ESEF: Einheitliches elektronisches Berichtsformat kommt

Neues Berichtsformat ESEF

ESMA hat finalen Entwurf des technischen Regulierungsstandards (RTS) vorgelegt

Keyfacts über ESEF

  • Verpflichtend für Wertpapier-emittierende Unternehmen ab 2020
  • Alle Abschlüsse zukünftig in XHTML-Format
  • IFRS-Konzernabschluss zusätzlich etikettieren anhand der IFRS-Taxonomie
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Noch nie etwas von ESEF gehört? Dem europaweit einheitlichen elektronischen Berichtsformat? Dann sind Sie in guter Gesellschaft. ESEF steht kurz für „European Single Electronic Format“ – einen neuen Standard, den die EU-Kommission bereits 2013 bei der europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) in Auftrag geben hat. Obwohl seine Auswirkungen enorm sein werden, ist der Standard bislang in der Öffentlichkeit, bei Analysten und Bilanzerstellern auf wenig Interesse gestoßen.

Ende letzten Jahres hat nun die ESMA ihren finalen Entwurf eines sogenannten technischen Regulierungsstandards (RTS) vorgelegt. Dieser RTS gibt ein digitales Format (XHTML) für die Finanzberichterstattung vor. Er ist ab 2020 für alle Unternehmen verpflichtend, die Wertpapiere innerhalb der EU emittiert haben. Bisher nutzen viele Unternehmen das PDF-Format, das aber reicht zukünftig nicht mehr aus.

Für den IFRS-Konzernabschluss muss das XHTML-Format zusätzlich mit XBRL-Etiketten anhand der IFRS-Taxonomie versehen werden. Es können dann zukünftig IFRS-Konzernabschlüsse besser verglichen werden, selbst wenn die Struktur der Abschlüsse unterschiedlich ist und / oder diese in unterschiedlichen Sprachen veröffentlicht wurden. Für den IFRS-Konzernanhang ist für die Etikettierung eine Schonfrist bis 2022 vorgesehen.

Was verwundert: Während des langjährigen Anhörungsprozesses der ESMA haben insgesamt nur 14 Betroffene den Entwurf kommentiert. Aus Deutschland selbst nur ein einziges Unternehmen. Es scheint als wären die Unternehmen durch IFRS 9, IFRS 15, IFRS 16, die CSR-Richtlinie und andere Regularien aktuell in einem regulatorischen Erschöpfungszustand. Ist das der versteckte Ruf nach einer regulatorischen Atempause?

Problematisch dabei ist: Ohne Einwirkung von außen fehlt es an einer gesunden Auseinandersetzung während der Gesetzgebungsprozesse. Dies geht häufig zu Lasten der Qualität und Akzeptanz neuer Regulierungen. So lassen die im Standard enthaltenen Regeln zur Etikettierung anhand der IFRS-Taxonomie noch einige Fragen offen.

Die einzige Konstante beim ESEF ist die Veränderung

Der Bericht der ESMA ist insgesamt 478 Seiten lang. Der darin enthaltene nur 5-seitige RTS-Entwurf selbst verweist umfangreich auf Anhänge. Allein der Anhang VI mit der anzuwendenden IFRS-Taxonomie umfasst 366 Seiten. Damit liegt ein umfangreiches Klassifikationsschema vor. Maschinenlesbar wird der IFRS-Konzernabschluss zukünftig durch Etikettierungen („tagging“). Die notwendigen XBRL-Etiketten hierzu finden sich in der IFRS-Taxonomie.

Soweit so gut. Allerdings ist die IFRS-Taxonomie stetiger Veränderung unterworfen. Im Laufe des Jahres veröffentlicht das IASB neue oder grundlegend überarbeitete Standards. Das bringt IFRS-Taxonomie-Updates mit sich. Gleiches passiert bei Anpassungen der üblichen Industriepraxis oder technologischen Anpassungen.
Jedes Jahr erstellt das IASB eine Sammlung der gesamten Anpassungen und veröffentlicht diese als sogenannte Annual IFRS Taxonomy. Es empfiehlt sich diese Entwicklungen der Taxonomie eng im Auge zu behalten und aktiv mitzuwirken, damit zukünftige Verbesserungen an der Taxonomie auch die eigenen Branchenthemen berücksichtigen.

Und noch etwas: Die ESMA hat bereits mitgeteilt, dass Änderungen an der IFRS-Taxonomie in der Regel ohne weitere öffentliche Anhörungen direkt rechtswirksam umgesetzt werden sollen. Da Änderungen an der Taxonomie in den bestehenden Datenfluss eingreifen können ist es nicht nur sinnvoll, sondern geboten sich mit Änderungen der IFRS-Taxonomie regelmäßig zu beschäftigen, um deren Auswirkungen auf Systeme und Prozesse frühzeitig zu erkennen.

Im Arbeitsprogramm 2017-2020 hat sich das IASB das Thema „Bessere Kommunikation in der Finanzberichterstattung“ gesetzt. Die Einführung von EBIT-Zwischensummen in der Gesamtergebnisrechnung, eine bessere Kommunikation von Eigenkapitalpositionen (OCI) sind Beispiele für die Angabeninitative und werden ergänzt durch das Projekt zu den Hauptbestandteilen des Abschlusses. Diese Themenstellungen haben unmittelbare Auswirkungen auf die Art und Weise der Finanzberichterstattung und damit auf die Taxonomie und ESEF.

Weitere Veränderungen in der Finanzberichterstattung bis 2020 sind somit sicher. Ein stabiler regulatorischer Rahmen für den Zeitraum der ESEF-Einführung ist nicht zu erwarten. Deshalb sollten Unternehmen sich auf kontinuierlich ändernde Anforderungen einstellen und darauf, flexibel reagieren zu müssen.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

ESEF war zu lange unter dem Radar. Jetzt ist es Zeit sich vorzubereiten. Denn zukünftig wird das Management nicht nur für die Erstellung eines Abschlusses, sondern auch für die richtige IFRS Taxonomie-Etikettierung in XBRL verantwortlich sein. Abschlussprüfer werden immer häufiger auch die Etikettierungen durch das Unternehmen prüfen.

ESEF ist keine neue eBilanz. Es ist nicht nur eine Mapping-Übung. Das Mapping selbst hat bei den Unternehmen aus dem Feld-Tests der ESMA nur zwei Tage gedauert. ESEF ist mehr. Es geht um eine zukünftig schnellere Vergleichbarkeit und Transparenz von Finanzberichten.

Um sich auf ESEF vorzubereiten sind aktuell zwei Schritte sinnvoll:

Strategie zur Finanzberichterstattung: Wie sehen die zukünftigen Berichtsformate aus, wenn die elektronische Abgabe, wohl in XHTML, verpflichtend wird? Ist dann weiterhin ein PDF- oder Papier-Geschäftsbericht sinnvoll? Gibt es Pläne zur Änderung der Berichtsstrukturen, wie z.B. die Einführung des Umsatzkostenverfahrens? Wäre jetzt ein guter Zeitpunkt für ein Kontenplanharmonisierungs / -vereinfachungs-Projekt? Gut ist es, die alten Strukturen jetzt aufzuräumen und danach eine Zuordnung zur IFRS-Taxonomie festzulegen.

Auch wäre jetzt ein guter Zeitpunkt zum Aufsetzen einer Projektorganisation: Wer ist der Treiber im eigenen Unternehmen für ESEF? Die IT-Abteilung oder das externe Rechnungswesen? Wie wird Investor Relations eingebunden? Wer ist für die finale Freigabe der ESEF-Berichterstattung verantwortlich?

Auswirkungsanalyse: Wie viele Positionen aus meiner aktuellen Finanzberichterstattung lassen sich nicht in die IFRS-Taxonomie einordnen? Wie werde ich mit diesen unternehmensspezifischen Erweiterungen umgehen? Wie verankere ich diese Erweiterungen in die Kern-Taxonomie des RTS?

Antworten auf diese Fragen sollten besser früher als später vorliegen.

26. Januar 2018
Zusammengefasst

»ESEF war zu lange unter dem Radar. Jetzt ist es Zeit sich vorzubereiten. Zukünftig wird das Management nicht nur für die Erstellung eines Abschlusses, sondern auch für die richtige IFRS Taxonomie-Etikettierung in XBRL verantwortlich sein. Abschlussprüfer werden immer häufiger auch die Etikettierungen durch das Unternehmen prüfen.«

Das europaweit einheitliche elektronische Berichtsformat ESEF wird verpflichtend. Die ESMA hat den finalen Entwurf eines technischen Regulierungsstandards (RTS) vorgelegt. ESEF steht kurz für „European Single Electronic Format“. Ziel ist, eine EU-weite Vergleichbarkeit und Transparenz von Finanzberichten zu erreichen.

Dr. Ralf Jödicke Partner, Finance Advisory
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Kommentare

Warum engagieren sich so wenige Betroffene zu regulatorischen Initiativen?

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