Profitsteigerung ja, aber nachhaltig

Familienunternehmen setzen nicht so stark wie in den Vorjahren auf Ertragssteigerungen

Keyfacts

  • Die Grundstimmung in familiengeführten Firmen ist grundsätzlich gut.
  • In der Wirtschaft ist die Stimmung aber derzeit eher gedrückt.
  • Das ist einer von zwei Gründen, warum für viele das Ziel der Profitabilitätssteigerung in den Hintergrund rückt.
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Marcus Schüller
  • Partner, Advisory, Head of Operations Consulting
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Wenn man Familienunternehmer nach ihren Erwartungen für die Zukunft befragt, sind sie äußerst positiv. Das, was da kommen mag, macht ihnen keine Angst. Dies ist eines der Kernergebnisse des „European Family Business Barometer“ (EFB), für das mehr als 1500 Unternehmen in Europa befragt worden sind. Eine andere Schlüsselaussage: Profitabilitätssteigerung wird nur noch von 44 Prozent der befragten Unternehmer als oberste unternehmerische Priorität genannt. Vor einem Jahr waren es noch fast 20 Prozent mehr.

Firmenpolitik und nachhaltige Produktivitätssteigerung

Die Familienunternehmen blicken also zuversichtlich in die Zukunft, legen den Fokus aber nicht so stark wie in den Jahren zuvor auf Profitabilitätssteigerung. Was sich zunächst wie ein Widerspruch anhören mag, ist in meinen Augen keiner. Es ist vielmehr Ergebnis einer grundsoliden Firmenpolitik und einer nachhaltigen Produktivitätssteigerung. Ich sehe vor allem zwei Gründe, warum bei vielen Familienunternehmern das Thema Ertragssteigerung etwas in den Hintergrund gerückt ist.

Negative Stimmung in der Wirtschaft drückt die Erwartungen

Familienunternehmer mögen zwar optimistisch auf die kommenden Monate blicken. Doch derzeit macht sich in vielen Bereichen der Wirtschaft ein eher negativ gefärbtes Stimmungsbild breit. Der Ifo-Geschäftsklimaindex vom Dezember zeigt, dass in deutschen Unternehmen die Sorgen wachsen. Seit August 2018 wird die Geschäftslage monatlich schlechter beurteilt, auch die Erwartungen haben sich seitdem Monat für Monat eingetrübt.

Und nicht nur in Deutschland herrscht gerade eine äußerst negative Stimmung. Auch aus den USA hört man besonders von den Automobil-Zulieferern zunehmend pessimistische Töne, die seit dem vergangenen Sommer immer lauter werden. Einige Unternehmen kalkulieren mit einem Rückgang von 20 bis 30 Prozent beim Absatz.

Diese düstere Stimmung in der Wirtschaft,die Entwicklungen in den USA, aber auch der Handelskrieg mit China und die immer noch unsichere Situation rund um den Brexit sind sicherlich Gründe dafür, dass die deutschen Familienunternehmer ihre Prioritäten nicht in der Profitabilitätssteigerung sehen. Vor einem Jahr war die Grundstimmung in der Wirtschaft deutlich optimistischer. Entsprechend haben die Familienunternehmer damals auch in der Mehrheit angegeben, einen großen Wert auf Ertragssteigerung zu legen.

Dafür, dass sich das so deutlich geändert hat, gibt es in meinen Augen noch einen zweiten Grund.

Familienunternehmen verschieben ihre Prioritäten

Der Blick in den EFB zeigt auf der einen Seite, was die Unternehmer von der Zukunft erwarten und anderseits, welche Herausforderungen sie angehen wollen. Zwei große Themen sind der Fachkräftemangel und die Digitalisierung. Deswegen werden hier strategische Investitionen getätigt, um gutes Personal zu gewinnen und Digitalstrategien umzusetzen. Wer seine Profitabilität steigern möchte, sollte auch diese Hausaufgaben machen und kluge Investitionen tätigen. Und wer Geld in die Hand nimmt, der nimmt möglicherweise auch eine zeitlich begrenzte Ertragsdelle in Kauf.

65 Prozent der befragten Familienunternehmen sehen es als größte Herausforderung das passende Fachpersonal zu finden. Das ist ein Anstieg von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies zeigt, wie sich die Prioritäten der Familienunternehmen verschoben haben und dass sie auf ein nachhaltiges Wachstum setzen. Erst wollen sie die großen Herausforderungen meistern. Und wenn sie diese Hürden genommen haben, werden sie den Fokus wieder auf Profitabilitätssteigerung richten.

Marcus Schüller
  • Partner, Advisory, Head of Operations Consulting
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7. European Family Business Barometer: Deutsche Ergebnisse

Trotz anhaltender politischer Herausforderungen: Zwei von drei deutschen Familienunternehmern blicken den kommenden zwölf Monaten positiv oder sogar sehr positiv entgegen.

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