Gesundheitsbranche: Operation Sauberkeit

Gesundheitsbranche: Mehr Sauberkeit

Wie Korruption im Gesundheitswesen das Vertrauen der Versicherten unterminiert

Keyfacts über Gesundheitswesen

  • Das deutsche Gesundheitswesen ist anfällig für Korruption
  • Die Leidtragenden sind die Versicherten
  • Die Öffentlichkeit drängt auf mehr Transparenz
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Von Datenmissbrauch über Luftrezepte und Scheinbehandlungen bis hin zu Doppelabrechnungen: Betrügereien verschiedenster Art sind ein Problem im deutschen Gesundheitswesen. Ein Problem, das die Kostenträger jährlich ein Vermögen kostet. Die Gruppe der Profiteure ist dabei weitaus größer als gemeinhin angenommen. Natürlich: Ein Generalverdacht gegen alle Akteure wäre falsch. Tatsächlich sind es einzelne schwarze Schafe, die großen Schaden verursachen – finanziell wie auch moralisch. Was also lässt sich tun, um regelwidriges Verhalten im Gesundheitswesen einzudämmen – und welche Rolle spielen Staat und Öffentlichkeit dabei?

Wie wichtig regelkonformes und ethisch korrektes Handeln – im Fachdiskurs „Compliance“ – für den Gesundheitsmarkt grundsätzlich ist, lässt sich schon an diesen Zahlen erkennen: Ein Bundesministerium, 16 Landesministerien, 17 kassenärztliche Vereinigungen, dazu mehrere Spitzenverbände, Ärzte- und Apothekerkammern sowie eine Vielzahl an gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen – sie alle agieren auf dem Gesundheitsmarkt. Idealerweise teilen sie sich die Verantwortung nach Maßstäben ethisch einwandfreien Handelns.  Bedauerlicherweise ist das jedoch nicht immer der Fall. In einem so komplexen System ist die Anfälligkeit für Intransparenz und Betrug dementsprechend größer als in überschaubareren Zusammenhängen. Mit anderen Worten: Wer unbedingt und unter allen Umständen betrügen will, der findet Mittel und Wege. Das deutsche Gesundheitssystem ist da leider keine Ausnahme.

Auch der deutsche Gesundheitsmarkt ist vor Regelverstößen nicht gefeit

Seitens des Staates werden Grundlagen zur Verfolgung und Ahndung vieler Formen des Fehlverhaltens im Gesundheitswesen angestrebt: So sind beispielsweise die gesetzlichen Krankenversicherungen (§197a SGB V) und Pflegeversicherungen (§47a SGB XI) verpflichtet, Stellen zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen einzurichten. Im vergangenen Jahr leitete der Gesetzgeber mit dem „Gesetz zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen“ weitere Maßnahmen gegen die unzulässige Einflussnahme im Gesundheitswesen ein. Der Grund: Die bis dahin geltenden strafrechtlichen Regelungen zur Bestechlichkeit und Bestechung (§§ 331 bis 334 StGB) hatten sich bei der Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen als unzureichend erwiesen. Um einen fairen Wettbewerb im Gesundheitswesen zu ermöglichen, ist mit den neuen Gesetzesänderungen nun auch die Bestechung von Angehörigen eines Heilberufes im Gesundheitswesen (§ 299a StGB) und die Bestechung von Angehörigen anderer Branchen (§ 299b StGB) unter Strafe gestellt.

Das öffentliche Interesse an Transparenz ist groß

Der Staat also ist an mehr Regeltreue im Gesundheitswesen durchaus interessiert – und folgt damit auch dem Willen einer breiten Öffentlichkeit, die immer stärker auf Transparenz und Aufklärung drängt. So löste eine Offenlegung der deutschen Pharmaunternehmen im vergangenen Jahr über deren Zuwendungen an Ärzte und medizinische Organisationen ein großes Medienecho aus. Die freiwillige Selbstauskunft der beteiligten 54, teils börsennotierten, Pharmaunternehmen fand im September dieses Jahres zum zweiten Mal statt und ergab, dass allein im Jahr 2016 rund 560 Millionen Euro an Ärzte und medizinische Unternehmen gezahlt wurden.

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Millionen Euro zahlten Pharmaunternehmen im Jahr 2016 an Ärzte und medizinisches Personal

Die Leidtragenden dieses Fehlverhaltens sind vor allem die Versicherten und damit Patienten, denn Korruption wie auch Betrug im Gesundheitswesen können dazu führen, dass ihre Beiträge höher ausfallen. Auch dem Vertrauen der Patienten in die Integrität heilberuflicher Entscheidungen wird durch den Verdacht der Untreue ein enormer Schaden zugefügt.

Compliance ist viel mehr als nur Korruptionsbekämpfung

Und doch geht der Begriff der Compliance über die Bekämpfung von Betrug und Korruption weit hinaus. Für ein regelkonformes Handeln im Gesundheitssystem spielen Rechtsgebiete wie Datenschutz, IT-Sicherheit oder Vergaberecht eine ebenso große Rolle. Die Erfahrung zeigt, dass eine gute Compliance oftmals ihre Wurzeln in der Kultur des Unternehmens hat. Wenn Entscheider und Führungskräfte regelkonformes Handeln vorleben, dann strahlt das aus in das gesamte Unternehmen. Wer in Gesprächen herausstellt, wie wichtig ihm Compliance ist, der gewinnt langfristig Vertrauen und Glaubwürdigkeit für sein Unternehmen – sofern den Worten auch Taten folgen.

Mehr zu Compliance im Gesundheitswesen erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe des Corporate-Governance-Magazins „CGO“. Zum Download geht es hier.

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03. November 2017

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