Das fiese Geschäft mit gefälschten Stellenanzeigen

Im Internet tauchen gefälschte Stellenanzeigen auf. Die Betrüger sind auf Geld aus.

Keyfacts

  • Eine neue Welle von gefälschten Anzeigen schwappt durchs Internet.
  • Das Renommee von bekannten Firmen leidet unter gefälschten Stellenanzeigen.
  • Die falschen Anzeigen weisen bestimmte Merkmale auf.
Michael Sauermann
  • Partner, Compliance & Forensic
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Alles passt, die Stellenbeschreibung, das Gehalt. Diese Stellenanzeige ist ein absoluter Glücksfall. Die Firma ist in der richtigen Stadt, Homeoffice aber auch möglich. Nach wenigen Wochen dann die Ernüchterung. Die Stelle gibt es nicht und auf dem Bankkonto klafft ein großes Loch. Die Euphorie ist der Wut gewichen.

Zurzeit schwappt wieder eine Welle des sogenannten Recruiment Fraud, auch Recruitment Scam genannt, durchs Internet. Auf bekannten Stellenbörsen tauchen vermehrt Anzeigen auf, hinter denen sich kein attraktiver und gut bezahlter Job verbirgt, sondern ein abgezockter Betrüger. Vor etwas mehr als einem Jahr gab es bereits so eine Welle der Betrugsmasche. In Großbritannien und den USA sind Monate davor unzählige Bewerber hinters Licht geführt worden.

Bewerber werden aufgefordert, Geld zu überweisen

Der Betrug ist für die gefoppten Bewerber aus mehreren Gründen ärgerlich. Sie verlieren nicht nur ihre Zuversicht, sondern auch ihr Vertrauen in die Seriosität der Jobbörsen. Und sie werden meist um einen größeren Geldbetrag betrogen, wie etwa in den USA. Betrugsopfer sind dort um mehrere Tausend Dollar geprellt worden.

Die Masche läuft so: Anfangs sieht alles phantastisch aus und auch das Job-Interview verläuft vielversprechend. Doch nach dem Gespräch wird der Bewerber aufgefordert, einen größeren Betrag an den potentiellen Arbeitgeber oder eine Vermittlungsagentur zu überweisen. Entweder für eine spezielle Software oder aber für Reise- oder Visa-Kosten, die man vorschießen soll. In einigen Fällen fragen die Betrüger auch sensible Daten ab, etwa Kontoverbindungen. Die Daten werden dann verkauft oder für betrügerische Mittel genutzt.

Auf den ersten Blick sind die gefälschten Anzeigen oft nicht zu erkennen. Die Logos der inserierenden Firmen sehen täuschend echt aus, auch die Internetseiten werden nahezu perfekt gefälscht. Und es ist schwer, den Betrügern auf die Spur zu kommen. Sie sitzen oft im Ausland. So schnell die Anzeigen in der Jobbörse erscheinen, so schnell sind sie auch wieder verschwunden. Eine Nachverfolgung ist schwer möglich.

Auch Firmen leiden unter Recruitment Fraud

Die Hoffnungen Tausender Job-Suchender werden durch die gefälschten Anzeigen enttäuscht. Und das Renommee der Firmen leidet, in deren Namen die Anzeigen erscheinen. Vor allem Personalvermittler sind betroffen. Geprellte Bewerber bewerten zum Beispiel die Firma schlecht im Internet oder verbreiten ihre Enttäuschung in Foren oder den sozialen Medien. Um dieser Rufschädigung vorzubeugen sollten Firmen offensiv gegen den Recruitment Fraud vorgehen. Awareness-Kampagnen sind ein mögliches Mittel. Um Bewerber auf den Betrug mit Stellenanzeigen aufmerksam zu machen, könnten betroffene Firmen auf ihrer Homepage ein Banner mit einer Warnung schalten. Eine andere Möglichkeit ist es, einen Kriterienkatalog zu erstellen, in dem festgehalten ist, wie Anzeigen gestaltet werden sollten, um möglichen Betrug zu verhindern.

Eine verdächtige Anzeige erfüllt diese Punkte:

Die Bewerber werden aktiv angesprochen und der vermeintliche Recruiter behauptet, den Lebenslauf online gefunden zu haben.

Das Stellenprofil ist sehr allgemein gehalten und spricht Bewerber mit möglichst unterschiedlichen Qualifikationen an.

Gehalt und die Sozialleistungen sind überdurchschnittlich gut.

Sie erhalten keine direkten Kontaktdaten des Personalberaters.

Ungewöhnliche und vertrauliche Daten werden abgefragt.

Der nachfolgende Mailverkehr wirkt unseriös und unprofessionell.

Job-Interviews werden ggf. mittels Instant-Messengern durchgeführt.

Und zu guter Letzt: Sie haben ein ungutes Bauchgefühl.

Das sollten Bewerber tun, um sich gegen Betrug zu schützen:

Prüfen, ob die Anzeige auch auf der Webseite der Firma zu finden ist.

Namen von angegebenen Personalern durch einfache Internetrecherche gegenprüfen.

Kontakt mit der Personalabteilung aufnehmen.

Der Betrugsmasche mit Präventionsmaßnahmen zuvor zu kommen, ist schwierig, da der Betrug erst mit einer Anzeige auf einem Jobportal offenbar wird. Daher ist es für betroffene Firmen wichtig, mögliche Bewerber ausreichend zu sensibilisieren und sie auf die Masche aufmerksam zu machen. Eine veritable Rufschädigung kann so verhindert werden.

Michael Sauermann
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Forensische Datenanalyse

Eine aktuelle KPMG-Publikation zeigt auf, wie Unternehmen forensische Datenanalysen zur Aufdeckung von Betrugsfällen nutzen können.

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