Kundengeschenke: Weihnachtszeit ist Bestechungszeit

Weihnachtszeit ist Bestechungszeit

Managern ist die Grenze zwischen netter Geste und korrupter Tat oft nicht klar

Keyfacts über Bestechung

  • Unwissenheit kann zu Konflikten führen
  • Keine Geschenke über höhere Summen
  • Unternehmensweiter Verhaltenskodex sinnvoll
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Kleine Bestechungen erhalten die Freundschaft. Der Spießrutenlauf um Kundengeschenke beginnt alle Jahre wieder. Doch Managern ist die Grenze zwischen netter Geste und korrupter Tat oft nicht klar.

Oh du fröhliche Geschenkezeit: Eine kleine Aufmerksamkeit vor Weihnachten gehört bei vielen zum guten Ton. Eine lokale Delikatesse wie Printen oder Lebkuchen, ein gravierter Kugelschreiber oder eine Flasche Wein – schöne Dinge zaubern dem Geschäftspartner ein Lächeln auf das Gesicht. Im Vordergrund steht der Dank. Die Kosten des Gegenstands: eher gering.

In manchen Unternehmen gilt eine Grenze von maximal 25 Euro.

Der Betrag orientiert sich am Beamtengesetz einzelner Länder. Hin und wieder findet man den Höchstbetrag von 35 Euro, die der steuerlichen Abzugsfähigkeit als Betriebsausgabe zugrunde liegt. Alles nicht richtig und nicht falsch. Einheitliche Regelungen finde ich in meiner Praxis nur selten.

Vorsicht bei Eintrittskarten, Essenseinladungen und Geldgeschenken.

Nicht immer können Mitarbeiter den tatsächlichen Wert einer Aufmerksamkeit richtig beurteilen. So fällt es einem eingefleischten Biertrinker schwer, die Kosten einer Flasche Wein richtig einzuschätzen. Ein Hobby-Sommelier erkennt dagegen einen wertvollen französischen Jahrgang, bei der die Kiste nicht unter 300 Euro zu haben ist.

Bei Eintrittskarten für ein Fußball-Endspiel, einem schicken Abendessen beim Lieblingsitaliener oder einem größeren Einkaufsgutschein kommt schnell eine höhere Summe zusammen. Ich rate entschieden ab, solche Geschenke zu machen oder diese anzunehmen – so verlockend es sein mag.

Selbst für erfahrene Arbeitsrechtler sind Weihnachtsgeschenke keine eindeutige Sache.

Ich bemerke, wie sehr sich bei Führungskräften das Bewusstsein für die Problematik schärft. Bevor ein Manager sich dem Vorwurf der bewussten Bestechung ausgeliefert sieht, nimmt er heute lieber keine Geschenke an und vergibt auch keine.

So landen Geschenke inzwischen oft in der Tombola, werden für die Weihnachtsfeier verwendet oder stehen so lange im Büro, bis ihr Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist.

Mitarbeiter und auch Führungskräfte sollten Klarheit haben, was angenommen und zugewendet werden darf.

Bestechung ist eine Straftat. Sie wird mit Freiheits- oder Geldstrafe geahndet. Das bedeutet: Vorteilsannahme und -gewährung, Bestechlichkeit und Bestechung. Der Oberbegriff Korruption wirkt etwas mehr angsteinflößend.

Was angenommen werden darf und was nicht, kann Bestandteil des Arbeitsvertrages sein. Möglich sind ebenfalls unternehmensweite Richtlinien zu den Themen Geschenke, Anti-Korruption oder Wohlverhaltensregeln. Auch rate ich zu einem Verhaltenskodex.

Wie viele Manager kennen und verstehen Regularien wirklich?

Solche Leitlinien zu verfassen, wird für Unternehmen schnell zu einer organisatorischen und finanziellen Herausforderung. Insbesondere wenn weitere wichtige Maßnahmen gegen Wirtschaftskriminalität dazu kommen.

Wertorientierte Konzepte sind besser zu handhaben. Sie sollten Mitarbeiter rechtzeitig auf kritische Situationen vorbereiten. Damit lässt sich auch eine gute Integritätskultur in Unternehmen etablieren. Und sie haben den Charme, dass sie nicht nur im Rahmen von Weihnachtsgeschenken gelten.

Ein solches System umfasst regelbasierte, „harte“ Kontrollen und Verfahren. „Weiche“, wertebasierte Ansätze versprechen einen hohen Wirkungsgrad und sind vielseitig einsetzbar. Leider sind sie noch wenig verbreitet.

White (collar) Christmas?

In den meisten Fällen kann man diese Frage sicher mit einem deutlichen Nein beantworten. Aber: Manager und Mitarbeiter müssen lernen, Interessenskonflikte zu erkennen und richtig zu entscheiden. Dann steht der Freude über gute Geschenke von Geschäftspartnern nichts im Wege.

11. Dezember 2016
Zusammengefasst

»Mitarbeiter und auch Führungskräfte sollten Klarheit haben, was angenommen und zugewendet werden darf. Was angenommen werden darf und was nicht, kann Bestandteil des Arbeitsvertrages sein. «

Der Spießrutenlauf um Kundengeschenke zu Weihnachten beginnt alle Jahre wieder. Schöne Dinge zaubern dem Geschäftspartner ein Lächeln auf das Gesicht. Im Vordergrund steht der Dank. Die Kosten des Gegenstands: eher gering. Doch Managern ist die Grenze zwischen netter Geste und korrupter Tat oft nicht klar. Was angenommen werden darf und was nicht, kann Bestandteil des Arbeitsvertrages sein. Möglich sind ebenfalls unternehmensweite Richtlinien zu den Themen Geschenke, Anti-Korruption oder Wohlverhaltensregeln. Auch ein Verhaltenskodex ist sinnvoll.

Christoph Kampmeyer Director Forensic
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Kommentare

Kundengeschenke: Wie kann einer Bestechung vorgebeugt werden?

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