Pünktlichkeit am Arbeitsplatz: Ein Tag für alle Zuspätkommer

Zuspätkommen stört das Arbeitsklima und hat rechtliche Konsequenzen

Keyfacts

  • Informationspflicht über Wetter und Verkehrssituation
  • Regelmäßige Unpünktlichkeit kann Abmahnung und Kündigung zur Folge haben
  • Kernarbeitszeiten gelten auch im Homeoffice
Dr. Alexander Insam
  • Partner, KPMG Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
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Sollten Sie heute nicht pünktlich auf Arbeit gewesen sein, haben Sie sich einen guten Tag ausgewählt – denn heute ist der Zuspätkommtag. Der Blogger Bastian Melnyk hat den Tag vor einigen Jahren ins Leben gerufen. Offiziell anerkannt ist dieser Tag allerdings nicht, weshalb Sie damit heute im Zweifel doch nicht entschuldigt sind. Unter welchen Umständen dürfen Sie eigentlich zu spät zur Arbeit kommen? Und was droht Ihnen im Fall einer schlechten Ausrede?

Grundsätzlich ist ein Arbeitnehmer verpflichtet, pünktlich, d.h. zur vom Arbeitgeber angegebenen Zeit, zur Arbeit zu erscheinen. Dabei ist der Arbeitnehmer vor allem dafür verantwortlich, rechtzeitig aufzustehen. Außerdem trage er auch das sogenannte Wegerisiko, betont Rechtsanwalt Dr. Alexander Insam, Partner von KPMG Rechtsanwaltschaftsgesellschaft mbH (KPMG Law). So muss sich ein Arbeitnehmer über Wetter und Verkehrssituation informieren. Längere Fahrtzeiten etwa durch Schnee, den üblichen Stau im Berufsverkehr oder Streik sind einzukalkulieren. Dr. Alexander Insam erklärt: „Sicherlich können völlig unerwartete Ereignisse, wie die Verwicklung in einen Unfall oder ein plötzliches Unwetter das verspätete Erscheinen des Arbeitnehmers entschuldigen. In entsprechenden Fällen muss der Arbeitnehmer keine arbeitsrechtlichen Sanktionen befürchten. Das Wegerisiko bleibt davon jedoch unberührt.“

Zuspätkommern droht Kündigung

Kommt der Arbeitnehmer zu spät zur Arbeit, muss er die verpasste Arbeitszeit nachholen oder mit seinen Überstunden bzw. seinem Urlaubsanspruch verrechnen. Ihm kann auch das Gehalt gekürzt werden, dem Grundsatz folgend „Keine Arbeit, kein Lohn“. Zudem hat der Arbeitgeber das Recht, einen unpünktlichen Arbeitnehmer abzumahnen. Dies muss mündlich vor Zeugen oder schriftlich passieren. Ist der Angestellte danach erneut unpünktlich, riskiert er die verhaltensbedingte Kündigung. Ob die Kündigung tatsächlich zulässig ist, hängt davon ab, warum sich der Arbeitnehmer verspätete, wie oft das vorkam und welcher Schaden dem Arbeitgeber entstanden ist. Im Streitfall muss das ein Gericht entscheiden. „In der arbeitsrechtlichen Gerichtsbarkeit ist die regelmäßige Verspätung des Arbeitnehmers als Kündigungsgrund anerkannt. Nur unter besonderen Umständen sind die Erfolgsaussichten einer Kündigungsschutzklage des Arbeitnehmers positiv. Insofern sind Arbeitnehmer gut beraten stets pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Hiervon profitiert auch das betriebliche Arbeitsklima. Notorische „Zuspätkommer“ ziehen schnell den Unmut der Kollegen auf sich und lösen damit Teamkonflikte aus“, sagt Dr. Alexander Insam.

Pünktlich im Homeoffice

Die beschriebenen Konsequenzen gelten übrigens gleichermaßen für überzogene Pausen und zu frühes Gehen. Wie aber verhält es sich im Homeoffice? „Im Homeoffice kommt es zunächst darauf an, ob überhaupt Kernarbeitszeiten vereinbart wurden. Ist dies der Fall, so kann von einer Verspätung ausgegangen werden, wenn der Arbeitnehmer während der vereinbarten Zeiten nicht an seinem Arbeitsplatz erreichbar ist. Aber auch unabhängig von vereinbarten Kernarbeitszeiten sind Verspätungen möglich, etwa wenn der Arbeitnehmer an einer vereinbarten Video- oder Telefonkonferenz nicht teilnimmt.“
Und was ist, wenn der Chef zu spät kommt? Dr. Alexander Insam: „Für angestellte Führungskräfte gilt im Grunde nichts anderes. Maßgeblich ist hier wiederum die zugrunde liegende Vereinbarung. Steht der Chef als Inhaber des Unternehmens hingegen in keinem Angestelltenverhältnis, so unterliegt die Arbeitszeit seiner freien Einteilung. Allerdings wird dieser Umstand selten dazu führen, dass der Chef erst zu später Stunde das Büro betritt. In der Regel erscheint der Chef frühzeitig, damit er den (pünktlichen) Angestellten Arbeitsanweisungen erteilen kann.“

Dr. Alexander Insam
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