Risikokommunikation: Bedrohungen als Chance

Warum deutsche Maschinen- und Anlagenbauer mögliche Gefahren offener darstellen sollten

Keyfacts

  • Maschinen- und Anlagenbauer kommunizieren in ihren Geschäftsberichten Risiken nur sehr eingeschränkt.
  • Dabei birgt die Darstellung von Gefahren großes Potenzial.
  • Mit offener Kommunikation können sich Unternehmen von ihren Konkurrenten abheben – und bei ihren Stakeholdern Vertrauen schaffen.
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Dr. Stefan Otremba
  • Partner, Risk & Compliance Services
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Gefahren sind kein beliebtes Thema in Geschäftsberichten. Das gilt insbesondere für deutsche Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau.

Zwar nähert sich das Reporting der Hersteller inzwischen fast durchgehend einem hohen Niveau an, wie unsere Fokusanalyse zeigt. Allerdings gehen die Berichte auf Risiken für das Geschäft nur so weit ein, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist. Darüber hinaus bleiben sie vage.

Das ist verständlich. Aber gleichzeitig verspielen die Firmen damit großes Potenzial, direkt mit ihren Stakeholdern und Geschäftspartnern zu kommunizieren – und damit Vertrauen zu schaffen.

Zu Risiken Stellung beziehen

Wer redet schon gerne über Schwächen? Für Produzenten von hochkomplexer Technik scheint es eine nicht unmittelbar einleuchtende Idee zu sein, die Risiken für die eigene Wertschöpfung intensiv im Geschäftsbericht zu diskutieren. Aber das ist zu kurz gedacht.

Denn Risiken vorauszusehen und zu managen ist heute wichtiger denn je: Die Digitalisierung wälzt die Wirtschaft um und bringt neue Gefahren wie Hacker-Angriffe mit sich. Neue Firmen drängen mit Innovationen auf den Markt. Alte Gewissheiten der Geopolitik werden auf den Kopf gestellt. Die Loyalität von Personal nimmt ab. Und gleichzeitig sind die rechtlichen Anforderungen an Unternehmen so hoch wie nie – von Datenschutz bis hin zu Regulationen zur Verhinderung von Wirtschaftskriminalität.

Diese komplexen Herausforderungen der Gegenwart verschwinden nicht, wenn man sie verschweigt. Das wissen auch Investoren und Anteilseigner. Deshalb machen sich Unternehmen, die die Risiken dieser Entwicklungen beschreiben, nicht verwundbar. Im Gegenteil: Sie zeigen, dass sie widerstandsfähig und vorbereitet sind. Und wenn sie das offen tun, dann fühlen die verschiedenen Interessengruppen sich beruhigt und wertgeschätzt. Und werden auch in Zukunft auf das Unternehmen bauen.

Die ganze Geschichte erzählen

Eine weitere verpasste Chance: Hersteller von Maschinen und Anlagen erzählen in ihrem Reporting in der Regel nicht aus ihrem Alltag. Dabei ließen sich genau hier die Stärken des Unternehmens plastisch und greifbar darstellen.

Eine Cyber-Attacke oder ein Fall von Korruption: Über solche Geschehnisse wissen Interessierte in der Regel sowieso schon Bescheid. Warum also nicht im Geschäftsbericht die ganze Geschichte erzählen – und erklären, was die Geschäftsführung unternommen hat, um solche Schäden in Zukunft zu vermeiden?

Auf diese Weise begegnen Unternehmen den eigenen Stakeholdern auf Augenhöhe. Selbst wenn die Botschaft erst einmal nur lautet: Wir arbeiten daran.

Chancen gehören in den Risikobericht

Wenn in den Geschäftsberichten von deutschen Maschinen- und Anlagenbauern von Chancen die Rede ist, dann wird die Zukunft des Unternehmens gerne in den hellsten Farben gemalt. Das ist nicht besonders überzeugend.

Unternehmen würden besser daran tun, Chancen genauso zu behandeln wie Risiken – und sie systematisch zu bewerten und zu analysieren. So können Hersteller dann zum Beispiel ihre Nachhaltigkeits-Bemühungen darstellen. Und detailliert berichten, wie sie sich damit attraktiv für Personal, Kunden und Kapitalgeber machen.

Offene Kommunikation als Alleinstellungsmerkmal

Wie sehr sich ein Unternehmen bemüht, seine Wertschöpfungsfähigkeit langfristig zu sichern – das wird am deutlichsten in der externen Risikokommunikation.

Wer hier offen kommuniziert, kann sich so von seinen Konkurrenten abheben. Diese Aussicht auf ein Alleinstellungsmerkmal sollte auch Skeptiker mit dem Thema Gefahr im Geschäftsbericht versöhnen.

Dr. Stefan Otremba
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Risikokommunikation im Maschinen- und Anlagenbau

Die deutsche Maschinen- und Anlagenbauer haben ihr Reporting als Medium zur externen Risikokommunikation in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt. Wie gut ihnen das gelungen ist, zeigt unsere Fokusanalyse „Das Unvorhersehbare managen“.

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