Jetzt wird's ernst

Jetzt wird's ernst

Die Klimakonferenz in Marrakesch ist Geschichte. Für Unternehmen fängt die Arbeit erst an.

Keyfacts über Klimakonferenz

  • Maßnahmen zur Klimarettung treffen Finanzmärkte
  • Grüne Technologien treten endgültigen Siegeszug an
  • Viele Märkte werden sich massiv wandeln
Zusammenfassung lesen
23. November 2016

Gute Stimmung in Marokko: Am Ende der 22. UN-Klimakonferenz in Marrakesch prägten vor allem Schulterklopfer und Danke-Sager das Bild. Sogar der Schreck, dass ein Mann, der den Klimawandel für einen Scherz hält, demnächst US-Präsident wird, war bald überwunden. Jetzt erst recht, hieß es von den meisten Staaten. Sogar die Umweltverbände zeigten sich zufrieden. Und auch wir bei KPMG finden, dieses Treffen hat sich gelohnt. Immerhin wollen 48 Länder jetzt schnell auf erneuerbare Energien umstellen und Deutschland, USA sowie Mexiko haben einen langfristigen Klimaschutzplan auf den Tisch gelegt.

So viel zur Afterparty. Jetzt geht es an die Umsetzung. Diese trifft vor allem die Unternehmen – in Deutschland ebenso wie international. Viele Märkte werden sich massiv wandeln. Entsprechend müssen Betriebe sich vorbereiten, ihr gesamtes Geschäftsmodell hinterfragen und im Zweifel umdenken. Wer ohne Klimastrategie dasteht, wird es im 21. Jahrhundert schwer haben.

Strenge grüne Standards in Sicht

Die Maßnahmen zur Klimarettung werden die Finanzmärkte hart treffen. Vor allem nicht-finanzielle Indikatoren wie Nachhaltigkeit werden für Investoren immer wichtiger. Denn nur diese erlauben zukünftig, langfristige Risiken sinnvoll einzuschätzen.

Das heißt, vor allem Unternehmen mit geringem CO2-Fußabdruck werden bei der Beschaffung von Kapital bevorzugt. Mit anderen Worten, vor allem Unternehmen, die dies glaubhaft darstellen können. Kurz: Der Klimabericht wird immer wichtiger. Nicht auszuschließen, dass dieser in einigen Staaten sogar mittelfristig verpflichtend wird. Denn viele der Teilnehmer in Marrakesch werden zügig neue Gesetze erlassen – vor allem in der Energiepolitik und die Industrie betreffende Regulierungen.

Parallel dazu entwickelt das internationale Financial Stability Board mit einer Task Force bereits heute entsprechende Berichterstattungsrichtlinien. Gleichzeitig wird der Markt für grüne Bonds – Finanzmechanismen für nachhaltige Projekte – weiter wachsen und reifen.

48

Länder wollen jetzt schnell auf erneuerbare Energien umstellen.

Nicht nachhaltig? Das wird teuer

Mit den neuen Klimazielen entstehen für Unternehmen überdies neue Kostenrisiken – aus gleich mehreren Perspektiven. Emissionen selbst werden insgesamt teurer. Viele Staaten verfügen bereits über CO2-Handel-Systeme bzw. entsprechende Steuern, um Kosten abzufangen, die Gesellschaft und Umwelt durch Luftverschmutzung entstehen. Nach der Klimakonferenz werden es noch mehr, die Preise werden steigen.

Hinzu kommt: Endkonsumenten werden verstärkt bei Händlern mit nachhaltigem Anstrich kaufen. Fehlt dieses Image, droht ein Reputationsverlust. Ebenso werden auch Händler von Produzenten erwarten, dass diese ihre Emissionen reduzieren, mit dem Ziel den CO2-Fußabdruck der eigenen Lieferkette aufzuhübschen.

Nicht zuletzt müssen Wirtschaftsakteure aller Couleur damit rechnen, dass die Auswirkungen des Klimawandels – trotz hehrer Klimaziele – Geschäft und Lieferkette empfindlich treffen könnten, etwa durch extreme Wetterlagen, Wasserknappheit oder gesellschaftliche Unruhen.

Ladestationen für Elektroautos boomen

Grüne Technologien werden einen endgültigen Siegeszug antreten. Die Nachfrage nach energieeffizienten Produkten und Dienstleistungen wird steigen. Das wird Produktionskosten senken und die entsprechende Infrastruktur ausbauen – zum Beispiel Ladestationen für Elektroautos. Die entsprechende Industrie wird immer wettbewerbsfähiger und sich ausbreiten.

Einen weiteren Schub erhalten nachhaltige Unternehmen durch staatliche Subventionen, ein Instrument, das am Markt tatsächlich zu Veränderung führt, wie die Erfahrung zeigt. Diese Entwicklungen werden vor allem emissionsstarke Branchen stark unter Druck setzen.

Messen, reduzieren, berichten

Die Erfolge der Klimakonferenz von Marrakesch sind erfreulich, ohne Frage, Unternehmen setzen sie allerdings unter Druck.

Unternehmen müssen sich also sicher sein, dass sie ihre Emissionen richtig messen, reduzieren und darüber auch berichten können. Sie müssen die Risiken kennen, entsprechend reagieren und nicht zuletzt sichergehen, dass dafür entsprechende finanzielle Ressourcen zur Verfügung stehen.

Wenn das gelingt – und wir die Maßnahmen zur Klimarettung tatsächlich umsetzen können – dann hat sich die Party in Marokko gelohnt.

Kommentare

Kommentar von Tim Wegermann
24. November 2016 | 04:31 Uhr

Genau :D

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