Ausgelagert und sorgenfrei?

Ausgelagert und sorgenfrei?

Die Vorgaben für das Sourcing bei Banken werden strenger.

Keyfacts über Sourcing

  • Auslagerungen sind ökonomisch sinnvoll
  • Höhere Anforderungen an Auslagerungen durch fünfte MaRisk-Novelle
  • Sourcing ermöglicht Banken Zugang zu innovativen Lösungen
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In Deutschland geht etwa die Hälfte des IT-Dienstleistungsmarktes auf Auslagerungen bzw. Sourcing-Maßnahmen im Bankensektor zurück. Kein Wunder, dass die regulatorischen Anforderungen an das Auslagerungsmanagement von Banken verstärkt in den Fokus der behördlichen Aufsicht rücken. Auch im Entwurf der neuen fünften Novelle der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk-Novelle), stellen sie einen Schwerpunkt dar.

Doch was bedeuten diese Anforderungen konkret für Banken? Hierzu haben wir mit Bernd Schumacher gesprochen, Partner in Financial Services bei KPMG und Experte für Sourcing, IT-Strategie und -Transformation.

Das kommende Jahr dürfte spannend werden für die Beschäftigten im Auslagerungsmanagement einer Bank…

Auf jeden Fall. Die Bankenaufsicht hat einen Entwurf zur neuen MaRisk-Novelle veröffentlicht, der in den kommenden Monaten verabschiedet werden soll. Der Grund ist offensichtlich. In vielen Fällen wurden in der Vergangenheit die Anforderungen der Aufsicht nur unzureichend umgesetzt. Die neuen strengen Anforderungen dienen dazu, die Risiken der Banken zu überwachen und zu steuern. Auch sollen wesentliche Themenfelder konkretisiert und erweitert werden. Darunter die geltenden Anforderungen für Weiterverlagerungen, Risikokonzentrationen und den Aufbau von zentralen Organisationseinheiten, die sich mit dem Auslagerungsmanagement befassen.

Zentrales Auslagerungsmanagement – was kann man sich darunter vorstellen?

Eine wesentliche Neuigkeit in der fünften MaRisk-Novelle ist die Verpflichtung zum Aufbau eines zentralen Auslagerungsmanagements. Dies gilt gerade für große Banken mit einer hohen Auslagerungsquote. Dort wurde das Auslagerungsmanagement in der Vergangenheit stark auf kaufmännische und technische Aspekte bezogen. Ein modernes Auslagerungsmanagement umfasst aber weitere Steuerungselemente, wie zum Beispiel kaufmännische und operationale Risiken. Ebenso soll die zentrale Steuerung dafür sorgen, dass die ausgelagerten Aktivitäten und Prozesse einheitlich überwacht werden können.

50

Prozent des IT-Dienstleistungsmarktes geht auf Auslagerungen im Bankensektor zurück.

Also werden Auslagerungen zukünftig stärker kontrolliert?

Ja. Und auch reglementiert. In der Vergangenheit wurden Vorgaben zu Auslagerungen hinsichtlich Umfang und Anwendung bei den Banken sehr unterschiedlich interpretiert. Mit der neuen MaRisk-Novelle werden die Anforderungen verschärft. Besonders auf die Auslagerbarkeit von Geschäftsprozessen in Kernbank- und Kontrollbereichen wird stärker eingegangen. Es muss nach Ansicht der Aufsicht künftig gewährleistet sein, dass weiterhin fundierte Kenntnisse in diesen Bereichen in der Bank vorhanden sind. Neu ist, dass die Risikocontrolling-Funktion nicht mehr vollständig ausgelagert werden darf, da sie für die Steuerung der Bank essenziell ist.

Wenn Finanzdienstleister Prozesse auslagern – wer haftet eigentlich wenn etwas daneben geht?

Entscheidend bei jeder Auslagerung ist, dass die Verantwortung beim Vorstand des auslagernden Instituts verbleibt. Deshalb muss der Vorstand auch regelmäßig über alle Auslagerungen und deren Risiken informiert werden. Die Berichterstattung muss für ihn klar nachvollziehbar sein. Sie muss konsistent sein und die nötigen Mindestinhalte darstellen. Dazu gehört in jedem Fall die Bewertung der Dienstleistungsqualität und der Risikosituation. In der Vergangenheit konnten wir häufig Schwachstellen in der ordnungsgemäßen Berichterstattung an den Vorstand beobachten.

Hintergrund der meisten Auslagerungen ist es ja Geld einzusparen. Mit den neuen Auflagen – lohnt sich dies für die Banken noch?

Eindeutig ja. Grundsätzlich sind die neuen Anforderungen ein solides Fundament mit klaren Strukturen, welches auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Aber es geht um mehr als nur Geld. Durch die Schnelllebigkeit von Leistungen oder Lösungen und den stärkeren Einfluss von FinTechs, ist es für die Institute enorm wichtig starke Partner als Dienstleister zu haben, um sich so den Zugang zu Innovationen und neuen Lösungen zu sichern. Dies ist besonders vor dem Hintergrund der Digitalisierung zu sehen, denn Banken sind hier auf das spezialisierte Know-how von Partnerunternehmen angewiesen. Jedes Institut muss sich heute immer wieder fragen, ob die eigenen Lösungen noch up-to-date sind. Mit einem zentralen Auslagerungsmanagement kann man Dienstleister ökonomisch sinnvoll lenken. Die Einrichtung eines solchen ist kein Hindernis für Auslagerungen, sondern eine sinnvolle Basis, die für Überblick, Transparenz und Steuerung sorgt.

Mehr über Sourcing im Finanzsektor erfahren Sie hier.

28. November 2016
Zusammengefasst

»Entscheidend bei jeder Auslagerung ist, dass die Verantwortung beim Vorstand des auslagernden Instituts verbleibt. In der Vergangenheit konnten wir Schwachstellen in der ordnungsgemäßen Berichterstattung an den Vorstand beobachten.«

In Deutschland geht etwa die Hälfte des IT-Dienstleistungsmarktes auf Auslagerungen im Bankensektor zurück. Kein Wunder, dass die regulatorischen Anforderungen an das Auslagerungsmanagement von Banken verstärkt in den Fokus der behördlichen Aufsicht rücken. Auch im Entwurf der neuen fünften Novelle der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk-Novelle), stellen sie einen Schwerpunkt dar.

Bernd Schumacher Partner Financial Services
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Kommentare

Sind die strengen behördlichen Anforderungen nötig?

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