Mensch vs. Roboter: Künstliche Intelligenz (KI) im Finanzsektor

Künstliche Intelligenz im Finanzsektor

Arbeitsplatz der Zukunft: Aktuelle Entwicklungen bei KI befeuern Diskussion

Keyfacts über KI

  • Robotik hat sich als Unterstützungssystem etabliert
  • Künstliche Intelligenz kommt erst langsam
  • KI ist speziell für Versicherungen interessant
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Am Telefon einer Versicherung nimmt ein Roboter die Schadensmeldung entgegen, auf dem Smartphone informiert ein Chatbot der Hausbank über aktuelle Aktienkurse. Im abgebrannten Lagerhaus bewegt sich ein Roboter der Versicherung durch die Trümmer, während seine Drohnen-Kollegin draußen ums Haus fliegt und die Schäden aus der Luft umfassend scannt. Später werden die beiden ihre Daten an ein KI-System übertragen und anhand von vorliegenden Daten – historisch und aktuell – einschätzen, wie hoch der entstandene Schaden ist.

Stetig neue Einsatzbereiche für Robotik und KI

Werden Systeme mit Künstlicher Intelligenz die Menschen bei Finanzunternehmen ersetzen, weil sie effektiver und schneller sind, nicht krank werden, an keine Arbeitszeiten gebunden sind und auch dort klaglos arbeiten, wo Lebensgefahr bestünde? Der japanische Versicherer Fukoku Mutual Life Insurance scheint in diese Richtung zu denken. Er führt eine Künstliche Intelligenz ein, um fast 30 Prozent der Mitarbeiter für Schadensbemessung zu ersetzen. Tatsächlich eröffnet der technische Fortschritt auch im Finanzsektor immer neue Anwendungsmöglichkeiten; sowohl bei der Robotik im Sinne von unterstützenden Anwendungen als auch bei der KI, die eigenständig hochkomplexe Aufgabenstellungen in Sekundenschnelle bearbeitet. Aktuell ist der größte Einsatzbereich bei Versicherungen die Automatisierung von einfachen, heute noch manuellen und weitestgehend standardisierten Tätigkeiten durch RPA. Untersuchungen sehen hier Kosteneinsparungspotenziale von etwa 30 bis zu 75 Prozent im bestehenden Wertschöpfungsmodell. Im Bankensektor erhält RPA ebenfalls Einzug, beispielsweise im Rahmen der Kreditvergabe und dahinterliegenden Verarbeitungsprozessen oder im Handel von Wertpapieren.

Machen KI-Systeme Versicherungen überflüssig?

Echte KI-Systeme ermöglichen nicht nur die Entlastung von Menschen, sie übernehmen auch deren Jobs. Gerade bei Assekuranzen bieten sich große Möglichkeiten. Ein Beispiel: Versicherer beschäftigen viele Juristen beispielswiese zur Sichtung von Akten und Analyse von Daten mit dem Ziel der Interpretation von Schadensbewertungen und -präventionen. Dazu wäre potenziell auch Künstliche Intelligenz in der Lage. Und mehr noch: Physische Einheiten – wie die Drohnen und Roboter im Eingangsszenario – begutachten vor Ort Schäden oder kümmern sich als Überwachungssystem vorbeugend um Schadensverhütung. Spinnt man den Faden weiter, sind Präventionslösungen denkbar, die so effektiv Risiken verhindern oder sofort Lösungsangebote erarbeiten, dass diese Fälle gar nicht erst zu einem Versicherungsthema werden.

5

Prozent der deutschen Wirtschaft setzen gemäß einer aktuellen KPMG-Studie Künstliche Intelligenz ein.

Allerdings: Große KI-Expertensysteme sind aktuell noch sehr teuer in Entwicklung und Anschaffung und bedürfen einer sehr langen Umsetzungsdauer. Daher sind entsprechende Cases keine reinen „Cost-Cases“ sondern beziehen vor allem Aspekte wie höhere Qualität, Reorganisation des Gesamtablaufs oder Kundenzufriedenheit in die Investitionsüberlegungen ein. Die Ergebniswirkung ist somit oftmals nur indirekt messbar. Ein weiterer wichtiger Faktor ist zudem die häufig noch mangelnde Akzeptanz der Technik beim Kunden, wie das Beispiel von Chatbots zeigt. Versicherungen experimentieren umfangreich mit diesen Dialogsystemen. Doch noch nehmen 60 bis 70 Prozent der Kunden den Kontakt per Telefon auf. Wer etwa einen Schaden melden will, möchte sofort einen „persönlichen“ Ansprechpartner und keine Software auf dem Smartphone starten. Manch einer traut der Technik auch nicht, vor allem wenn es um persönliche Daten und Emotionales geht.

Noch wird der Mensch nicht von künstlicher Intelligenz verdrängt

Fazit: Bei Banken und Versicherungen hat der Umbruch bereits begonnen, RPA ist an zahlreichen Stellen bereits im Einsatz. Bisher stehen die Unterstützung von Menschen und die Optimierung von Prozessen im Vordergrund. KI-Systeme sind in der Finanzbranche noch Einzelfälle.

Das gilt auch für den Großteil der deutschen Wirtschaft. Laut der aktuellen KPMG-Studie „Mit Daten Werte schaffen“ setzen bisher nur fünf Prozent der Unternehmen Künstliche Intelligenz ein, die natürliche Sprache sowie Inhalte versteht und analysiert. Die Erfahrung zeigt aber: Die Techniken entwickeln sich rasant weiter und die kulturellen Hürden sind schnell überwunden. Selbst wenn der Einsatz von KI heute für Banken und Versicherungen noch nicht existenziell wichtig ist, wird sie in einigen Jahren  eine Qualität erreichen, die eine neue Beurteilung der Situation erforderlich macht.

29. August 2017
Zusammengefasst

»Künstliche Intelligenz könnte Versicherungen nachhaltig verändern.«

Robotik und Künstliche Intelligenz haben bereits in vielen Branchen zu massiven Umbrüchen geführt. Auch bei Banken und Versicherungen sind diese Technologien bereits im Einsatz. Menschenverdrängende KI-Systeme sind jedoch Einzelfälle. Kosten und teilweise mangelnde Kundenakzeptanz bremsen die KI-Verbreitung noch. Das kann sich ändern. Im Versicherungswesen hat Künstliche Intelligenz das Potenzial für große Veränderungen bei der Handhabung von Schadensbewertungen und -präventionen.

Heiner Hoefer Partner, Financial Services
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Kommentare

Wie schätzen Sie die KI-Entwicklung bei Banken und Versicherungen ein?

Kommentar von Sascha von SH-Internetmarketing
03. September 2017 | 04:58 Uhr

Super Beitrag. Wenn wir uns einmal anschauen, wie sich die Wirtschaft derzeit entwickelt und, dass immer mehr Menschen dank Automatisierung und dem Internet Geld verdienen, sieht die Zukunft für einige nicht gerade Rosig aus. Immer mehr Arbeitsplätze werden überflüssig. Einige Wirtschaftsexperten meinen sogar, dass es weise ist, sich mehrere Einkommensquellen aufzubauen, um sich nicht in finanzielle Anhängigkeit zu begeben, die die wirtschaftliche Entwicklung für viele Menschen mit sich bringen wird.

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