FATCA: Warum sich die Bank für meine US-Steuer interessiert

Banken-Interesse für meine US-Steuer

Die Steuerverwaltung der USA kämpft gegen den grenzüberschreitenden Betrug von US-Bürgern

Keyfacts über Steuerpflicht

  • Kampf gegen grenzübergreifenden Steuerbetrug
  • Steuerbetrug auch in Deutschland Problem
  • Bankgeheimnis ist obsolet
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Wer in Deutschland ein Konto eröffnen will, wird mit Formularen überschüttet. Seit neuestem kommt eine Erklärung zur Steuerpflicht in den USA dazu. Was steckt dahinter?

Egal, ob Sie derzeit ein Konto eröffnen oder bereits Kontoinhaber sind: Ihre Bank interessiert sich nicht nur für Ihr Geld, sondern auch für jeglichen US-Bezug in Ihren Daten. Entweder Ihnen flattert in diesen Tagen Post ins Haus oder Ihr Berater fordert Sie persönlich dazu auf, eine Erklärung zur Steuerpflicht in den USA abzugeben.

Warum interessieren sich deutsche Banken für die US-Steuerpflicht ihrer Kunden?

Die Steuerverwaltung in den USA kämpft seit einigen Jahren verstärkt gegen den grenzüberschreitenden Steuerbetrug von US-Bürgern. Die Herausforderungen für die Behörde sind allerdings aufgrund der vermehrten Möglichkeiten zur Geldanlage im Ausland größer geworden.

Zwar werden US-Steuerpflichtige mit ihren weltweiten Einkünften besteuert. Sie haben in der Vergangenheit diese Einkünfte dem amerikanischen Fiskus jedoch nicht immer vollständig in ihrer Steuererklärung angegeben. Die Lücken sind groß – und das Schließen dieser, ist gewinnbringend für den amerikanischen Fiskus.

Der US-Gesetzgeber setzt auf FATCA.

Nach dem Foreign Account Tax Compliance Act oder auch FATCA sind Finanzinstitute weltweit verpflichtet, Daten in Bezug auf ihre US-steuerpflichtigen Kontoinhaber über die nationale Steuerbehörde an die US-amerikanische Finanzverwaltung (Internal Revenue Service – IRS) zu übermitteln – entweder direkt oder aufgrund eines Abkommens ihres Ansässigkeitsstaates mit den USA.

Deutsche Kreditinstitute müssen aufgrund eines solchen Abkommens jährlich die bei ihnen geführten Konten von US-steuerpflichtigen Kontoinhabern an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) melden. Dieses übermittelt sodann die Daten an den IRS.

Anhand der bereitgestellten Informationen kann die US-Steuerbehörde die gemachten Angaben ihrer Steuerschuldner prüfen – und Fälle von Steuerhinterziehung aufdecken.

13 Mrd.

Euro – so hoch schätzen Experten die Steuerhinterziehung in Deutschland.

Auch Gesellschaften oder Unternehmen werden gemeldet.

Nicht nur natürliche Personen, sondern auch Konten und Depots von bestimmten Gesellschaften und Unternehmen sind betroffen.

Sofern US-Personen unmittelbar oder mittelbar in Höhe von mindestens 25 Prozent an einer Nicht-US-Gesellschaft beteiligt sind bzw. diese beherrschen und die Erträge der Gesellschaft mehrheitlich aus Finanzanlagen stammen, gilt das Konto dieser als US-Konto.

In diesem Fall wird das Konto zuzüglich der US-Personen an den IRS gemeldet. US-Gesellschaften, die ihren Sitz oder ihre Geschäftsleitung in den USA haben, werden generell gemeldet.

Was das für die Banken bedeutet.

Die Banken arbeiten seit Monaten fieberhaft daran, die Auflagen des Gesetzgebers zu erfüllen. Kontoinhaber mit US-Bezug müssen identifiziert, Steuernummern abgefragt und Kunden angeschrieben werden – jede Menge Aufwand und Ressourcen, um die Informationen zu sammeln und zu melden.

Ähnliches gilt für Versicherungen. Auch diese müssen bestimmte Renten- und Lebensversicherungsprodukte für diesen Personenkreis melden.

In Deutschland stellt Steuerhinterziehung ebenfalls ein zunehmendes Problem dar.

Experten schätzen das Ausmaß der Steuerhinterziehung inzwischen auf 13 Milliarden Euro. Der Informationenaustausch AEOI bringt bereits Bewegung in die Steuerdebatte: Deutschland und einige andere „Early Adopters“-Staaten haben inzwischen einen dem FATCA vergleichbaren internationalen Datenaustausch zwischen den Finanzverwaltungen von mehr als 50 Staaten vereinbart.

Die teilnehmenden Länder wollen jährlich Daten über Auslandskonten ihrer Staatsbürger austauschen. Bereits ab 2016 werden Kunden bei Kontoeröffnung erklären müssen, in welchem Land sie steuerpflichtig sind. Das Bankgeheimnis hat sich damit erledigt. Die Möglichkeiten von Steuerflüchtigen zur Steuerhinterziehung werden deutlich erschwert.

07. September 2015
Zusammengefasst

»Zwar werden US-Steuerpflichtige mit ihren weltweiten Einkünften besteuert. Sie haben in der Vergangenheit diese Einkünfte dem amerikanischen Fiskus jedoch nicht immer vollständig in ihrer Steuererklärung angegeben.«

Die Steuerverwaltung in den USA kämpft seit einigen Jahren verstärkt gegen den grenzüberschreitenden Steuerbetrug von US-Bürgern. Die Herausforderungen für die Behörde sind allerdings aufgrund der vermehrten Möglichkeiten zur Geldanlage im Ausland größer geworden. Zwar werden US-Steuerpflichtige mit ihren weltweiten Einkünften besteuert. Sie haben in der Vergangenheit diese Einkünfte dem amerikanischen Fiskus jedoch nicht immer vollständig in ihrer Steuererklärung angegeben.

Frank Aussendahl Partner, Tax
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Kommentare

Warum interessieren sich deutsche Banken für die US-Steuerpflicht ihrer Kunden?

Kommentar von Adelbernd
03. Juli 2017 | 12:53 Uhr

Das ist immer das berühmte Katz und Maus Spiel. Der Steuerzahler möchte möglichst wenig zahlen und möglichst auch legal durch Steuermodelle seine Steuern bis auf null mindern. Die Finanzbehörde möchte möglichst viel, egal ob berechtigt oder nicht, an Steuern einnehmen. Da kommt es der Finanzbehörde auch zu Gute, dass viele Steuerzahler zu viel bezahlen, in dem sie keinen Steuerausgleich beantragen oder sonst viele absetzbare Möglichkeiten nicht nutzen. Oder sich schlichtweg mit der komplizierten Steuer nicht auskennen. Auch falsche Rechtsauffassungen einzelner Finanzbeamter führt oft zu erhöhter Steuer. Und nicht jeder geht dann gleich vor das Finanzgericht um sich jahrelang mit Steuererstattungen und richtiger Einstufung auseinander setzen zu können. Oder was meinen die anderen Leser dazu ??

Kommentar von Wolfgang Daubenberger
11. Mai 2017 | 06:49 Uhr

Dass der IRS seine Bürger/Firmen bis in jeden Winkel der Welt verfolgt, sollte US - Sache bleiben. Dass aber deutsche Firmen zwangsweise und mit Hilfe des deutschen Fiskus ein Stück ihrer "Privatsphäre" an eine US Behörde verlieren ist schon ein Skandal erster Güte. Zumal die Frage der informellen Auswertbarkeit solcher Firmendaten in den USA seitens der Bundesregierung zuerst hätte gestellt werden müssen. Leider scheinen die betroffenen deutschen Firmen mit diesem Datenabgleich völlig einverstanden zu sein. Oder ist es nur noch nicht in allen Konsequenzen bei uns angekommen?

Kommentar von Daniel Zwahlen
02. Mai 2017 | 10:55 Uhr

Das Schweizer Bankgeheimnis ist im 2. Weltkrieg entstanden und von vielen Nationen gutgeheissen worden. Danach erlebte die Wirtschaft einen starken Aufschwung, dass Steuerbetrug kaum jemand interessierte. Ja man war sogar daran Interessiert, dass es möglichst Unternehmen gab und wollte ihnen nicjt im Wege stehen. Nationen, welche über eine ausgeprägte und intakte Wirtschaft verfügten haben bekanntlich auch umfangreiche Gesetze und können Weltweit mitreden. Wer glaubt, dass der Kreml oder das Pentagon in diesen Boomjahren mit ehrlichen Karten gespielt hat, glaubt auch an den Wheinachtsmann. Die Globale wirtschaftliche Situation hat sich ab ca 1993 geändert. Die Privatvermögen haben astronomische Werte angenommen. Das Ziel, mithilfe der Ökonomie, nach einem Weltkrieg, ein Rechtsstaat zu werden ist erreicht. Die Geoökenomischen Ziele musste man neu bestimmen. So wurden Weltweit Kontrollorgane eingeführt, welche Steuerhinterziehung kontrooliert. Wir befinden uns ökonomisch nicht mehr in Boomzeit. Die Steuerbeträge haben eine höhe erreicht, bei dem man eine ganze Infrastruktur einer Nation finanzierek könnte. Jetzt braucht es eine “Polizei“.

Kommentar von A Kinski
02. Juli 2016 | 02:46 Uhr

Hervorragender Artikel, meine Frage ist warum es so unterscheide bei den Banken gibt, einige Banken sind da eher locker andere wiederum super aggressive wie die ING, obwohl das FATCA Konten unter $50,000 ausschließest nimmt sich die ING das Wahlrecht alle Kunden zwangsweise die Info anzugeben :( Frage mich nur was der Vorteil fur die Bank ist?

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