Fair-Play als Wettbewerbsvorteil

Fair-Play als Wettbewerbsvorteil

Wie Compliance-Maßnahmen für Unternehmen zum strategischen Vorteil werden können

Keyfacts über Compliance-Papier

  • KPMG-Publikation vergleicht Compliance-Kultur in Deutschland und Brasilien
  • KPMG beteiligt sich an einer Anti-Korruptions-Arbeitsgruppe im Rahmen von B20
  • B20 formuliert Erwartungen der Wirtschaft an G20-Staatsschefs
Zusammenfassung lesen

Die Bekämpfung von Korruption hat in den vergangenen Jahren weltweit stark an Bedeutung gewonnen. Immer stärker setzt sich die Erkenntnis durch, dass ein System der gegenseitigen Vorteilsgewährung aus wirtschaftlicher Sicht enorme Nachteile beinhaltet. Ob in Argentinien, China oder Südkorea – immer häufiger geraten nun auch hohe und höchste Entscheidungsträger ins Visier der Behörden. Und das auch in Ländern, in denen Korruptions-Bekämpfung in der Vergangenheit nicht immer besonders hoch angesiedelt war. Analog dazu steigt die Bedeutung von Compliance-Systemen, also Systemen und Mechanismen zur Einhaltung regelkonformen Handelns, in Unternehmen stark an. Die erstaunlichste Entwicklung hat dabei nach Ansicht vieler Experten in den vergangenen Jahren in Brasilien stattgefunden. Das Land beschloss vor drei Jahren ein sehr weitreichendes Anti-Korruptionsgesetz.

Wer verstehen will, wie sich Compliance-Systeme und Pläne zur Bekämpfung von Korruption von Anfang an entwickeln lassen, für den ist der Blick auf die brasilianischen Verhältnisse aufschlussreich. Davon ausgehend zieht KPMG in einer gemeinsamen Publikation mit der Allianz für Integrität und dem Lateinamerikanischen Verein einen Vergleich zwischen den jüngsten Compliance-Anstrengungen in Brasilien und der Situation in Deutschland. Auf der Basis von Gesprächen mit ausgewählten Vertretern von Wirtschaftsverbänden und Unternehmensberatern in beiden Ländern stellt die Publikation beispielhaft Wunsch und Wirklichkeit im Compliance-Bereich gegenüber. KPMG ist Knowledge Partner einer B20-Arbeitsgruppe zum Thema Anti-Korruption. Sie formuliert im Rahmen des B20-Prozesses Forderungen der Wirtschaft an die Staats- und Regierungschefs, die dieses Jahr im Juli in Hamburg zum G20-Gipfel zusammentreffen.

Compliance im Widerspruch zu anderen Unternehmenszielen

„Beim Blick auf die deutschen Verhältnisse fällt auf, dass viele Unternehmen von einem wirksamen System zur Einhaltung von Regeln noch weit entfernt sind“, sagt Alexander Geschonneck, Leiter Forensic bei KPMG Deutschland. Am problematischsten seien dabei ein mitunter nicht vorhandener Wille zu nachhaltigen Veränderungen sowie Compliance-Vorgaben, die im Alltag der Firmen nicht mit Leben erfüllt werden – oder sogar im Widerspruch zu anderen Unternehmenszielen stehen.

„Integres Handeln funktioniert langfristig nicht, wenn es nicht von oben vorgelebt wird. Am Ende des Tages sind Compliance-Fragen immer auch Fragen der Unternehmens-Kultur. Dazu gehört zum einen ein Umfeld, in dem mögliche Regelverstöße offen und angstfrei angesprochen werden können, zum anderen ein Maßnahmen-Katalog, der nicht als bloßes Alibi daherkommt“, sagt Geschonneck. Auf dem Weg zu wirksamen Compliance-Maßnahmen in Deutschland empfehlen die in der Publikation befragten Experten außerdem die frühzeitige Einbindung von Mitarbeitern und Unternehmenseigentümern.

99

Prozent der Unternehmen in Deutschland und Brasilien sind kleine und mittelständische Unternehmen.

Im Vergleich zu Deutschland stünden Compliance-Bestrebungen in Brasilien noch ganz am Anfang, sagt Geschonneck. Gleichwohl habe das Land in Sachen Anti-Korruption in den vergangenen Jahren einen erstaunlichen Aufstieg erfahren. So sei der Druck auf Politik und Wirtschaft stark gestiegen, Gesetzesbrüche würden längst nicht mehr so selbstverständlich hingenommen wie in der Vergangenheit: Massendemonstrationen und andere Proteste sind die Folge.

„Beim Blick auf die Nachrichtenlage sollte man aber einen Fehler nicht machen: Die Tatsache, dass über Korruption berichtet wird, ist an sich ein Zeichen der Hoffnung, nicht der Entmutigung“, sagt Geschonneck. Zeige es doch, dass Regelverletzungen mittlerweile erst bekannt und anschließend auch juristisch verfolgt würden – mit den entsprechenden Konsequenzen für korrupte Entscheidungsträger. „Die Strukturen zur systematischen Korruptionsbekämpfung sind in Brasilien im Aufbau, die Anzahl der Fachleute noch entsprechend gering. Aber die Entwicklung geht voran; auch, wenn Compliance-Fragen noch kein integraler Bestandteil des Alltags sind“.

Die Guten belohnen

Eben darum müsse es aber künftig gehen – und das keineswegs nur in Brasilien, sagt Geschonneck. Regelkonformes Verhalten sei eine Frage der Kultur innerhalb und außerhalb der Unternehmen, „das bedeutet in vielen Fällen in letzter Konsequenz einen Kulturwandel.“ Um diesen Kulturwandel zu stärken, sollten Regierungen beispielsweise besonders integre Unternehmen bei öffentlichen Ausschreibungen bevorzugt behandeln. „Ein ähnlicher Anreiz-Mechanismus könnte greifen, wenn es zu Vorfällen in einer Firma kam“, sagt Geschonneck. „Wenn ein solches Unternehmen deutlich machen kann, dass es sich anschließend engagiert für die Aufklärung und Optimierung der eigenen Prozesse eingesetzt hat, dann könnte das bei der Bemessung des Strafmaßes berücksichtigt werden.“

Für die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sowohl in Deutschland als auch Brasilien etwa der Unternehmen ausmachen, bedeutet ein solcher Kulturwandel in vielen Fällen einen „Lernprozess“, sagt Geschonneck. Die Mehrheit von ihnen begreife Compliance-Maßnahmen bisher eher als Last denn als Nutzen. „Das Ziel ist es, verantwortungsbewusste Geschäftsführung zu einem strategischen Vorteil für Unternehmen weiterzuentwickeln“, sagt Geschonneck. Ein Ansatz also, der nicht wie bisher primär darauf zielt, Risiken in Sachen Finanzen und Reputation zu minimieren, sondern auch Chancen zu kreieren.

Zur Compliance-Publikation „Zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ gelangen Sie hier

26. Januar 2017

Kommentare

Wie lässt sich ein Kulturwandel zu mehr Compliance gestalten?

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist. Schließen