Banken-Regulierung: Massive Auswirkungen auf IT-Systeme

Banken-Regulierung: IT enorm betroffen

Softwaremigrationen durch Finanzmarkt-Regulierung notwendig

Keyfacts über IT-Migrationen

  • Datenmigrationen werden häufiger und komplexer
  • Die Bedeutung der Verknüpfung von Daten(beständen) wächst
  • Komplexe Abhängigkeiten erfordern langfristige Zielbilder – in überschaubarem Zuschnitt
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Finanzmarkt-Regulierung geht weiter

Auch wenn bei der anstehenden Bundestagswahl noch vieles mit einem Fragezeichen versehen ist – in einem scheinen sich die Parteien einig. Die regulatorischen Anforderungen an die deutschen Finanzdienstleister werden in den nächsten Jahren eher weiter anziehen, als dass sie sich verringern. Zwar stellen CDU/CSU, SPD und FDP regulatorische Entlastungen für kleinere oder genossenschaftliche Institute sowie Sparkassen in Aussicht – zugleich findet sich aber in den Programmen aller größeren Parteien die Forderung nach veränderten, darunter verschärften Kapitalmarktregeln: Die FDP fordert Eigenkapitalunterlegungen für Staatsanleihen, die Union will „aktiv die Regulierung der internationalen Finanzmärkte mitgestalten“ und nach Sicht der SPD darf „kein Finanzmarkt, kein Finanzprodukt und kein Finanzakteur (…) zukünftig ohne Regulierung und ohne Kontrolle sein.“ Noch kämpferischer geben sich die aktuellen Oppositionsparteien: sie wollen „Abzocke durch Banken und Versicherungen“ (Bündnis90/Die Grünen) unterbinden und „die Macht der Banken brechen“ (Die Linke).

Aber auch jenseits der Bundespolitik stehen höhere Kapitalanforderungen unmittelbar vor der Tür – Basel IV und die nächsten Reformen des Kreditmeldewesens, AnaCredit in 2018 und die europäische Millionenkreditmeldung in 2019.

Mehr Regulierung bedeutet mehr Daten

Die Auswirkungen der regulatorischen Änderungen sind enorm, auch auf die IT-Architekturen von Banken und Versicherungen. Es müssen immer mehr, immer detailliertere und immer stärker verknüpfte Daten für Reportings bereitgestellt werden – und dies bestenfalls in Echtzeit. In den vergangenen Jahren investierten Banken mehrere Milliarden Euro in den Aufbau integrierter Finanz- und Risikoarchitekturen. Mit den komplexeren Systemen steigt auch die Zahl der erforderlichen Datenmigrationen: Sowohl beim initialen Aufbau wie auch bei jeder Erweiterung zentraler Datenhaushalte müssen Informationen aus anderen Systemen überführt werden. Immer mehr, mithin komplexere Migrationsprojekte sind die Folge und eine zunehmende Herausforderung. Die Nutzung von Standardsoftware kann Entwicklungskosten senken, bringt aber teilweise zusätzliche Komplexität bei institutsspezifischen Anforderungen mit sich.

Drei Erfolgsfaktoren für erfolgreiche Software-Migrationsprojekte

Sollen Projekte zur Erweiterung von Datenhaushalten erfolgreich und zukunftsfähig sein, spielen viele Faktoren eine Rolle. Bei der strategischen Ausrichtung der Projekte sollten daher drei Ratschläge befolgt werden:

1. Geben Sie sich eine klare, aber überschaubare Agenda
Jeweils nur eine einzelne, konkrete Anforderung inselartig umzusetzen ist langfristig ineffizient. Umgekehrt werden Sie nicht alle Herausforderungen in einem einzelnen Projekt lösen. Finden Sie einen sinnvollen Zuschnitt auf einen klar abgegrenzten Bereich. Diesen Bereich jedoch planen Sie auf lange Sicht.

2. Verzahnen Sie Fachbereich und IT
Die klassische Trennung von inhaltlich getriebener Fachseite und rein technischer IT-Abteilung hat im Projektalltag ausgedient. Ein Projektsetting mit „Joined Teams“ aus Fach- und IT-Mitarbeitern schafft mehr Verständnis auf beiden Seiten, verbessert die Qualität des Ergebnisses und holt die künftigen Nutzer der Systeme frühzeitig ab. Neue Arbeitsmethoden wie „agiles“ Projektmanagement können zusätzlichen Mehrwert bringen.

3. Begreifen Sie Software-Migrationen als Chance
Software-Migrationsprojekte bieten – selbst wenn sie regulatiorisch getrieben und damit oftmals „alternativlos“ sind – immer auch die Möglichkeit, veraltete Insellösungen abzubauen, Datenbestände zu vervollständigen, zu vernetzen und damit auswertbar zu machen sowie Doppelaufwand durch Parallelprozesse aufzulösen.

18. September 2017
Zusammengefasst

»Damit Software-Migrationen erfolgreich verlaufen und echten Mehrwert bieten, haben sich drei Faktoren als erfolgsentscheidend erwiesen: Eine klare Agenda, die Verzahnung von Fachbereich und IT sowie der strategische Abbau von Altlasten.«

Egal wie die Bundestagswahl ausgeht: Die Regulierung des Finanzdienstleistungssektors auf nationaler und europäischer Ebene wird eher zu- als abnehmen. Damit verbunden sind steigende Anforderungen an die IT-Systeme von Banken und Versicherungen.

Thomas Istel Partner, Financial Services, Business Technology
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Kommentare

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