IFRS 16: Wie Sie bestimmte Prozesse automatisieren

IFRS 16: Wie Prozesse automatisieren?

Daten erkennen und automatisiert erfassen lassen.

Keyfacts über IFRS 16

  • Keyfacts zu IFRS 16: Neue Richtlinie löst IAS 17 ab
  • Automatische Erfassung einer großen Datenmenge
  • Alle Leasing-Verträge müssen nun in der Bilanz ausgewiesen werden
Zusammenfassung lesen

Wissen betroffene Unternehmen, was in ihren Bilanzen ab 2019 ausgewiesen sein muss? Dann greift IFRS 16. In die Bilanz gehört ab diesem Zeitpunkt das, was früher als Aufwand galt: Etwa Mieten oder geleaste Maschinen.

Kurz gesagt: Der IFRS-Bilanzierer muss seinen Vermögenswert aus dem ihm eingeräumten Nutzungsrecht in der Bilanz spiegeln, auch bekannt als right-of-use asset. Dazu müssen die Verbindlichkeiten ausgewiesen werden, die sich aus dem Leasing ergeben.

Ein Beispiel: Die Gartenbau AG hat sich entschieden, ihre Schneidewerkzeuge zu leasen, anstatt sie zu kaufen. Die daraus resultierende Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Leasinggeber taucht zumeist gar nicht in der Bilanz auf. Der bislang geltende International Accounting Standard (IAS) 17 gibt den Unternehmen diesbezüglich Gestaltungsraum: Die Unternehmen können wählen, ob sie es als Finanzierungsleasing oder als Operating-Leasing behandeln.

Handelt es sich um ein Finanzierungsleasing, das den Charakter eines Kaufes hat, muss das bislang als Vermögenswert auf der Aktiv-Seite darstellt und als Verbindlichkeit in den Passiva gekennzeichnet werden. Hat das Operating-Leasing den Charakter einer Nutzungsgebühr, muss es zumeist nicht direkt in der Bilanz gewürdigt werden – eine Erwähnung im Anhang reicht aus.

Mit IFRS 16, das ab 2018 gilt, gehört dies nun alles zweifelsfrei in die Bilanz – und da beginnen die Probleme: Die Gartenbau AG hat rund 16.000 Verträge, viele sind auf Deutsch, so manche auf Englisch, viele auf Französisch – insgesamt liegen Dokumente in mehr als 27 Sprachen vor; sogar zwei auf Finnisch und einer auf Hebräisch sind dabei. Erschwerend kommt hinzu, dass die Gartenbau AG im Laufe der Jahre unterschiedliche Software-Lösungen benutzt hat, um die Verträge zu erfassen.

16.000

Leasing-Verträge unterhält die fiktive Gartenbau AG weltweit.

Als IFRS-Bilanzierer muss sich die Gartenbau AG nun überlegen, wie sie die wichtigen Kennzahlen dieser Verträge herausliest. Das sind unter anderem: Höhe der Leasing-Zahlung, Serviceraten wie etwa Sicherheitsdienste bei Mietverhältnissen oder eben die Laufzeit für die genannten Schneidewerkzeuge.

Welche Zahlen, Daten und Fakten aus den Verträgen gelesen werden, haben wir anhand des Standards herausgearbeitet. Die technische Lösung basiert auf IBM Watson.

Damit gehen wir zum Kunden, lassen die Verträge von Watson auslesen und prüfen die Ergebnisse. Auch der Kunde prüft die Ergebnisse noch einmal.

Für die IFRS-Bilanzierer ergeben sich aus dem fiktiven Gartenbau-AG-Beispiel drei große Punkte: Sie müssen die Vertragsdatenextraktion gewährleisten, sie sollten sich darüber im Klaren werden, welche Leasingsoftware sie künftig nutzen wollen und sie müssen die neuen Prozesse implementieren, und sie müssen eine Mannschaft bereitstellen, die die Umsetzung federführend leitet.

Meine Erfahrung ist, dass selbst große Unternehmen nicht einfach Ressourcen im eigenen Haus halten, die sie sofort für diese Aufgabe abstellen könnten.

Denn zumeist ringen viele Unternehmen noch mit den Bestimmungen aus IFRS 9 und IFRS 15. Die Abteilungen wissen auch, dass der IFRS 16 auf sie zukommt, aber sie haben oft noch keine Zeit gefunden, entsprechende Projekte anzustoßen.

Ich denke, dass die Unternehmensgröße nicht immer Aussagen darüber zulässt, was im Haus erledigt werden soll und was vergeben wird. Große Konzerne geben die geanannte Vertragsextraktion an externe Dienstleister, derweil so manches Familienunternehmen die Verträge lieber selbst von Hand einpflegen lässt – bei 500 Verträgen weltweit ist das schnell gemacht. Sind es allerdings mehrere Tausend, stellt sich irgendwann die Frage nach der Sinnhaftigkeit und der Skalierbarkeit. Stellt das Unternehmen für die Datenerfassung beispielsweise 100 Mitarbeiter ein, tut sich mit dem Abschluss des Projektes das nächste Problem auf – wie weiter?

09. Januar 2018

Kommentare

Was machen Sie, um sich auf IFRS 16 vorzubereiten?

*Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

Das könnte Sie auch interessieren

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist. Schließen