2015 | 10:06 Uhr

Das ist allerdings nicht in allen Ermittlungen möglich: So ist die Weitergabe von Datenträgern mit kinderpornografischen Inhalten an externe Gutachter auch Staatsanwälten untersagt. Sie würden sich wegen Verbreitung von Kinderpornografie strafbar machen. Da Sie ja durchaus Kontakt zu Ermittlungbehörden haben, frage ich mich, ob Sie sich auf konkrete Staatsanwaltschaften beziehen, die diese Auffassung vertreten. Ich halte das für rechtlich nicht zutreffend, und faktisch ist die Beauftragung privater Gutachter durch Behörden in KiPo-Fällen an der Tagesordnung. Zudem muss dem Angeklagten eine effektive Verteidigung auch mit Hilfe eigener Gutachter ermöglicht werden, denen schwerlich ein „bereinigtes“ Image o.ä. überlassen werden kann.

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