Banken: Raus aus der Komfortzone

Banken: Raus aus der Komfortzone

Banken und FinTechs sollten kooperieren - weil beide dabei nur gewinnen können

Keyfacts über Regulatorik

  • Banken brauchen dringend Innovationen
  • Regulatorik bremst Kreativität bisher
  • FinTechs sind näher am Kunden
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Regulatorik halten im Bankensektor alle für notwendig, wirklich sexy findet sie aber bisher niemand. Doch jetzt gibt es gute Gründe, diese Haltung zu überdenken: Wenn etablierte Kreditinstitute mit FinTechs kooperieren, kann Regulatorik zum Motor für Innovationen werden.

Für beide Seiten gibt es gute Gründe, sich auf eine solche Kooperation einzulassen. Da sind zunächst die Banken: Innovativ zu sein stand bei ihnen lange nicht weit oben auf der Agenda, weil sie mit etablierten und routiniert umgesetzten Dienstleistungen schon (mehr als) genug Geld verdienten. Kundennähe war ein analoges Phänomen, hergestellt vor allem durch den persönlichen Kontakt in der Filiale. Das Vertrauen in die Branche war hoch, die Zinsen ebenso. Banken galten also als alternativlos, bewegten sich aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung in einer reglementierten Komfortzone, hatten den Markt weitgehend zwischen den (großen) Finanzinstituten aufgeteilt.

Die Komfortzone gibt es nicht mehr

Diese Komfortzone gibt es nicht mehr. Sie verschwand spätestens ab 2007 mit der Finanzkrise, die dem Bankensektor nicht nur herbe Einbußen und Pleiten bescherte, sondern auch einen erheblichen Vertrauensverlust. Die Branche braucht Innovationen, nach zehn langen Jahren Niedrigzinspolitik so schnell und zwar so nachhaltig wie möglich.

Kein Problem, könnte ein Außenstehender jetzt sagen, die Digitalisierung bietet hier doch Möglichkeiten en masse und die Kunden mit ihren Smartphones und der verbreiteten Always-on-Mentalität warten nur darauf.

Regulatorik: Bewegung braucht Spielraum

So einfach ist es natürlich nicht. Denn wer innovativ sein will, muss sich bewegen, und wer sich bewegen will, braucht den Spielraum dazu. Daran mangelt es. Das Geschäft von Banken ist zurecht streng reglementiert, das gilt auch für die Daten von Kunden und ihre Verwendung beim Aufbau digitaler Beziehungen. Und mit der Finanzkrise wurden die ohnehin strengen Regeln weiter verschärft, kosten die Banken immer mehr Geld, Zeit und personelle Ressourcen. Die Luft zum Atmen beziehungsweise für Innovationen ist also knapp. Was natürlich nicht nur an den Regularien liegt, sondern auch an jahrzehntelang gewachsenen und damit oft undurchlässigen, unflexiblen Strukturen.

Ganz anders die Lage der FinTechs, der “Jungen Wilden“ der Finanzwirtschaft, die mit massentauglichen Ideen für Finanz- und Zahlungsservices seit einigen Jahren die Branche aufmischen. Die Szene ist kaum überschaubar, fast wöchentlich erblickt ein neues Start-up das Licht der Welt.

Gemeinsam sind ihnen ihre digitalen Gene, via Internet bauen sie direkte Kontakte zu ihren Kunden oder sogar zwischen diesen auf. Auf diese Weise lassen sich bekannte Dienstleistungen schneller und unkomplizierter abwickeln und neue Finanzprodukte wie etwa der Peer-to-Peer-Kredit schaffen.

Viele Innovationen konnten und können dabei auch deshalb entstehen, weil das betreffende FinTech keine Banklizenz hatte und sich deshalb weniger als etablierte Institute strengen Regeln unterwerfen musste.

FinTechs werden stärker reguliert

Doch diese Situation wird sich radikal verändern. Sowohl die Bankenbranche als auch ihre Aufsichtsbehörden sinnen auf eine stärkere Kontrolle und Regulierung der FinTechs. Das kann (und ist zum Teil schon) durch eine Anwendung alter Regeln auch auf neue Services geschehen, also dadurch, dass man FinTechs mehr wie Banken behandelt. Außerdem werden auch speziell auf die Neuen zugeschnittene Regularien entstehen.

Banken und FinTechs: Zusammen stärker

Womit wir beim Thema Kooperationen wären und bei ihrem Sinn für alle Beteiligten: Banken brauchen Innovationen, FinTechs müssen ihre Dienstleistungen entsprechend der regulatorischen Anforderungen absichern. Also warum nicht zusammenarbeiten? Praktisch kann das so aussehen, das ein FinTech eine App zum Ein- und Auszahlen im Supermarkt entwickelt, die Bank diese Lösung regulatorisch checkt und absichert, anschließend auch der eigenen Klientel anbietet. Der etablierte Partner bekommt eine Innovation, der neue Partner regulatorische (und also rechtliche) Sicherheit, Marktzugänge, Bekanntheit – und beide zusammen mehr Kunden.

Regulatorik wird also zum Innovationstreiber, wenn innovative Geschäftsmodelle von FinTechs mit regulatorisch konformen Services der Banken zusammengehen. Und nur Innovationen unter dem Schirm der Regulatorik werden der Finanzbranche und den Kunden einen echten Mehrwert bringen.

Mehr zur Kooperation zwischen Banken und FinTechs erfahren Sie am 22. Mai 2017 um 19 Uhr beim KPMG-Event im Tech Quartier Frankfurt. Zur Anmeldung geht es hier

22. Mai 2017
Zusammengefasst

»Banken waren lange alternativlos, bewegten sich aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung in einer reglementierten Komfortzone.«

Die Bankenbranche betrachtet Regulatorik bisher nur als notwendiges Übel. Mit gutem Grund: Sie bindet viel Zeit und Ressourcen, nimmt der Branche so auch die Luft für Innovationen. FinTechs dagegen haben diese Luft, gerade weil sie bisher weniger Regeln unterworfen sind. Doch Aufsichtsbehörden wollen die “Jungen Wilden“ jetzt an die kürzere Leine nehmen. Banken brauchen Innovationen, und FinTechs müssen sich regulatorisch absichern. Deshalb sollten beide kooperieren. So wird die ungeliebte Regulatorik doch noch zum Innovationstreiber

Sina Steidl Partner Financial Services
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Kommentare

Wird es die Unterscheidung zwischen FinTechs und Banken in zehn Jahren überhaupt noch geben?

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