Cyberkriminelle: Demokratie im Visier

Cyberkriminelle: Demokratie im Visier

Welche Hacker-Angriffe auf die Bundestagswahl drohen – und welche eher nicht

Keyfacts über Bundestagswahl

  • Hackerangriffe auf die BT-Wahl sind gut möglich
  • DDoS-Attacken könnten Bekanntgabe des Wahlergebnisses verzögern
  • Wahlfälschung in Deutschland ist unwahrscheinlich
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Natürlich: Niemand kann in die Zukunft schauen. Wer aber will und mag, kann durchaus Prognosen anstellen auf der Basis dessen, was in der Vergangenheit geschehen ist. So ist – wenige Wochen im Voraus – kein besonderer Wagemut erforderlich, um Angriffe von Cyberkriminellen auf den korrekten Ablauf der anstehenden Bundestagswahl zu prognostizieren. Der Grund dafür ist klar: Regierungen, Parlamente und auch Parteien stehen schon seit längerer Zeit im Fokus von Cyberkriminellen. Und in einer immer stärker vernetzten globalen Gesellschaft ist die direkte Einflussnahme auf politische Vorgänge nicht zuletzt auch ein Mittel für opponierende Akteure, Zweifel an der parlamentarischen Demokratie als Grundwert unseres Miteinanders zu säen. Zweifel, die langfristig zu einer geringeren Teilnahme und einer daraus resultierenden geringeren Legitimität politischer Akteure und Prozesse führen würden. Klar also: Nur die Teilnahme an Wahlen kann dem entgegenwirken. Nicht so klar hingegen: Wie genau könnte so ein Angriff von Cyberkriminellen ablaufen?

Keineswegs auszuschließen ist beispielsweise ein Angriff auf das Verwaltungsnetz des Bundes selbst. So hat der Bundeswahlleiter bereits vor Monaten einen solchen Angriff für denkbar erklärt und den Aufbau entsprechender Abwehrmaßnahmen angekündigt. Unter anderem mit einem Ausbau der Infrastruktur wollen die Organisatoren eine solche Attacke abwehren. Das ist – sollte es beispielsweise zu einer DDoS-Attacke kommen – ein bewährtes Mittel, um nicht zu sehr in die Defensive zu geraten. Bei DDoS-Angriffen verknüpfen Cyberkriminelle internetfähige Geräte – und in Zeiten des Internets der Dinge gibt es davon immer mehr – um sie in koordinierten Angriffswellen letztlich sinnlose Anfragen an Server stellen zu lassen. So erreichten Hacker bei Attacken in der Vergangenheit bereits eine Angriffsstärke von 1,1 Terrabit pro Sekunde. Das Ergebnis: Die Server gehen in die Knie. Bezogen auf die anstehende Wahl würde das wohl bedeuten, dass die Öffentlichkeit die Wahlergebnisse erst wesentlich später erfahren würde als gewohnt. Mit anderen Worten: Keine belastbaren Hochrechnungen um 18 Uhr, keine Elefantenrunde mit belastbaren Zahlen am späten Abend.

BT-Wahl: Wahlfälschung in Deutschland unwahrscheinlich

Ein anderes Szenario beinhaltet einen Hackerangriff auf das Wahlsystem selbst, bei dem die Angreifer das Wahlergebnis manipulieren. So wurden beispielsweise in den vergangenen Tagen Stimmen lauter, die eben einen solchen Angriff bei der Wahl in Kenia beklagen. In dem afrikanischen Land scheinen – so die Vorwürfe – über den Account des Chefinformatikers der Wahlkommission dort gespeicherte Ergebnisse manipuliert worden zu sein. Eben dieser Chefinformatiker war jedoch vor der Wahl entführt, gefoltert und ermordet worden.

18

Uhr ist der Zeitpunkt, an dem am 24.September die Wahllokale schließen – kommen Sie also früher.

In Deutschland sind direkt gefälschte Wahlergebnisse eher unwahrscheinlich. Schließlich präsentieren die Meinungsforscher direkt um 18 Uhr ihre meist sehr belastbaren Prognosen. Sollten die kurz darauf offiziell präsentierten Zahlen zu deutlich davon abweichen, wäre die Frage der Plausibilität schnell gestellt. Eine erfolgreiche Hacker-Attacke müsste also gleichzeitig Zugriff auf alle Forschungsinstitute und das zentrale Wahlsystem selbst nehmen – ein so umfassender Angriff scheint derzeit praktisch ausgeschlossen.

Fake-News als Gefahr für die Demokratie

Bedeutend wahrscheinlicher ist hingegen ein Szenario, das direkt am Wahltag für Verwirrung sorgen würde: Stellen wir uns vor, im Laufe des Sonntages kursieren plötzlich in den sozialen Medien offiziell wirkende Mitteilungen darüber, dass die Wahllokale aufgrund der hohen Nachfrage bis 22 Uhr geöffnet hätten. Offizielle Dementis werden umgehend durch offiziell wirkende Dementis der Dementis konterkariert. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering scheint, dass durch solche gezielten Fake News allzu viele Menschen in ihrem Wahlverhalten beeinflusst werden würden – sehr wohl denkbar scheint hingegen, dass die Ordnungsmäßigkeit der Wahl als Ganzes durch solche Ereignisse anschließend in Frage gestellt werden würde. Klar ist: Fake News sind in diesen Tagen keine Besonderheit mehr, Medienkompetenz und ein genauer Blick werden immer wichtiger.

Schließlich: Ein letztes mögliches Szenario sind gezielte Veröffentlichungen exklusiver Inhalte und Informationen über den politischen Gegner. Das Ziel hier: Den Gegner schwächen und in die Defensive zwingen. Von Fake News im eigentlichen Sinn kann man hier nicht sprechen. Die geleakten Inhalte sind schließlich korrekt. So deckte beispielsweise die Enthüllungsplattform Wikileaks im vergangenen US-Wahlkampf auf, wie die Parteiführung der Demokraten im innerparteilichen Wettstreit zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders die Bemühungen des Kandidaten Sanders gezielt sabotierte. Zu den Profiteuren dieser Indiskretion gehört zweifelsfrei der heutige US-Präsident Donald Trump. Mitunter aber ist der Wahrheitsgehalt solcher Leaks auch deutlich schwerer zu ermitteln. Was bleibt, ist ein beschmutztes Image des Politikers.

Und eine saubere Weste ist in digitalisierten Wahlkämpfen wichtiger als je zuvor.

Wie das Internet der Dinge zum Sicherheitsrisiko werden kann, lesen Sie in unserer aktuellen Studie.

Sicherheit im Internet der Dinge

Auswertung einer globalen Umfrage unter Unternehmen, die sich im Themenfeld „Internet der Dinge“ bewegen.

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08. September 2017
Zusammengefasst

»Regierungen, Parlamente und auch Parteien stehen schon seit längerer Zeit im Fokus von Cyberkriminellen. Sie wollen Zweifel an der parlamentarischen Demokratie säen.«

In einer immer stärker vernetzten globalen Gesellschaft ist die direkte Einflussnahme auf politische Vorgänge ein Mittel für opponierende Akteure, Zweifel an der parlamentarischen Demokratie als Grundwert unseres Miteinanders zu säen. Welche Attacken drohen bei der anstehenden Wahl?

Michael Falk Partner, Cyber Security
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Was tun Sie gegen Fake-News und Co:?

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